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Elisabeth Ich trat auf die schmale schmutzige Straße. Hinter mir wurde das Tor geschlossen, und ich machte mich auf den Weg. Meine Wahl fiel auf den rechten Weg. Warum wollte ich dort entlang gehen, wo es doch weitaus schönere Wege durch meine Stadt gab, Wege, die mit Menschen gefüllt sein würden, die mich mit gebotener Achtung grüßten, die sich schüchtern nach meinem Wohlergehen erkundigten, wenn ich sie anspräche? Und einige der alten Leute würden auf die Balkon kommen um mich zu sehen, weil sie zu schwach sind, um zu meinen Kundgebungen vor das Herrscherhaus zu kommen. Warum also entschied ich mich für den anderen Weg, der leer sein würde? War es eine Art Selbstbestrafung? Oder wollte ich den Grund sehen, warum ich es getan habe? Ich habe Elisabeth verraten, meine geliebte und tapfere Elisabeth, die sich so für uns aufgeopfert hat, für uns alle. Ich habe sie in der Öffentlichkeit als verrückt bezeichnet, als egoistisch, sogar als böse und ich kann es nicht vergessen. Das ewige Zwielicht in den labyrinthartigen Straßen ließ alles noch trostloser erscheinen, als es ohnehin schon war. Mit Schrecken sah ich, dass sogar hier schon Löcher in einigen Wänden der Häuser zu sehen waren, obwohl dieser Stadtteil als einer der letzten verlassen worden war. Wie aufgerissene Münder sahen sie aus. Das Stroh aus dem inneren der Wände und das Holzgeflecht für den Lehm waren von Ratten angefressen und auseinander gerissen worden, und jetzt hingen sie wie Speichelfäden und Zahnruinen im Maul der Fachwerkwände. Das wenige Licht, das zwischen den sich fast berührenden Dächern hindurchdrang, konnte niemals bis in die grundlosen Schlünde reichen, in denen ich manchmal huschende Bewegungen sehen konnte. Der Geruch des alten und aufgeweichten Mülls, den ich so gewohnt bin, wirkte hier unangenehm und fehl am Platz. Er sollte vom geschäftigen Treiben von Menschen begleitet sein, vom Geschwätz der Alten und vom Grunzen einiger Schweine, aber hier war seine einzige Gesellschaft die unheimliche Stille, die von der kurvigen Anordnung der Straßen herrührte. Sie schluckt Geräusche nach wenigen Biegungen; ich konnte die Stimmen der Lebenden hier nicht vernehmen, nur den Wind und das gelegentliche Fiepen von Nagetieren. Ist es nicht seltsam, dass es immer den Anschein hat, als würden die Stadtteile plötzlich verlassen? Eben noch waren sie angefüllt mit dem Geruch von feuchter Wäsche, die zum trocknen an Leinen über der Straße hängt, und im nächsten Augenblick gähnen einen die schwarzen Münder der Hauswände an. Aber so ist es nicht. So ist es nie. Der Prozess beginnt schleichend, zuerst unbemerkt, doch stetig, wenn die Bewohner der Häuser langsam weniger und älter werden, sie beginnen ihre Heime zugunsten von Gesellschaft und Sicherheit zu verlassen und schließlich die schwere Reise in eine anderes Viertel auf sich nehmen, weil sie zu wenige geworden sind. Sie fühlen sich nicht wohl so weit voneinander getrennt, uns so wird Straße für Straße verlassen. Ich wurde angesprochen. Ein alter Mann stand auf dem Weg, die Fäden einer kniehohen Marionette in der Hand, und fragte mich in welchem Stadtteil er sich befinde, es sei so ruhig; ich sei der erste Mensch, den er seit langer Zeit hören würde. Der ewig grinsende Mund der Marionette klapperte unrhythmisch. Natürlich nannte ich dem alten Mann der anscheinend blind war den Teil der Stadt in dem er sich aufhielt. Er reagierte erschrocken; er hatte mich an meiner Stimme erkannt und entschuldigte sich sofort mit gesenktem Haupt, dass er mich in so ungebührlicher Weise angesprochen hatte (niemand hatte es gesehen, also bestand auch kein Anlass etwas deswegen zu unternehmen