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Rezensionen
Compass of Celestial Directions Vol. 1: The Blessed Isle
[ Exalted 2nd Edition: The Blessed Isle von Carl Bowen, Joseph Carriker, Jess Hartly und John Snead, White Wolf, Sprache: englisch, Softcover, 160 Seiten, $ 24,99, Rezension vom 11.04.07 ]
"The Blessed Isle" ist der Auftakt einer neuen Serie an "Exalted"-Büchern, die die übernatürlichen Orte der Schöpfung beschreibt. "The Wyld", der zweite Teil, ist schon erhältlich (Stand: 23.03.07) und die "Shadowlands", die Unterwelt, und "Yu-Shan", die Stadt der Götter, werden sicher noch folgen.
Die Aufteilung in Serien zu fünf Teilen ordnet die Veröffentlichungen und macht sie übersichtlicher. Ganz nebenbei erhofft man sich vermutlich gesteigerte Verkaufszahlen. Bei mir hilft es jedenfalls, denn ich verfolge die neuen "Exalted"-Produkte mit noch mehr Interesse als sonst und noch öfter juckt es mir in den Fingern, wenn der neue Teil einer Serie erscheint.
"The Blessed Isle" ist als Auftakt der Reihe gut gewählt, ist die große Insel doch nicht nur geografisch der Mittelpunkt der Welt. Sie war das erste Stück Land, das aus dem Chaos entstand, später war sie das Heim der Götter und dann der "Solar Exalted". Auf ihr ist der Regierungssitz der "Scarlet Empress" und von hier aus versuchen nun, nach ihrem Verschwinden, die "Dragon-Blooded Exalted" ihre Herrschaft zu erhalten und die Jagd auf die wiedergeborenen "Solars" zu organisieren. Trotz alledem ist die Insel ein Stück Land. Die Einordnung zu den übernatürlichen Orte der "Celestial Directions" (im Gegensatz zu den "Terrestrial Directions", die die Länder beschreiben) ist wohl am ehesten der Tatsache zu verdanken, dass eine so starke Verbindung zwischen der Insel und den "Dragon-Blooded" besteht.
Optisch reiht sich das Buch fast nahtlos in die Reihen ein. Das Cover ist ausgesprochen gut gelungen, die Innenzeichnungen konnten mich dieses Mal allerdings nicht 100%ig überzeugen; einige sind für meinen Geschmack zu skizzenhaft andere wiederum zu "fluffig". Aber wie üblich gibt es auch diesmal ein paar sehr schöne Werke, wenn auch nicht so viel wie sonst.
Das Inhaltsverzeichnis scheint alle wichtigen Themen abzudecken. Und wirklich: Guckt man in die einzelnen Kapitel hinein, bestätigt sich dieser Eindruck.
Den Auftakt (die obligatorische Einleitung mit der Kapitelübersicht wollen wir geflissentlich übersehen) macht die Geschichte der "Blessed Isle" bis zur Machtübernahme der "Scarlet Empress" und ihrem Verschwinden. Es gibt zwangsläufig einige Wiederholungen aus dem Grundregelwerk, doch die Erklärungen, wieso die derzeitige Regierung aufgebaut ist, wie sie ist, und wie es zu dem Machtvakuum durch das Verschwinden der Kaiserin kommen konnte, obwohl eine riesige Bürokratie existiert, sind sehr erhellend.
Vom Leben auf der Insel handelt das zweite Kapitel. Der Schwerpunkt liegt beim gewöhnlichen Volk, denn die Regierung wird später noch beschrieben. Zwar wird nicht erklärt, was für Kleidung die Leute tragen oder was genau sie essen, doch ergibt sich trotzdem ein spielbares Bild der einzelnen Schichten und Lebensweisen. Wie geheilt, gereist und gebetet wird und ob es Sklaven gibt, das sind alles Fragen die das Kapitel beantwortet.
Das Kapitel ist wie üblich gut geschrieben und erspart uns langweilige Aufzählungen oder irrelevante Details, die direkte Umsetzbarkeit in Abenteuer, wie sie zum Beispiel in "Cult of the Illuminated" zu finden war, habe ich aber etwas vermisst. Dennoch will ich den Text nicht zu sehr kritisieren, denn das liegt wohl auch an der Natur des Themas.
