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Rezensionen
The Stars Are Right
Das neuste Buch in der schier endlosen Serie der Neuauflagen für Cthulhu ist eine Abenteuersammlung mit neun Abenteuern. The Stars Are Right ist aber nicht nur ein reiner Nachdruck: Das Layout wurde erheblich überarbeitet und gleich zwei zusätzliche Abenteuer erweitern das Buch.
Alle Abenteuer sind in der heutigen Zeit angesiedelt. Das gelungene Cover ist das gleiche wie von der vorigen Auflage und bezieht sich direkt auf eines der Abenteuer. Entgegen meinen Erwartungen ist Chaosium offensichtlich doch in der Lage, eine hübsche Seitengestaltung zu entwerfen, ohne sie einfach von Pegasus zu übernehmen, denn das Layout mit seinen gelungenen Seitenrändern und Überschriften ist passend und ansprechend geworden. Die Zeichnungen von Blair Reynolds aus der alten Auflage tun ihr Übriges, um ein schönes Gesamtbild zu erzeugen. Die Bilder der neuen Abenteuer fügen sich gut ein und bereichern die Optik des Buches, auch wenn sie nicht an die Qualität von Reynolds’ Werken heranreichen.
Die Abenteuer bieten ein sehr breites Spektrum an Schauplätzen und Stimmungen.
In This Fire Shall Kill brennt das Haus eines der Charaktere ab und führt sie in Ermittlungen, in denen sie auf die Feuerwehr und andere heiße Gesellen stoßen. Die Handlung hat leider einige Nadelöhre, durch die die Spieler gepresst werden müssen. Allerdings präsentieren sich hier stimmungsvoll ein ungewöhnlicher Kult und eine bisher wenig genutzte Mythosfigur. Diese Tatsache und das actionreiche und im wahrsten Sinne des Wortes „heiße“ Showdown sollten es wert sein, sich durch holprige Handlung zu bewegen. Einen geschickten Spielleiter vorausgesetzt kann das Abenteuer viel Spaß bereiten.
The Music of the Spheres war der würdige Höhepunkt der alten Ausgabe. Ein Freund der Charaktere – ein ruhiger, zurückhaltender Geselle – hat seine Frau erdrosselt. Er weiß nicht, was ihn so in Rage gebracht hat, dass er zu der Tat fähig war. Wenn ihm die Charaktere zu Hilfe eilen, werden sie bald feststellen, dass in der kleinen Stadt in Nebraska, in der er in einer Forschungsstation gearbeitet hat, etwas nicht stimmt. Und nicht nur dort: Die ganze Welt scheint plötzlich verrückt geworden zu sein. Dann tauchen auch noch fremde Wesen auf, die alles verkomplizieren – doch damit ist der Höhepunkt des Abenteuers noch gar nicht erreicht. Die Handlung der Geschichte ist sehr frei gehalten und mit chaotischen und gruseligen Momenten gespickt. Es ist schwierig das Abenteuer zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Tod und Chaos sind der wahrscheinliche Ausgang. Doch ist es nicht genau das – und ein spannendes Abenteuer wie dieses – dass die Spieler insgeheim wollen?
Darkest Calling ist das erste der beiden neuen Abenteuer. Die Handlung spielt hauptsächlich in einem Reservat in der Wüste von Arizona und bietet somit eine gelungene Kulisse für den Chtulhu-Mythos gemischt mit Stammesglauben. Das Verschwinden einer Person lockt die Charaktere in die heiße Gegend und führt sie zu mehreren bizarren Morden. Am Ende steht eine moralische Entscheidung, vor die cthuloide Investigatoren ab und zu gern gestellt werden. Leider ist die Entscheidung recht leicht: Vergesst die beiden Übel, zwischen denen ihr eigentlich wählen sollt und seht zu, dass ihr das Problem selbst aus der Welt schafft, auch wenn es gefährlich ist. Das Ende der Geschichte muss sehr frei gestaltet werden und gibt kein festes Showdown vor, was im Vergleich zu vielen anderen Cthulhu-Abenteuern eine nette Abwechslung darstellt. Insgesamt kein weltbewegendes aber ein unterhaltsames Abenteuer.
Das zweite neue Abenteuer The Source and the End spielt in einer einzigen sturmdurchtosten Nacht. Der telefonische Hilferuf eines ehemaligen FBI-Agenten ruft die Charaktere in die kleine Stadt Hillston. Als sie dort ankommen, erscheint zunächst alles normal. Nur das Wetter lässt etwas zu wünschen übrig ... Die Geschichte, in die die Charaktere hineingeraten, erinnert stark an klassische Zombie-Filme (und das ganz ohne klassische Zombies). Durch die Schnelligkeit der Geschichte, die Szenerie von einer kleinen Stadt in einem gewaltigen Unwetter und den allgemeinen Zeitdruck kann das kurzweilige Abenteuer gut eingesetzt werden, wenn es den Spielern mal wieder nach ein wenig Action verlangt.
Auch die anderen Abenteuer versprechen einige spannende Abende
– selbst wenn nicht alle so gut sind wie die Erwähnten. Love’s
Lonely Children verschlägt die Charaktere in die Porno-Szene und präsentiert
menschliche Schicksale, die angenehm fern von weltumspannenden Schrecken sind.
In The Professionals werden die Spieler in politische Intrigen verstrickt
– neben Love’s Lonely Children ein weiteres gelungenes
und sehr modernes Abenteuer. Der versuchte Selbstmord einer alten Freundin bringt
die Charaktere in das Geschehen von The Gates of Delirium und in Kontakt
mit einer gefährlichen Droge. Fractal Gods dreht sich um Fraktale,
ein Ansatz, der mich zwar völlig kalt lässt, aber die Qualität
des Abenteuers nur mäßig mindert. Nemo Solus Sapit bietet
zwar eine enttäuschende Handlung aber einen ungewöhnlichen Einstieg.
Fazit: Eine schöne Abenteuersammlung für den Cthulhu-Now-Interessierten.
Die Moderne ist in vielen der Abenteuer gut eingefangen und auch wenn natürlich
nicht jedes der neun Abenteuer herausragend sein kann, überzeugt schon
die relativ große Anzahl. Zwischen den anderen Veröffentlichungen
für Cthulhu Now (sehr viel sind es ja nicht) muss sich The
Stars Are Right jedenfalls nicht verstecken. Dreieinhalb von fünf
Sternen.
[ The Stars Are Right, Chaosium, Sprache: Englisch, Softcover, 176 Seiten, $23,95 ]