außerdem war ich nicht in der Stimmung mich über so etwas aufzuregen, schließlich konnte der alte Mann nichts dafür), und er hatte keine Ahnung, wieso er sich in diesem Stadtteil befand. Der arme Mann hatte sich in einer völlig anderen Ecke der Stadt vermutet. Ich beschrieb ihm genau die Gegend in der er sich befand, so dass er allein wieder zurückfinden konnte. Als er ging, schien es anfangs fast so, als würde er die Marionette führen, aber nur bis das hölzerne Ding eine andere Abzweigung nehmen wollte als er. Das ist das Verstörende an ihnen: wenn sie alt werden, hören sie nicht einfach auf. Ihre Bewegungen und Handlungen werden verdreht und falsch, erst langsam, dann immer mehr bis sie nur noch spastisch zucken und sich nicht mehr anders als schleppend und kriechend fortbewegen können. Die Puppe hatte den alten Mann völlig in die Irre geleitet. Elisabeth hätte den Alten bei der Hand genommen und ihn zu seinem Bestimmungsort gebracht. Ich ließ ihn ziehen, aber ich lauschte noch eine Weile dem irrsinnigen Klappern des Marionettenmundes, während ich ihm innerlich Glück wünschte bei seiner Suche nach dem richtigen Weg. Von oben (von Elisabeths Zimmer aus) sah die Stadt wie ein Labyrinth aus, von hier sah man die vielen bunten Dächer, und man konnte unter ihnen im Dunkeln die Wege erahnen. Wenn ich im Turm am Fenster stand und meine langen Gespräche mit Elisabeth führte (in denen meist sie versuchte mir Trost zu spenden was für ein Wahnsinn), fragte ich mich oft, wie man sich dort unten zurecht finden konnte. Es schien so schrecklich und unlösbar kompliziert. Aber wenn man sich auf den Straßen befand, dann sah man, dass doch anders als von oben angenommen Licht bis hier unten vordrang, dass doch keine Straße im Nichts endete, und man spürte, dass doch genug Luft zum atmen vorhanden war. Darauf jedenfalls wies mich Elisabeth jedesmal hin, wenn ich mit ihr über diesen Anblick sprach, selbst als sie schwächer wurde, und sie merklich Mühe bekam einen guten Grund für ihre Strapazen zu finden. Ich beschoss einen kleinen Umweg zu machen und von meinem ursprünglich gewählten Pfad abzuweichen, der mich in den unangenehmsten Teil der Stadt gebracht hätte, der Teil in dem sie leben: die ausrangierten Marionetten. Immer noch im Unklaren, warum ich überhaupt diese Richtung eingeschlagen hatte, konnte ich den Gedanken an die stummen Gesichter mit fixierten Gesichtsausdrücken auf einmal nicht mehr ertragen. Ihre ziellosen Wanderungen, ihre zuckenden, klappernden Bewegungen, ihre Stürze gefolgt von unbeholfenen Versuchen aufzustehen oder ihr langsames Vorwärtskriechen hätten mich wahrscheinlich in Horror aufschreiend davonlaufen lassen. Auch nur an den vernagelten Fenstern und den Holzwänden, die dieses Viertel vom Rest der Stadt absperrten, entlangzugehen, erschien mir auf einmal unerträglich. Meine Hand fand beim Weitergehen den kleinen Streifen Pergament, der mich auf diese Reise geschickt hatte. Ich befühlte ihn und nahm ihn schließlich heraus, um ihn noch einmal zu lesen.. Ein Diener hatte ihn heute morgen zu mir gebracht. Es sei sehr wichtig, war ihm von dem Boten mitgeteilt worden. Die schmale Rolle trug das Siegel der Wissenschaftler. Sie hätten eine freudige Entdeckung gemacht, stand da in eckiger ungleichmäßiger Schrift, eine neue Magie. Ich solle zu ihnen kommen, um es mir selbst anzusehen, und es danach den Menschen der Stadt verkünden. Da meine Gedanken schon vor einer Weile begonnen hatten sich in philosophischen und viel zu unangenehmen Betrachtungen der Zukunft und der Vergangenheit zu verstricken, beschleunigte ich meine Schritte. Wenn ich erst einmal ins Grübeln gekommen bin, hilft nur noch Ablenkung. Die leeren Straßen füllten sich