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Cthulhu abseits
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Rezensionen

Shadows of Yog-Sothoth

Shadows of Yog-Sothoth (SOYS) ist eine klassische Cthulhu-Kampagne, vielleicht sogar die klassische Cthulhu-Kampagne. Sie wurde 1982 veröffentlicht und war das erste Quellenbuch für Cthulhu.

Es geht, wie sollte es anders sein, um die Rettung der Welt. Die Charaktere treten in einen Herrenclub ein, den Order of the Silver Twighlight, und von dort aus geraten sie in eine große Verschwörung, die sie in verschiedenste Teile der Welt und gegen ganz unterschiedliche Mythoswesen führt.

Optisch ist SOYS durch Verwendung des alten Pegasus-Layouts relativ gut gelungen. Leider wurden die alten Zeichnungen nicht modernisiert, was dem Buch sicher gutgetan hätte. Dennoch wollen wir uns nicht beschweren. Chaosium hat in Layoutdingen erheblich dazugelernt und das wollen wir dem Verlag zu Gute halten. 176 Seiten hat die 7-teilige Kampagne. Dies beinhaltet 23 Seiten Handouts, eine angenehme Schriftgröße und eine großzügige Seitengestaltung.

SOYS ist alt und das merkt man dem Buch auch an. Als Cthulhu geschrieben wurde, war es als witzige Abwechslung zu normalen "ernsten" Rollenspiel-Kampagnen gedacht, in der die Spielercharaktere gegen alle Chancen um das Heil der Welt ringen, und am Ende doch aufgefressen werden. Ganz so schlimm ist es hier natürlich nicht, denn sonst hätte SOYS wohl nie Kult-Status erreicht (wie es auch immer dazu gekommen sein mag), aber in vielen Details ist das Alter und die nicht ganz ernste Attitüde noch zu merken.

Das erste Szenario, The Hermetic Order of the Silver Twighlight, in dem die Charaktere in den gleichnamigen Club eintreten, besteht hauptsächlich aus einer gefährlichen Hauserkundung und ist aus heutiger Sicht eher schlecht. In aktuellen Abenteuern würde sich kein Autor mehr darauf verlassen, dass ein paar gruselige Entdeckungen über den flachen Plot hinwegtäuschen. In den Händen eines geschickten und vor allem gruselerfahrenen Spielleiters kann die Geschichte aber sehr spannend sein. Sie führt Cthulhu wieder zurück zu den Wurzeln, wo die Gefahr für das Leben der Charaktere und ein ekliges Monster noch ausgereicht haben. Mir persönlich gefällt das. Eine nette Abwechslung zu den durchgestylten Geschichten der heutigen Zeit. Doch wir wollen nicht zu viel loben; dieses erste Szenario ist trotz allem eines der Schwächsten des Bandes.

Besser ist da schon das Zweite mit dem Titel Look to the Future. Der Aufhänger ist etwas schwach und die Geschichte gerät etwas aus den Ufern, aber mindestens eine kleine Episode in der Mitte des Szenarios verspricht einigen Spaß. Die titelgebende Organisation verkauft offensichtlich Gegenstände aus der Zukunft. Können sich die Charaktere einschleichen und herausfinden, was genau vor sich geht?

The Coven of Cannich führt die Charaktere schließlich nach Schottland. Schon wegen der großen Anzahl von Nichtspielercharakteren ist das Abenteuer schwer zu leiten, doch stellt man sich der Aufgabe, ergibt sich ein stimmungsvolles Szenario mit Hexen und schottischem Nebel. Ein Highlight das Bandes.

Devil's Canyon spielt an einem verlassenen Drehschauplatz für einen Film. Die Dreharbeiten wurden gestoppt, weil es zu unerklärlich Todesfällen kam. Sind vielleicht Geister oder irgendein Fluch am Werk; eine nahe gelegene indianische Grabstätte würde so etwas jedenfalls nahe leben. Devil's Canyon ist das zweite Highlight des Bandes, denn die Geschichte greift gekonnt auf klassische Gruselelemente und ein wenig detektivische Arbeit zurück.

The Worm that Walks ist hingegen eine Farce. Ein Einschub, der dazu geschrieben wurde, die Spielergruppengröße ein wenig zu dezimieren. Die Glaubwürdigkeit des Spielleiters wird auf eine harte Probe gestellt, auch wenn sich am Ende aufklärt, warum die Handlung so abgelaufen ist, wie sie ist.

The Watchers of Easter Island ist wieder etwas gelungener. Der Erzfeind der Charaktere wurde gesichtet, was sie auf die Osterinseln verschlägt. Nicht nur die dortige politische Lage macht ihre Nachforschungen aufregend, sondern auch ein ekliger Gegner.

Den Abschluss der Kampagne bildet The Rise of R'lyeh. Hier bekämpfen die Charaktere nicht nur verrückte Kultisten und ihren Anführer, sie müssen auch dem Wahnsinn selbst ausweichen.

Die beiden Bonus-Abenteuer bilden den Abschluss. People of the Monolith ist sehr kurz und besteht nur aus ein wenig Detektivarbeit, ohne das etwas passieren würde. The Warren, das zweite Bonusabenteuer, ist dem deutschen Leser vielleicht schon aus dem Band In Labyrinthen bekannt, dort erschien das Abenteuer nämlich unter dem Titel Das Nest (zum Glück erheblich überarbeitet). Es bildet die Grundlage für eine ausgezeichnete Spukhausgeschichte, die Präsentation ist aber so schlecht, dass sie die Geschichte eigentlich ruiniert.

Fazit: Noch nie ist es mir so schwer gefallen, eine abschließende Bewertung zu geben. Manche werden den grobschlächtigen Charme von SOYS mögen, weil sie spannend und abwechslungsreich ist und auch die Action nicht zu kurz kommen lässt. Manche Ideen sind wirklich gut. Andere werden sie hassen, weil sie so überhaupt nicht mehr den heutigen Anforderungen an Cthulhu-Abenteuer genügt, manchmal wenig glaubwürdig und zu tödlich ist. Mir hat die Kampagne insgesamt gefallen, auch wenn ich sie meiner Spielgruppe nicht bedenkenlos oder unverändert präsentieren würde.

[ Shadows of Yog-Sothoth, Chaosium, Sprache: Englisch, Softcover, 176 Seiten, $ 23,95]