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Rezensionen
Risus
Risus ist ein kleines, unauffälliges Spiel. Es ist auf der Homepage von Cumberland Games zu finden, einem kleinen Internetverlag, der sich auf Rollenspiele im pdf-Format spezialisiert hat. Autor fast aller auf diese Weise zu erstehenden Bücher und Besitzer von Cumberland Games ist S. John Ross, der manchem vielleicht als Autor von GURPS Russia oder Ureasia: Grave of Heaven für das Rollenspiel Big Eyes Small Mouth aufgefallen ist. Ross schreibt immer sehr einfallsreich, unterhaltsam und witzig. Besonders Letzteres zeichnet seine Texte und seine ganze Attitüde aus: Nehmt Rollenspiel nicht so ernst, scheint er dem Leser mitteilen zu wollen. Wir wollen alle nur unseren Spaß haben und wenn wir zugeben, dass es um das und nur das geht, dann können wir alle unverkrampft miteinander coole Abenteuer erleben.
Risus wurde die letzten Jahre ab und zu geringfügig überarbeitet und liegt inzwischen in Version 1.53 vor. Es ist Ross' Comedy-Rollenspiel und die kurzen Regeln unterstützen im Gegensatz zu vielen anderen angeblichen Comedy-Rollenspielen auch wirklich ein komisches Spiel. Damit bildet Risus eine echte Alternative in einer sehr kleinen Nische. (Außer Paranoia, Elfs und vielleicht Toons liefern die meisten angeblich komödiantischen Spiele eher witzige Welten mit normalen Regeln, die es vollkommen dem armen überanspruchten Spielleiter überlassen, ein komisches Spiel zu erzeugen - oder es sind Parodien auf das Rollenspiel selbst, die eigentlich gar nicht dazu gedacht sind, gespielt zu werden.)
Risus ist genau sechs Seiten lang und liefert doch alles, was man zum Spielen braucht. Seit Version 1.5 sind Strichmännchen das Markenzeichen des Spiels und mit diesen ist die Datei auch reichhaltig bebildert.
Zentrum des Spiels bilden so genannte Klischees, die eigentlich nichts weiter sind als die Charakterklassen aus alten D&D-Zeiten (evtl. mit kleineren Zusätzen). So kann nach der Charaktererschaffung - der Verteilung von 10 Punkten auf beliebig viele Klischees - beispielsweise ein Krieger (4), Pirat (4), Dichter (2) die nächsten großen Abenteuer erleben. Jeder Punkt repräsentiert einen sechsseitigen Würfel, der bei einer Probe gewürfelt wird. Der Spielleiter legt den Mindestwurf fest, den alle Würfel addiert mindestens erreichen müssen. Wenn eine Figur an einem Seil über eine Schlucht schwingen will, dann muss der Superintelligente Professor im Rollstuhl (3) beispielsweise einen höheren Mindestwurf erreichen als der Pirat (3).
Alle Konflikte, die ein Ringen über längere Zeit um ein beliebiges Ziel darstellen - Verführungsversuche fallen also genauso darunter wie Degenduelle - werden durch die Kampfregeln dargestellt. Witzige und teilweise sogar unpassende Handlungen werden gerade in Kämpfen durch einige Regeldetails unterstützt.
Bisher gibt es neben einer immer länger werdenden Liste an Links zu Risus-Fanseiten (übrigens auch zu einer deutschen Übersetzung der Regeln) zwei kommerzielle Veröffentlichungen für Risus: ein ausgezeichnetes Abenteuer um Rentiere und Weihnachtsmänner mit Namen A Kringle in Time und der Risus Companion, der 64 prallgefüllte Seiten an witzigen und aufschlussreichen Informationen liefert. Es steht zu vermuten, dass weitere folgen werden.
Risus ist ein Kleinod im Datenmeer des Internets, das es nicht verdient hat übergangen zu werden, bloß weil es in den letzten Jahren keine wesentlichen Regeländerungen und Neuauflagen gegeben hat. Sollte ich in Zukunft jedenfalls mal wieder die Gelegenheit bekommen, GURPS Scheibenwelt zu spielen, werde ich GURPS aus der Gleichung streichen und „Risus Scheibenwelt“ daraus machen. Viereinhalb von fünf Sternen.
[ Risus von S. John Ross, Cumberland Games, Sprache: Englisch oder Deutsch, pdf, 6 Seiten, € 00,00 ]