abrupt, denn die unsichtbare Grenze zwischen den bewohnten und den leeren Häusern wurde nur noch selten überschritten. Sie lebten schon viel zu lange damit, als das Neugier sie hätte dazu bringen können diese Barriere zwischen Gegenwart und Zukunft zu überschreiten. Niemand wollte sich ansehen, wie ihre eigenen Straße vielleicht schon bald aussehen würden, und die Neugier, die sie als Kinder ins Unbekannte getrieben hatte, besaß keinen Reiz mehr. Sie erinnerten sich, wie es dort war sie hatten dort gewohnt und sie wollten die Straßen so in Erinnerung behalten wie sie sie damals erlebt hatten, ohne die gähnenden Münder in den Hauswänden und ohne die Ratten und die Stille. Die Stadt war ruhiger geworden in den letzten Jahren. Das Geschrei von Kindern hörte ich inzwischen nur noch in meinen eigenen Wänden. Ich hätte es gern um mich gehabt, als ich das geschäftige Stadtviertel betrat; es hat etwas so Beruhigendes seine eigenen Kinder spielen zu sehen. Die Männer, die ich beauftragt habe, sich um sie zu kümmern, sind sehr liebevoll und ein recht guter, wenn auch unzureichender Mutterersatz. Es ist so schön sie glücklich zu sehen und so sorglos, und doch bricht es mir manchmal fast das Herz. Sie werden von uns allen am meisten zu leiden haben. Sie werden die Letzten sein. Die Menschen gingen ihren üblichen Beschäftigungen nach. Ich konnte mich für wenige Minuten unsichtbar zwischen ihnen bewegen, bis ich schließlich erkannt und respektvoll gegrüßt wurde, sie mir schweigend Platz machten oder sich einfach neugierig umdrehten. Sehr oft komme ich nicht heraus, um mich zu ihnen zu gesellen, für sie ist das Gesicht des Herrschers der Stadt keine Alltäglichkeit. Viel der Menschen bringen mir Misstrauen entgegen, das ich in den Gesichtern lesen kann oder bilde ich das nur mir ein? , denn sie denken ich hätte es verhindern können, verhindern müssen. War ich nicht ihr Mann der Mann von Elisabeth, war ich nicht der mächtigste Mann der engen Straßen, der Herrscher, der die Aufgabe hatte sie zu schützen und für eine Zukunft zu sorgen? War ich also nicht genauso Schuld wie meine Frau, das teuflische Weib? Ich musste mich wieder auf die Straße konzentrieren, meine Gedanken entglitten mir schon wieder. Die Straßen waren bevölkert wunderbar bevölkert , und Menschen verschiedenen Alters arbeiteten oder saßen einfach nur da, bis eben noch in ein Gespräch vertieft. Zwischen ihnen bewegten sich die Puppen ohne den Anschein von Unnatürlichkeit, und auch sie erledigten Dinge. Sie vollführten die Arbeiten, für die die Menschen sich zu fein waren. Eine Menschengroße aus polierten farbigen Holzzeilen, die ihr Gesicht einem echten Künstler zu verdanken hatte, so natürlich schien es auf dem geschnitzten Kopf, trugt Feuerholz von einem Handkarren zu einem Ofen in einem ungewöhnlich großen Haus. Eine andere kleiner und plumper reinigte die Straße von allem Dreck, den der Regen nicht weggespült hatte. Ein paar Ecken weiter entdeckte ich eine ausgesprochen schlanke und elegante Marionette, die die kleinen Fenster eines ehemals teuren Hauses putzte. Das nasse Stück Stoff rieb immer wieder über das Glas, entfernte Schmutz und Vogeldreck und wechselte zur nächsten kleinen Scheibe, wenn ein ausreichender Grad an Sauberkeit erreicht worden war. Das unterste Rechteck des vielteiligen Fensters war nicht ganz ausgefüllt, das Glas in der Mitte zerbrochen und teilweise herausgefallen. Die hölzerne Hand erreichte diese Lücke und fuhr unbeirrt mit dem Putzen fort, der Lappen rieb über leere Luft und Wasser tropfte in den dahinterliegenden Raum bis schließlich wieder Glas erreicht wurde. Die Menschen ignorierten die kleine Szene; die wenigen, die sie überhaupt bemerkten, fanden nichts