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Rezensionen
In Nyarlathoteps Schatten
Weltumspannende Kampagne für H. P. Lovecrafts Cthulhu mit ausführlichem Quellenteil
Zur Spielwarenmesse in Essen erschien die große Kampagne In Nyarlathoteps Schatten für Cthulhu. Womit nun auch bewiesen ist, dass es Pegasus durchaus möglich ist püntklich zu sein. In Nyarlathoteps Schatten ist die deutsche Umsetzung der amerikanischen Kampagne Masks of Nyarlathotep, doch, wie wir das von den deutschen Cthulhu-Herausgebern gewöhnt sind, geben sie sich nicht mit einer bloßen Übersetzung zufrieden. Aus einem Buch von ca. 150 Seiten wurde eine Box mit drei Büchern, insgesamt ungefähr 360 Seiten mit dem vielteiligen Abenteuer, einer Menge zusätzlichem Quellenmaterial und massenweise Handouts.
Das erste Buch (ca. 100 Seiten) enthält alles Quellenmaterial und eine Zusammenfassung der Ereignisse, die auf die Charaktere warten. Die Jagd nach Nyarly führt mehr oder weniger komplett um den Globus. Von New York aus werden die Charaktere nach London, Shanghai, Kenia, Australien und Kairo reisen. Das Quellenbuch enthält in insgesamt sieben Kapiteln sehr viele Hintergrundinformationen, die das Spiel in den teilweise sehr exotischen Gegenden erleichtern sollen. Hierbei werden Sitten und Gebräuche der jeweiligen Gegend genauso beleuchtet wie Religion, wichtige Informationen für "Touristen" und einige der Orte, die im Laufe der Kampagne angelaufen werden. Das alles geschieht in Hinblick auf den Verwendungszweck der Informationen, d. h. der Leser wird von für das Rollenspiel unwichtigen Dingen weitestgehend verschont. Das Kapitel über New York City ist als Ergänzung zum Amerika-Band gedacht und für alle Spieler, die kein Interesse an dem (übrigens ausgezeichneten) Buch haben, aber trotzdem gern einen Äußeren Gott um die Erde jagen würden. Besonders faszinierend sind die Kapitel über die entfernteren Orte wie Kenia oder Australien. Diese Kapitel sind dann somit auch die "wichtigsten", denn London in den 20er Jahren kann man sich zur Not noch vorstellen, das fällt aber bei Shanghai schon schwerer. Es ist fast schade, dass dieses erste Buch nicht auch separat im Handel erhältlich ist, denn es bietet eine Unmenge an Informationen, die nicht nur für die Box von Interesse sind, sondern für jeden, der seine Spieler mal an einen ungewöhnlichen Ort schicken will.
Das zweite Buch (ca. 200 Seiten) widmet sich den eigentlichen Geschehnissen. Ein alter Bekannter wendet sich an einen der Spieler-Charaktere. Er habe Informationen über die Carlyle-Expedition, die einiges Aufsehen erregte, weil sie in Afrika angeblich ausgelöscht wurde. Er will sich mit dem angesprochenen Charakter und einer Gruppe von Leuten, die dieser auswählen soll, treffen. Wie man sich denken kann, werden die Spieler ihn nicht lebend antreffen, woraus sich die weiteren Geschehnisse ergeben. Auf den Spuren der Carlyle-Expedition begeben sich die Spieler auf die bereits angedeutete Weltreise, die sie immer wieder mit unterschiedlichen Kulten des Gottes Nyarlathotep in Berührung bringt. Die ganze Geschichte birgt eine Unmenge falscher Fährten und unterschiedlicher Handlungsstränge, teilweise schon so viel, dass es schwierig werden könnte, die Spieler wieder auf den ursprünglichen Weg zurück zu führen und an das eigentliche Ziel zu erinnern. Durch die vielen kleinen Geschichten wird es aber auf ganz bestimmt nicht langweilig. Die Kampagne unterscheidet sich von vielen bisher veröffentlichen Geschichten durch ihre "Schnelligkeit". Es geschieht immer ein wenig mehr, als in anderen Abenteuern üblich, es gibt immer ein wenig mehr "Action" als gewohnt. So finden die Spieler nicht einfach nur die Leiche ihres alten Freundes, sie sehen vielleicht sogar noch die Männer, die ihn auf dem Gewissen haben. Das kann dann auch leicht darüber hinweg trösten, dass viele Handlungsstränge immer wieder auf "verprügelt die Kultisten" hinauslaufen. Aus der großen Dichte an "Action" resultiert aber auch eine sehr hohe Sterblichkeitsrate unter den Spielern; man stelle sich einen Indiana Jones-Film vor, in dem Indy eine reale Chance hat zu sterben. Es werden im Band aber zum Glück einige Tipps gegeben, wie man mit diesem Problem umgehen kann (mit anderen Worten: wie man Nachschub an Spieler-Charakteren heranbekommt, ohne auf den Portier zurück greifen zu müssen).
Alle Handouts sind in einem Extrabuch enthalten, das letzte Buch der Box (ca. 60 Seiten). Die Handouts sind wie üblich reichhaltig und werden zusätzlich von Auszügen aus Mythos-Werken ergänzt.
Fazit: In Nyarlathoteps Schatten ist eine große Abenteuer-Kampagne, die auf keinen Fall langweilig werden wird. Die Spieler werden mit so vielen, teilweise actionreichen, Handlungssträngen konfrontiert, dass sie gar keine Zeit finden, sich zu langweilen. Das Hintergrundmaterial ist so reichhaltig, dass es auch separat einsetzbar ist. Der Preis kann schon ein wenig abschrecken, ist aber gerechtfertigt, wenn die Fülle an Material berücksichtigt wird, die die Box enthält. Die Box erhält ohne Frage fünf von fünf Sternen.