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Rezensionen

The White People and other stories

The White People ist der neuste Geschichtenband aus dem Hause Chaosium und der zweite und letzte Teil einer Sammlung der besten unheimlichen Geschichten von Arthur Machen. Der Waliser ist vielen heutigen Lesern hauptsächlich durch die Tatsache bekannt, dass H. P. Lovecraft die titelgebende Geschichte „The White People“ als die zweitbeste unheimliche Geschichte, die je geschrieben wurde, bezeichnete (die Beste ist seiner Meinung nach übrigens „The Willows“ von Algernon Blackwood). Man mag sich vielleicht fragen, wie bekannt der Waliser heute noch wäre, wenn Lovecraft ihn nicht so wohlwollend in seinem Essay „Supernatural Horror in Literature“ erwähnt hätte, wir sollten aber froh sein, dass er es getan hat, denn es wäre eine Schande, wenn Machens Geschichten vergessen worden wären.

Mir selbst wurde Machen mal beschrieben als ein Autor, „den Leute lesen, die Lovecraft zu abgefahren finden“, und auch wenn ihm die Beschreibung nicht ganz gerecht wird, so trifft sie den Kern doch relativ gut. Lovecraft hat sich sehr stark von Machens Geschichten beeinflussen lassen, denn sie enthielten viele Elemente auf die der Meister in der unheimlichen Literatur großen Wert legte. Der Horror tritt bei Machen – wie bei Lovecraft – nicht in den Vordergrund, sondern bleibt verborgen, nebulös im Hintergrund, so dass er vom Leser nur erahnt werden kann, ein Element, das von vielen Freunden der Gruselliteratur sehr geschätzt wird (und von vielen selbsternannten Literaten sogar als Pflichtprogramm für eine „gute“ Horrorgeschichte angesehen wird). In seinen Beschreibungen ist Machen sogar noch subtiler als Lovecraft und manchmal ist es nur ein einziger Satz, der sehr versteckt auf die Ursache des Horrors hinweist. Die titelgebende Geschichte ist ein solcher Fall; manchem wird sie wahrscheinlich zu subtil sein. Wie bei Lovecraft findet man bei Machen Andeutungen von Grauen, die älter sind als der Mensch. Zwar sind die Grauen im Vergleich zu Lovecrafts kosmischen Göttern eher klein, aber sie überschatten die Menschen auf ihre Art nicht weniger als die Mythosgötter.

Die Stimmung, die Machens Geschichten erzeugt, ist nicht ganz so dunkel wie bei Lovecraft. Das liegt zum einen natürlich daran, dass sie noch subtiler sind und zum anderen, dass der Horror noch mehr in das normale Leben einbricht als es der Cthulhu-Mythos tut.

Neben „The White People“ ist vor allem noch eine weitere Geschichte interessant: „The Bowmen“ wurde in einer Zeitung veröffentlicht. Die Geschichte erzählt in einem Zeitungsbericht-Stil, wie die Geister von britischen Bogenschützen aus dem Mittelalter einer belagerten Einheit von britischen Soldaten zu Hilfe kommen. Sie wurde zwei Monate nach Ausbruch des ersten Weltkriegs das erste Mal veröffentlicht, was dazu beigetragen haben dürfte, dass die Legende entstand, die Geschehnisse der Geschichte wären wirklich passiert. Selbst die Worte des Autors selbst, er habe alles völlig frei erfunden, wurden angefeindet und als Lügen abgetan. In diesem Punkt geht es Machen also ein wenig wie Lovecraft, dessen Necronomicon ja auch damals wie heute von vielen für ein reales Buch gehalten wird und der daraufhin – sozusagen, um sich darüber lustig zu machen – die Geschichte des Necronomicons aufschrieb.

„The Coming of Terror“, die vorletzte Geschichte des Buches, ist die „kurze Version“ des Romans „The Terror“, in dem sich Tiere gegen die Menschen auflehnen. Nachdem in Duzenden von Horrorfilmen dieses Thema bereits aufgegriffen und mehr oder weniger gut umgesetzt wurde, ist so eine Geschichte natürlich keine Überraschung mehr für den modernen Leser, dennoch ist sie es Wert gelesen zu werden. Sie überzeugt nicht nur durch ihre Sprache (wie alle Geschichten Machens), sondern baut auch eine sehr nette gruselige Stimmung auf, auch wenn man von der Ursache der Geschehnisse nicht geschockt werden kann.

„Ornaments in Jade“ soll als letztes herausgegriffen werden. Hierbei handelt es sich um eine kleine Sammlung von Prosagedichten. In diesen „Minigeschichten“ von drei oder vier Seiten Länge zählt nur die Stimmung und keine schockierende Pointe wartet am Ende. Für mich stellen sie ein kleines Highlight des Buches dar, denn Stimmung ist der Grund, warum ich Machen so gerne lese.

Fazit: The White People and other stories ist ein grandioses Buch für jeden Liebhaber des subtilen Horrors. Auch wenn seine Geschichten ihr Alter nicht ganz verbergen können, wirken sie auch heute noch erstaunlich wenig angestaubt. Viereinhalb von fünf Sternen.

[ The White People and other stories, Vol. 2 of the Best Weird Tales of Arthur Machen, Sprache: Englisch, Softcover, 284 Seiten, ca. € 18 ]