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Rezensionen
Nameless Cults
The Complete Mythos Fiction of Robert E. Howard
Chaosium hat in der Vergangenheit schon einige Bücher herausgebracht, in denen die phantastische Literatur oder auch "nur" alle Mythosgeschichten eines Autors gesammelt wurden. Nameless Cults setzt diese Reihe fort und vereinigt alle Mythosbeiträge Robert E. Howards, dem Erfinder von Conan und Krull, in einem Buch.
Der Buchtitel Nameless Cults ist Spielern des Rollenspiels Cthulhu am ehesten als Mythoswerk bekannt, das man eigentlich meiden sollte, wenn man an seiner geistigen Gesundheit hängt, das aber auch immer wieder in unterschiedlichen Abenteuern auftaucht, um wichtige Hinweise für die Spielercharaktere bereitzuhalten. Weniger bekannt ist hingegen, dass das Buch kein Beitrag Lovecrafts zum Cthulhu-Mythos war, sondern eine Erfindung von Howard. Dieser hat in einigen seiner Geschichten nicht nur Götter und Wesen seiner Kollegen recycelt, sondern auch eigene Kreationen dem stetig wachsenden Mythos beigefügt.
Berühmtheit erlangte Howard als Erfinder von Conan. Die Abenteuer des machtvollen Barbarenkönigs wurden seitdem viele Male verfilmt, fortgesetzt und trivialisiert. Conan steht für fantastische Abenteuer, große Schlachten und Heldentaten. All das findet man auch in Nameless Cults. Howard geht völlig anders mit den Erfindungen Lovecrafts und dessen Ideen über kosmisches Grauen um als es HPL selbst tat. Während Lovecrafts "Helden" gesichtslose und passive Wesen sind, die fast immer dem Wahnsinn oder Tod erliegen, sind Howards Protagonisten immer mutig und heldenhaft und treiben die Handlung aktiv voran, anstatt völlig hilflos von ihr mitgerissen zu werden. Wortgewaltig wird geschildert wie sich Conan aus Liebe zu einer Frau in tiefe Höhlen stürzt und gegen bösartige Schlangenwesen antritt, oder wie Bran Mak Morn (ein weiterer Barbarenkönig) schreckliche Wesen der Dunkelheit gegen seine römischen Feinde einsetzt, um den Tod eines Untertanen zu rächen. Howard greift dabei oft auf die Ideen Machens zurück, und stellt eine böse Natur dar, der sich der Protagonist der Geschichte entgegenstellen muss.
Faszinierend an der Sammlung ist Howards Erzählstil und seine Wortgewalt. Wer der heldenhaften Fantasy nicht abgeneigt ist, wird sicherlich auf seine Kosten kommen. Die Geschichten sind nicht alle gleichbleibender Qualität - die einer oder andere ist wirklich bitterster Pulp - aber viele sind unbedingt lesenswert. Witzig sind auch die kurzen Vorworte von Robert Price zu jeder Geschichte, in denen er mit einem Augenzwinkern erzählt, welche Ideen Howard woher hat und was er sich eventuell dabei gedacht hat. So wird zum Beispiel eine sehr ähnliche Situation erzeugt, wie sie in einer Geschichte Machens zu finden ist, und neu erzählt. Diesmal kann der Protagonist der Geschichte, die junge Frau in Not allerdings retten.
Fazit: Man bekommt genau das, was man erwarten kann, wenn der Erfinder von Conan, dem Barbaren, Mythosgeschichten schreibt. Es enthält zwar nicht das Beste, das Howard je geschrieben hat, aber die Geschichten sind im Schnitt spannend und gut erzählt. Eine Kaufempfehlung kann also nicht nur Sammlern gegeben werden. Dreieinhalb von fünf Sternen.