Die erwähnte Umsetzbarkeit steigt dann auch gleich erheblich im nächsten Kapitel. Will man die "Dragon-Blooded" in seine Kampagne einbauen, egal ob nun als Spielercharaktere oder als Gegner, kommt man um Intrigen und Machtspielchen nicht herum. Zu diesem Zweck muss man wissen, wie die Regierung aufgebaut ist, wie man in die einzelnen Gruppen aufgenommen werden kann, wo die Schwachstellen sind. All das berichtet das dritte Kapitel des Buches. Es wird erklärt, wer die Gesetze macht und wo sie aufgeschrieben sind, wie man Senator wird und was die wandernden Richter tun. Auch Kampfwerte und Beschreibungen der Armee dürfen natürlich nicht fehlen und wer in die brutaleren Ebenen der Intrigen einsteigen will, kann versuchen Mitglied im "All-Seeing Eye", dem Geheimdienst, zu werden.
Die Staatsreligion der Schöpfung, "The Immaculate Order", benannt nach den fünf "Immaculate Dragons" (nicht zu verwechseln mit den "Elemental Dragons", die das Fundament der Schöpfung bilden), ist Thema des vierten Kapitels. Die fünf "Immaculate Dragons" werden einzeln vorgestellt. Sie verkörpern je eine Tugend, die jeweils die Antithese eines Elements darstellt. Hesiesh ist beispielsweise trotz seiner Feuer-Zugehörigkeit sehr beherrscht und Daana'd ist, obwohl sie dem Wasser verschrieben ist, unabhängig und unbeugsam. Irgendwie bringen die Autoren es fertig, die sich anschließenden verschiedenen Ränge und Gesetze (zwei mal fünf. Was würde die "Exalted"-Redaktion ohne die Fünf machen …) anschaulich und nicht langweilig darzustellen. Es folgen verschiedene Traditionen, Personen und Klöster. Am Ende hat man einen guten Überblick über den Orden und kann sich auch hier intrigen-mäßig austoben.
Dem Land selbst ist mit 35 Seiten das längste Kapitel gewidmet. Die verschiedenen Präfekturen erhalten je einen Eintrag mit großen Städten, wichtigen Personen und Orten, Klima usw. All das ist kurz gehalten und auf Dinge beschränkt, die den jeweiligen Ort von anderen unterscheidet. Hier fällt auch das erste Mal auf, dass im gesamten Buch nur eine einzige winzige Karte existiert (eine halbe Seite für die gesamte Insel). Man will den Spielleitern viel Freiraum schaffen, das ist löblich, doch Karten sind einfach cool, selbst wenn man sie eigentlich nicht braucht. Ein klein wenig mehr hätte sicherlich nicht geschadet.
Die "Scarlet Prefecture" ist zweifellos "The Heart of the Realm" (Kapitel sechs), ist hier doch der Regierungssitz. Neben Personen, Orte und Landschaften erhalten auch die "Imperial City" und der kaiserliche Palast jeweils einen Abschnitt. Einmal muss wohl jeder "Exalted" hier im Zentrum aller Macht gewesen sein, da kommen dem Spielleiter die Beschreibungen sicherlich zugute. Nur eine Karte vermisse ich ein weiteres Mal, wenigstens eine kleine Übersichtskarte wäre nett gewesen.
Götter, Katzen und Pandas (und andere Kreaturen) werden im letzten Kapitel beschrieben. Auch sie dürfen sicher nicht fehlen.
"The Blessed Isle" ist ein zentrales Buch, das den bedeutendsten und ältesten Teil der Schöpfung ausführlich, interessant und vor allem spielbar beschreibt (wenn auch nicht so direkt spielbar wie dies in anderen Quellenbüchern der Fall ist). Es ist ein wichtiges Buch, ohne dass man als Spielleiter wahrscheinlich nur schwer auskommt, will man sich nicht nur an den Rändern der Schöpfung herumdrücken. Es ist ein Buch, das ausführlich beschreibt, ohne den Spielleiter einzuschränken, wenn er selbst etwas erfinden will. Es ist schlicht und ergreifend ist ein gelungenes Buch.