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Rezensionen
Scarlet Wake
Kill Bill ist ein eigenartiger Film. Brutal, blutig, angefüllt mit seltsamen Szenen und abgefahrenen Dialogen. Und er ist cool. Rache-Filme gibt es viele, aber Kill Bill setzt das Thema auf bisher ungeahnte Weise um.
Scarlet Wake ist ein ungewöhnliches Rollenspiel, das ganz offensichtlich von Kill Bill inspiriert wurde. Das geht bis zur Prämisse des Spiels, denn es fragt: „Bist du cool genug, um noch cooler zu sein?" Blöde Prämisse, sagst du? Mag sein, aber genau darum geht es im Scarlet Wake, ums Cool Sein. Aber auch sonst ist alles da: Rückblickszenen; Szenen, die zeigen, wie Waffen gekauft oder Fertigkeiten erlernt werden; böse Menschen, an denen man sich rächen will.
Bisher (Stand: Sept. '04) sind „nur“ die Spieltestregeln erschienen, die auf der Homepage des Autors als pdf-Datei heruntergeladen werden können. Die 32 Seiten lange Datei ist sehr hübsch aufgemacht, für eine paar Spieltestregeln sogar außerordentlich hübsch. Das Layout spricht den Leser an, noch bevor er nur eine Zeile gelesen hat. Sicher gut für die Optik aber dafür nicht so gut für den Lesefluss ist die Wahl der Schriftart Courier New für den normalen Text.
Das Spiel wird ohne Spielleiter und gegeneinander gespielt. Jeder Spieler entwirft einen Charakter, der sich für irgendetwas rächen will. Der Mord an der Familie, die Zerstörung der Hochzeit oder das Niederbrennen der Existenzgrundlage sind alles Möglichkeiten, die benutzt werden können. Anschließend entwickelt er eine Liste mit fünf so genannten Bossen (einschl. ihrer Diener), die er alle aus Rache ermorden will. Dabei ist es wichtig, dass die Erschaffung der Liste und zum Teil auch des Charakters in der Gruppe geschieht, denn Bosse können auf mehreren Listen stehen. Auf diese Weise sind die Spieler gezwungen zusammenzuarbeiten oder gegeneinander in Wettstreit zu treten, wenn sie sich dieses Bosses annehmen wollen.
Das Spiel wird in Runden gespielt. Ein Spieler spielt immer seinen Charakter (eventuell zusammen mit einem Mitstreiter, wenn es um den gleichen Boss geht), der loszieht um den nächsten Boss auf der Liste zu töten, seine Fähigkeiten zu verbessern oder versucht sich aus einer Falle zu befreien. Die anderen Spieler spielen alle Figuren, die in der Szene sonst noch so vorkommen – normalerweise also die Gegner des Spielers.
Das Spiel ist recht taktisch aufgebaut. Man muss versuchen genug „Fuel“ zu bekommen, das den Hass stärkt, damit man gegen die mächtigeren Bosse eine Chance hat. Fuel bekommt die Spielfigur, wenn sie verletzt wird. Die Spieler sollten sich also nicht zu vielen Gegnern gleichzeitig stellen, damit sie nicht besiegt werden (und gefangen genommen – keine Spielfigur stirbt einfach), aber auch nicht zu wenigen, denn sonst bekommen sie nicht genug Fuel, um gegen den Boss bestehen zu können. Es geht bei Scarlet Wake also nicht nur ums Cool Sein (das wäre ja auch etwas langweilig), sondern auch darum gegen die anderen Spieler bestehen zu können und sie selbst möglichst auflaufen zu lassen. Eine gewisse Fairness unter den Spielern wird allerdings vorausgesetzt. Auf der Erzählebene müssen alle zusammenarbeiten. Auf der Regelebene (welche Diener setze ich wie ein) sollte keine Rücksicht genommen werden; hier kann man versuchen sich gegenseitig richtig den Arsch aufzureißen.
Wenn jeder Spieler seine Bosse abgearbeitet hat – das alles natürlich untermalt von möglichst coolen Beschreibungen – dann ist das Spiel zu Ende. Es wird nur noch der Gewinner aus den Werten der Spielfiguren ermittelt.
Die Regeln machen einen soliden Eindruck. Das Buch ist gut organisiert und anschaulich geschrieben. Fragen, die beim Lesen auftauchten, konnten schließlich alle geklärt werden, und ein langes Beispiel am Ende zeigt, wie eine Spielrunde aussehen könnte. Wer Kill Bill mochte, der sollte unbedingt einen Blick auf das Spiel werfen, und wenn es nur ist, um sich einen der coolen Desktophintergründe herunterzuladen, die es auch auf der Seite zu finden gibt.
Noch ist es umsonst. Greift zu.
[ Scarlet Wake Spieltest-Regeln, Sprache: Englisch, pdf-Datei, 32 Seiten, € 00,00 ]