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Rezensionen
Malleus Monstrorum
[ Cthulhu: Malleus Monstrorum von Scott David Aniolowski, Chaosium, Sprache: Englisch, Softcover, 296 Seiten, $ 34,95, Rezension vom 05.04.07 ]
Jedes Rollenspiel scheint sein Monsterbuch zu brauchen, und ich muss gestehen, damals, als ich Ende der 80er das erste mal von "Cthulhu" hörte, waren es hauptsächlich die Monster, die mich so faszinierten. Die Vorliebe für die 20er Jahre, die generell hohe Spannung der Abenteuer und das etwas andere Spielgefühl kamen erst später. Auf der anderen Seite gibt es wohl kein Rollenspiel, das schon so viele Monster mit dem Grundregelwerk liefert wie "Cthulhu" (Diskussionen, dass das "Monster Manual" zu den Grundbüchern von D&D gehört, werde ich mit wissendem Lächeln überhören). Trotzdem sind es die wahnsinnigen (und Wahnsinn bringenden) Wesenheiten, die immer noch einen großen Teil der Faszination von "Cthulhu" ausmachen und von dieser Faszination profitiert das vorliegende Buch.
Der dicke Softcoverband vor mir ist die englische Ausgabe des "Malleus Monstrorum", dem Cthulhu-Monsterbuch, das von Chaosium nach dem Vorbild des bereits lange erhältlichen deutschen Buchs produziert wurde. Die Bebilderung folgt dem gleichen Prinzip, bei dem "Bilder von Bildern", also Bilder von pseudo-authentischen Abbildungen, benutzt werden, um die verschiedenen Wesen darzustellen. Da gibt es die Röntgenaufnahme von einem Kopf, an dessen Basis etwas an der Wirbelsäule sitzt, und Bilder von Tongefäßen, die mit Tentakeln bemalt wurden. "Alte" Poster von Theateraufführungen, Fotos von Statuen und alte Holzstiche sind weitere Beispiele. Die Zeichnungen der Mythosmonster in den alten Büchern waren häufig eher zum Schmunzeln als zum Gruseln, da ist die hier genutzte Darstellung, selbst wenn sie auch nicht unbedingt Angst macht, wesentlich besser. Das Spielleiter-Handbuch übernahm diese Art der Darstellung nach dem Erfolg des deutschen "Malleus".
Dreihundertachtzig verschiedene Kreaturen füllen das dicke Buch, das sind einhundertneunzehn mehr als im Spielleiter-Handbuch und dem deutschen "Malleus" zusammen. Die verschiedenen "Göttersorten" ("Great Old Ones", "Outer Gods", etc.) erhalten je ein Kapitel, sowie die Avatare der Götter und weitere Kreaturen. Tiere, denen die Charaktere in heimischen Gefilden und auf Expeditionen begegnen können, sind auch enthalten. Besonders das eigene Kapitel mit den Avataren hat mir gefallen, denn im Laufe der letzten 25 Jahre haben sich so viele dieser Wesen angesammelt, dass eine Unterbringung in einem eigenen Kapitel die allgemeine Übersichtlichkeit wesentlich erhöht.
Die Beschreibungen der Wesen sind unterschiedlich informativ, können aber meist überzeugen. Die obligatorischen Zahlenwerte erfüllen mich auch weiterhin mit Skepsis, erscheinen sie doch besonders bei den mächtigen Wesen sinnlos. Tot ist schließlich tot, egal ob nun durch Zerstampfen, Zerquetschen oder Verschlucken. Auf der anderen Seite werden die Wesen dadurch etwas individualisiert, was hilft, den einen Tentakelhaufen vom anderen zu unterscheiden.
Scott David Aniolowski hat die Monsterbeschreibungen in vielen Detailpunkten angepasst und leicht verändert. Die Beschreibungen von Opfern der Wesen wurden – vermutlich aus Platzgründen – entfernt, genauso wie die Abenteuerideen, die im deutschen Buch verteilt waren.
Zusätzlich zu den reinen Beschreibungen von Wesenheiten enthält das Buch noch ein paar weitere Kleinigkeiten, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Zum einen sind da die Tagebucheinträge des Sir Hansen Poplan, die auch schon das deutsche Buch zierten. In diesen werden als Quellentext getarnt (eben jene Tagebucheinträge) allgemeine Informationen über Vampire, die Traumlande oder "Elder Gods" gegeben. Die Texte sind nicht übermäßig informativ, aber lockern das Buch angenehm auf. Zum anderen gibt es noch die Anhänge, die sich (wenn auch nur kurz) mit der Aussprache der Namen, den Traumlanden und dem Erschaffen eigener Monster befassen. Der längste und interessanteste Anhang gibt Anregungen, wie man die unbeschreiblichen Monster den Spielern beschreibt, einschließlich einer langen Liste mit Adjektiven. Hier findet man dann schließlich auch ein paar der Beschreibungen von Todesopfern, die im Hauptteil des Buches herausgekürzt wurden.
Etwas peinlich ist die unscharfe und pixelige Reproduktion des altbekannten Monster-Charakterbogens, den schon damals niemand gebraucht hat.
Die deutsche Cthulhu-Redaktion arbeitet bereits an der überarbeiteten zweiten Auflage des "Malleus Monstrorum", in der auch die neuen Kreaturen und die Änderungen der englischen Ausgabe enthalten sein werden. Bis dahin gibt es die erste Auflage als hübsches Hardcover für nur € 9,95 – solange der Vorrat reicht.
Fazit: Es gibt zurzeit keine vollständigere Monstersammlung als die englische Ausgabe des "Malleus Monstrorum". Das Buch ist übersichtlich, gut geschrieben und stimmungsvoll aufgemacht, enthält aber sehr viele Wesen, die bereits aus dem Regelbuch und der deutschen Ausgabe bekannt sind.