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Rezensionen

Schauermärchen

Mit Eröffnung der Wicked Dead Brewing Company ist ein weiterer Independent-Verlag ins harte Rollenspiel-Geschäft eingestiegen. In diesem Fall haben sich Jared A. Sorensen (octaNe, InSpectres, The Farm) und John Wick (Orkworld) zusammengetan, zwei Leute, die schon mit mehr als eine Idee hatten, die dem RPG-Sektor neue Impulse gab. Frisch ins Programm aufgenommen wurde Schauermärchen, ein Horror-Rollenspiel über Kinderm, die in einer verlassenen Stadt gejagt von einem bösen Mann um ihr Überleben kämpfen. Trotz des deutschen Titels ist Schauermärchen übrigens in englischer Sprache.

Ein paar Kinder (die Spieler) wachen in einem verlassenen Kinderheim auf. Das Haus ist dreckig, leer und kaputt. Auch das Dorf, das das Kinderheim umgibt, ist verlassen und in desolatem Zustand. Rost, Feuchtigkeit und Müll, viel mehr können die Kinder nicht finden. Doch sie sind nicht völlig allein. In einem großen Haus über dem Dorf lebt ein Mann der zu den Klängen eines verstimmten Klaviers schadenfrohe Lieder über Mord und Tänzen auf Friedhöfen singt.

Und nachts kommt er hinunter ins Dorf.

Schauermärchen ist ein kleines und gemeines Rollenspiel, ein Märchen und doch nicht für Kiinder geeignet. Die Regeln sind äußerst gewitzt, wenn auch etwas ungewöhnlich und vielleicht nicht für jeden auf den ersten Blick zu durchschauen. Mit nur zwei Eigenschaften (Angst und Hoffnung) bewegen sich die Kinder durch das Dorf und versuchen einen Ausweg aus der vertrackten Situation zu finden. Die Regeln erlauben den Spielern eine Mitgestaltung des Handlungsablaufes, ähnlich wie es bei InSpectres der Fall ist. Auf diese Weise erzählen sie mit dem Spielleiter zusammen ein gruseliges Märchen. Doch wie gesagt sind die Regeln nicht auf Anhieb zu begreifen. Vor allem der Umgang mit dem Tod von Figuren ist nur ungenügend beschrieben. Ich habe lange darüber nachdenken müssen (und hatte eine Mail mit Fragen an den Autoren schon fast fertig), bevor ich mir einigermaßen klar über die Regelung bestimmter Details geworden bin.

Schauermärchen ist kurz, nur 16 DIN-A-5-Seiten und viele Absätze. Der kurze Text ist aber gut geschrieben; die wenigen Seiten reichen aus, um ein vollständiges Bild zu erzeugen (zumindest so vollständig, wie der Autor es haben will; einige Dinge werden mit Absicht offen gelassen). Das Spiel ist außerdem begrenzt. Das Ende der Geschichte ist vorgegeben und es sollte meiner Schätzung nach nur ein Spiellabend nötig sein, um dort anzukommen, je nach Spielstil vielleicht auch zwei oder drei. Aber bei einem Preis von $3 für das pdf, bzw. $6 für gedruckte Version und pdf wollen wir uns nicht über die geringe Seitenzahl beschweren.

Das Spiel ist ein ungwöhnliches und gelungenes Experiment. Wer mal wieder gegruselt werden will, der sollte es sich unbedingt ansehen. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, es auszuprobieren. Der Termin ist schon gemacht.

[ Schauermärchen von John Wick, Wicked Dead Brewing Company , Sprache: Englisch, pdf-Datei bzw. gedruckte Version + pdf-Datei, 16 Seiten, $3 bzw. $6]