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Cthulhu abseits
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Rezensionen

Secrets of New York

[ Cthulhu: Secrets of New York von William Jones, Chaosium, Sprache: Englisch, Softcover, 180 Seiten, $23,95, Rezension vom 01.02.06 ]

Städtebücher sind bei Cthulhu ein eher ungewöhnlicher Anblick. Kampagnen führen normalerweise zu Reisen quer über den Globus und auch Einzelabenteuer neigen dazu an den unterschiedlichsten Orten angesiedelt zu sein. Dennoch kann ein gut gemachtes Städtebuch eine große Bereicherung für eine Cthulhu-Kampagne sein. Gute Städtebücher sind im Endeffekt eine Sammlung von Charakteren und Stimmungen - beides wichtige Elemente eines Cthulhu-Abenteuers.

In letzter Zeit wurden drei Bücher dieser Art – alles lange vergriffene Klassiker – von Chaosium nachgedruckt: Arkham, Dunwich und Kingsport. Obwohl zumindest zwei davon eigentlich ganz gut sind, konnte mich keines davon absolut überzeugen. Die Städte waren einfach zu klein. Die hohe Mythos-Konzentration erschien etwas albern und durch die sehr reichhaltigen Beschreibungen wurde dem Spielleiter der Raum zu freien Gestalten genommen. "Secrets of New York" bietet da eine viel größere Spielfläche; selbst bei detaillierter Beschreibung ist es nicht möglich, New York in einem einzigen Buch erschöpfend zu erfassen. Außerdem scheint eine große Ansammlung von vielen Monstern und Kultisten irgendwie zu New York zu passen.

Das Titelbild, auch wenn es für Manche nicht subtil genug sein wird, fängt diese Stimmung gut ein: Tentakel und humanoide Monster vor er Kulisse von Hochhäusern. Auch das Layout ist gut gelungen. Ein dunkler, breiter Rand beherrscht die Seiten zwar sehr, drückt aber genau die scheinbare Enge der hochhausumrahmten Straßen aus. Die Bebilderung ist eine Mischung aus Zeichnungen sehr gemischter Qualität und zeitgenössischen Fotos. Die deutschen Cthulhu-Spieler sind allerdings in Layout-Dingen vom hohen Pegasus-Standard verwöhnt. Secrets kann da zwar nicht mithalten, ist aber durchaus ansehnlich.

Nach einer einleitenden Kurzgeschichte wird die Geschichte der Stadt beschrieben. Der Text ist wie auch in den anderen Kapiteln gut geschrieben und vermittelt nicht nur Informationen, sondern auch Stimmung. Die interessanten Teile der bewegten Vergangenheit New Yorks werden hervorgehoben und die langweiligen übergangen oder nur kurz erwähnt – genau wie es sein muss. Trotz seines Titels "History of New York" sind auf den Seiten auch soziale Strukturen, Architektur und andere Dinge beschrieben. Insgesamt gibt das Kapitel einen schönen ersten Einblick in eine faszinierende Stadt.

Der Großteil des Buches wird von den Beschreibungen der einzelnen Stadtviertel eingenommen: Downtown, Midtown und Uptown von Manhatten und die "Outer Boroughs" werden in einzelnen Kapiteln beleuchtet. Hotels, Clubs, Wohnhäuser von interessanten Persönlichkeiten, Theater, Krankenhäuser und viele andere Orte werden beschrieben. Fiktive und historische Orte werden vermischt und für ausgewählte Stätten sogar Gebäudepläne und wichtige Bewohner genauer beschrieben. Auf diese Weise ergibt sich eine Mischung aus allgemeinen Beschreibungen, die helfen, sich ein Bild von der Stadt zu machen, und kleinen Mini-Geschichten, die Grundlagen für Abenteuer sind, die nur darauf warten, vom Spielleiter ausgebaut zu werden. Der Charme der faszinierenden Metropole New York wird ausgezeichnet eingefangen und durch die fiktiven Elemente ergänzt. Wirklich vermisst habe ich eigentlich nur ein paar Listen, die helfen, die Übersicht über all die Gebäude und Personen zu behalten. Zusätzlich zu den vielen Fotos zieren Karten von den einzelnen Vierteln die Seiten. Über den praktischen Nutzen der Karten lässt sich streiten, eigentlich zeigen sie nicht viel mehr als die Lage der Stadtviertel und die Straßen. Doch mehr braucht man ja auch nicht; die Straßennamen sind alle vorhanden und Karten von jedem einzelnen Gebäude hätten den Spielleiter nur unnötig eingeschränkt.

Den Abschluss bilden zwei Abenteuer. "The Half Moon" hat nicht allein mit dem Mondzyklus zu tun, so hieß auch das Schiff, mit dem Henry Hudson 1609 die neue Welt an der Stelle erreichte, die später New York werden sollte. Das Abenteuer hat auf sehr indirekte Weise mit diesem Schiff zu tun, auf welche Weise wird hier aber natürlich verraten. "The Half Moon" präsentiert einen formidablen Gegner, der entweder als dauerhafter Erzbösewicht eingeführt oder innerhalb der Handlung besiegt werden kann (erstaunlicherweise funktionieren beide Auswahlmöglichkeiten gleichermaßen gut). Der erste Teil der Geschichte führt die Charaktere auf detektivischen Wegen durch verschiedene Teile New Yorks, der zweite Teil hingegen besteht aus mehreren Hauserkundungen – Cthulhu-Dungeons sozusagen. Im Großen und Ganzen hat mir das Abenteuer gefallen, doch so richtig wollte der Funke nicht überspringen. Der Gegner ist jedenfalls imposant, das ist schon mal viel wert.

Meine spontane Reaktion auf "Transgression", das zweite Abenteuer, war nicht gerade überschwänglich. Die Charaktere werden auf die Suche nach einer Person geschickt, finden diese nach relativ kurzer Nachforschungsdauer, sehen was sie so treibt und verhindern dies eventuell. Auf den zweiten Blick ist das Abenteuer eine von jenen kurzen, unkomplizierten Geschichten, die man im Rollenspiel viel zu selten erlebt. Komplizierte Abenteuer, in denen Spieler und Spielleiter leicht den Überblick verlieren, gibt es zuhauf, aber eine einfache Handlung mit einem völlig freien und durchaus nicht gewöhnlichen Showdown hat man recht selten. Auf den zweiten Blick stellt sich "Transgression" also als ein schöner Abschluss für den Band heraus.

Fazit: "Secrets of New York" ist ein ausgezeichnete Stadtbeschreibung, die eine gute Atmosphäre erzeugt und viele gute Ideen liefert.