besonderes an dieser unbedeutenden Alltäglichkeit. Ich aber schien an diesem Tag sensibilisiert für die Bizarrheiten, die mit den hölzernen Wesen in unsere Welt gekommen waren; die Begegnung mit dem blinden Mann hatte mich darauf aufmerksam gemacht. Deshalb war der kleine Abstecher in diesen anderen Teil der Stadt von mir vorzeitig abgebrochen worden und deshalb schien die Auffrischung meiner Erinnerung, die ich damit bezweckt hatte auf einmal so unerträglich für mich geworden. Er hatte mich zum Grübeln gebracht. Natürlich hatten wir im Schloss Puppen. Sie arbeiteten für uns, sie taten all die Dinge, die ungern von uns Menschen getan wurden. Ich hatte für eine sehr gute Überwachung der Marionetten gesorgt, die Puppen sofort aussortierte, wenn sie alt wurden und Absonderlichkeiten zeigten, die neue, modernere Puppen anschaffte, wenn Verbesserungen zugänglich waren, die kaputte Teile ersetzte. Manchmal sah ich die schweigende Schlange der Wäscherinnen, die kamen, um ihre zersplitterten aufgequollenen Holzhände austauschen zu lassen. Eine lange Reihe, die schweigend wartete. Elisabeth hasste die Puppen; sie durften ihr Zimmer nicht betreten. Sie sind unnatürlich! Und sie sind gefährlich! pflegte sie zu antworten, wenn ich in einer Diskussion nach dem Grund ihrer Abneigung fragte. Ich will sie einfach nicht um mich haben! Aber was sollen wir machen, wenn wir alt werden, Elisabeth? versuchte ich zu argumentieren, Du weißt wir werden alle älter. Wer soll sich um uns kümmern? Wir werden immer weniger und immer älter. Wir brauchen sie. Die Wissenschaftler tun, was sie können. Die Puppen können denken, mein Schatz, sie sind dumm, aber sie können denken, und sie werden immer intelligenter. Sie können uns sehen, und sie können verstehen, was wir ihnen sagen, und es ist ihnen unmöglich unseren Befehlen nicht folge zu leisten. Sie sind nützlich für uns! Manchmal regte die Diskussion sie schrecklich auf, und niemals habe ich sie überzeugt. Einmal sie war erschöpft und krank begann sie zu weinen, und ich hielt sie und versuchte sie zu trösten. Sie hasste die Puppen aus tiefstem Herzen. Warum sie das tat, habe ich bis zu ihrem Tod nicht verstanden, aber inzwischen glaube ich, sie hatte panische Angst vor ihnen, tiefsitzende Furcht vor diesem unnatürlichen Leben, das unfähig ist zu fühlen. Vielleicht hat sie deshalb so lange durchgehalten, auch als sie krank wurde und bei jeder Geburt die Chance ihres Überlebens geringer wurde. Unsere Kinder überlebten die Geburt gegen Ende nur noch selten. Die Stimmung in der Stadt war etwas gedrückt, es war schwül und heiß, und das schon seit Wochen. Die Fliegen waren zu einer Plage geworden, und während ich zwischen den Menschen entlang ging alles Männer, denn Elisabeth war die letzte gewesen, die letzte Frau, die Zeit ihres Lebens darum gekämpft hatte, eine weitere Frau zur Welt zu bringen , während ich ihren Gesprächen lauschte und ihre Grüße mit einem Nicken beantwortete, überlegte ich, ob ich sie nicht aufmuntern sollte. Es wäre einfach gewesen mit dem Brief der Wissenschaftler in der Tasche. Aber ich beschoss zu warten bis ich alles wusste. Viel hätte ich ihnen nicht sagen können, denn ich wusste die große Neuigkeit schließlich selbst noch nicht. Und so beschleunigte ich ein weiteres mal meine Schritte. Eigentlich gehe ich ungern in das Viertel der Wissenschaftler. Sie sind wie kleine Kinder, die mit Magie statt mit Sand spielen. Doch an diesem Tage war ich ungeduldig sie zu sehen und erleichtert als ich endlich den abgelegenen Stadtteil erreichte. Auf den Straßen saßen Bildhauer, die Köpfe und Arme schnitzten, Maler, die diese möglichst lebensecht bemalten, Leute, die immer kompliziertere Körperteile aus immer