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Cthulhu abseits
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Rezensionen

No Man's Land

Ein Cthulhu-Turnier-Abenteuer in den Wirren des Ersten Weltkriegs

No Man's Land wurde speziell für das "Cthulhu Master's Tournament" geschrieben, dass seit 1988 jährlich auf dem GenCon stattfindet. Dementsprechend ist das Abenteuer auch aufgebaut. Es ist an einem Conventiontag, d. h. in ungefähr acht Stunden spielbar, und es gibt vorgefertigte Charaktere, die von den Spielern durch die Geschichte geführt werden. Die Geschichte legt Wert auf eine schnelle Handlung ohne komplizierte Verwirrungen oder langwierige Nachforschungen.

No Man's Land spielt zur Zeit des Ersten Weltkrieges. Die Charaktere sind Soldaten; stationiert in Argonne, sitzen sie seit geraumer Zeit fest und befinden sich ständig unter Beschuss. Schließlich erhalten sie den Befehl eines Durchbruchs, der dazu führt, dass sie von Rest der Truppe getrennt werden und in den Wäldern auf Dinge stoßen, die sich - wen sollte das bei Cthulhu überraschen - als noch schrecklicher herausstellen, als die vergangenen Monate unter Beschuss. Die Handlung ist insgesamt sehr gradlinig, die Charaktere stolpern mehr oder weniger von Punkt zu Punkt der Geschichte, es bleibt ihnen aus jeder Szene eigentlich nur ein Ausgang, der zur nächsten actiongeladenen Szene führt. Doch obwohl es wohl außer Frage steht, ob die Charaktere das Rätsel lösen können oder nicht, werden sich die Spieler in diesem Abenteuer bestimmt nicht langweilen, denn die eigentliche Frage lautet niemals "Wo geht es weiter?", sondern immer nur "Werden wir lange genug überleben, um weiter zu gehen?" In jeder Szene werden die Charaktere mit Gefahren im wahrsten Sinne des Wortes bombardiert, wodurch zwar ein sehr kampforientiertes (für Cthulhu ja eher ungewöhnlich), dafür aber auch sehr kurzweiliges Abenteuer entsteht.

Die Stimmung des unnatürlichen Grauens inmitten des "normalen" Grauens des Krieges erschließt sich dem Spielleiter schon beim Lesen, und es sollte nicht sehr schwierig werden, diese Stimmung auch auf den Spieltisch zu übertragen. Am Anfang des Buches werden Tipps gegeben, wie man dies bewerkstelligen kann. Am Ende des Buches befinden sich ausführliche Anhänge mit der Beschreibung eines kleinen Teils des Krieges (der für die Ereignisse von Bedeutung ist) und das Leben der Soldaten, einschließlich der regeltechnischen Besonderheiten, mit ausführlichen Handouts und den vorgefertigten Charakteren.

Das Abenteuer ist sicherlich sehr spannend und wird ein oder zwei gelungene Spielabende hervorbringen, und auch der Hintergrundteil ist informativ und interessant, doch gibt es natürlich auch Kritikpunkte. Manchmal wird der Zufall ein wenig zu sehr bemüht, um den Charakteren genug Lebensdauer zu geben, um wenigstens einen Teil der Geschichte miterleben zu dürfen. In einem Roman wäre das furchtbar, doch bei einem Rollenspielabenteuer fällt das nicht entscheidend ins Gewicht. Wenn die Spieler stark genug damit beschäftigt sind zu überleben, dann machen sie sich über solche Dinge selten Gedanken. Auch die große Anzahl an Kämpfen könnte den einen oder anderen stören, aber viel wichtiger ist vielleicht die Frage, ob man so ein Abenteuer überhaupt spielen will. Immerhin geht es um nachempfundene Kriegsgeschehnisse, und in einer solchen Umgebung ein Horror-Rollenspiel anzusiedeln, in dem auch die eine oder andere Schlacht eine Rolle spielt, ist für manchen vielleicht nichts weiter als schlechter Geschmack. Doch das muss jeder für sich selbst entscheiden. Insgesamt erhält No Man's Land dreieinhalb von fünf Sternen.