kleineren Holzstückchen bauten. Ich sah eine hölzerne Hand die da wo das Handgelenk hätte sein sollen auf einer Platte befestigt war, ihre Finger bewegte und verschiedene Dinge festhielt und los lies, die ihr ein Wissenschaftler reichte. Ich sah die Leiche eines kürzlich verstorbenen Mannes auf einem Tische liegen. Einige Wissenschaftler standen darum herum und diskutierten immer wieder die Fliegen verscheuchend die Anordnung der Knochen eines geöffneten Knies. Ich sah Männer, die merkwürdige Materialien karrenweise in ein Haus schafften und andere, die diese in magischen Ritualen benutzten. Und ich sah eine hüfthohe Marionette, die Fragen, die ihr mit rasendschneller Geschwindigkeit gestellt wurden mit Kopfschütteln oder Nicken beantwortete, bis ich mein eigentliches Ziel ein kleines verwinkeltes Haus in der Mitte des Viertels erreichte. Die Flure waren dunkel und still, die kleinen Fenster schmutzig und unbeachtet. Ich betrat den großen Zentralraum des Gebäudes geführt von einem übernächtigt aussehenden, unrasierten und aufgeregt zappelnden Mann. In der Mitte, umringt von einem Duzend gespannt blickender Wissenschaftler, stand eine menschengroße Marionette, hübsch bemalt und bunt geschmückt. Als ich den Raum betrat, drehte sie sich zu mir um. Sie hatten sie geliebt. Die Menschen dieser Stadt hatten Elisabeth wie eine Göttin verehrt; so wie sie jetzt die Wissenschaftler verehren. Sie lieben alles, was ihnen Hoffnung gibt und klammern sich daran wie ein Ertrinkender an ein Stück Holz. Sie hatten sie geliebt, wie sie sie später hassten und verteufelten, nachdem sie ihr Leben mit einem Strick beendete hatte. Ein Diener hatte sie gefunden und ihre zwei Tage alte Tochter, die tot auf einem Kissen lag. Schon bei ihrer Geburt war die Kleine schwach und dünn gewesen. Elisabeth wurde als Verräterin verachtet und als Teufelin gehasst, die die Zukunft der Stadt zerstört, die letzte Hoffnung der Menschen mit sich selbst vernichtet hatte. Der Hass der Menschen war zerstörerisch, und ich musste sie beruhigen; ich durfte ihnen nicht widersprechen. Die Marionette kam auf mich zu und verbeugte sich tief. Einen wunderschönen Tag wünsche ich Ihnen, Gebieter, sagte sie und trat einen Schritt zurück während sie sich verbeugte. Der Raum war für eine Feier geschmückt, ich sah Becher in den Händen der Wissenschaftler, die gespannt mein Miene studierten, um meine Reaktion abzulesen. Ich roch Wein. Als mein Schweigen länger andauerte, als sie zu ertragen bereit waren es können höchstens ein paar Augenblicke gewesen sein , trat einer von ihnen vor. Sie spricht, Herr! Hört doch, sie spricht! Ein paar Tage später konnte ich mich mit ihnen freuen, mit ihnen, die das furchtbare Schweigen gebrochen hatten. Ich freute mich nicht nur für sie, sondern auch für mich und für die Menschen der Stadt. Aber an diesem Nachmittag konnte ich mich nicht freuen, denn vor meinem geistigen Auge sah ich ein Bild von verfallenen Straßen, bevölkert mit hölzernen Marionetten. Unfähig ihre eigene Magie aufzufrischen krochen sie zuckend auf dem Boden umher. Sie vollführten sinnlose Arbeiten und saßen, sinnlose Phrasen brabbelnd, im Dreck. Gemeinsam warteten sie auf das gleiche Ende, das die Menschen schon lange vor ihnen erfahren hatten. © 1998 by Andreas Melhorn |
Nachbemerkung
Das Foto entstand in Braunschweig. In der Zeit als diese Geschichte entstand, habe ich viel von Thomas Ligotti gelesen. Ich glaube, das merkt man.Dieser Text ist © by Andreas Melhorn. Er darf für den Eigenbedarf beliebig kopiert werden, bitte lasst nur den Copyright-Vermerk mit meinem Namen bei der Geschichte. Druckrechte behalte ich mir für alle Fälle vor. Jeder Link auf diese Seite wird mit Freuden begrüßt.