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Cthulhu abseits
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Rezensionen

Miskatonic University

[ Cthulhu: Miskatonic University von Sam Johnson u.a., Chaosium, Sprache: Englisch, Softcover, 256 Seiten, $29,95, Rezension vom 28.04.06 ]

Die Miskatonic-Universität nimmt im Cthulhu-Mythos zusammen mit ihrem Sitz Arkham eine zentrale Rolle ein, dementsprechend widmeten sich bereits eine ganze Reihe von Veröffentlichungen der Stadt und der Uni. Mit "Miscatonic University", zusammengestellt von Autor Sam Johnson, liegt jetzt die neuste und ausführlichste Version der M.U.-Quellenbücher vor.

Die Gestaltung des Buches ist für Chaosium-Verhältnisse sehr gelungen. Über das Cover sollte sich jeder selbst ein Urteil bilden, das ist sicher Geschmackssache, doch das Layout funktioniert sehr gut und die Bebilderung – hauptsächlich kleine Bilder der wichtigen Figuren und einige gelungene Karten – ist besser als gewöhnlich.

Das Inhaltsverzeichnis liest sich erwartungsgemäß. Kapitel eins des Buches berichtet vom Campus selbst, seiner Geschichte und den wichtigen Gebäuden und Plätzen. Der kurze Geschichtsüberblick bietet nur wenig Überraschungen, liefert aber die nötige Basis für die folgenden Beschreibungen. Es folgen die Gebäudebeschreibungen, von denen zwei besonders hervorgehoben werden: Die Orne Library enthält die weltberühmte Sammlung an Mythosbüchern und viele andere Schätze der Bildung. Das Museum ist der zweite wichtige Anlaufpunkt für Mythosforscher, enthält es doch vielerlei Gegenstände von speziellem Interesse. Das Kapitel wird aufgelockert durch verschiedene Kästen mit Personenbeschreibungen, Legenden und Geschichten.

Man könnte argumentieren, dass die Personen eher in Kapitel zwei gehört hätten, dort befinden sich nämlich all die anderen "People on Campus". Zunächst erfährt der Leser alles über die verschiedenen Gruppen von Menschen, die man an der M.U. treffen kann – Professoren, Studenten, Mitarbeiter – dann über eine große Anzahl Einzelpersonen und schließlich über Geheimgesellschaften und Clubs.

Interessiert man sich für die Ausbildung der Studenten, wird man in Kapitel drei fündig. Die Erschaffung von Studenten und Regeln für das Studium (welche Fertigkeiten kann der Student nach einem Lehrjahr steigern) sorgen für einen reibungslosen Ablauf, wenn man eine längere Kampagne in der Uni ansiedeln will. Sogar die Auswirkungen von Faulenzerei oder Überarbeitung sind auf einfache Weise in die Regeln eingebunden.

Das eigentliche Herz des Buches ist jedoch Kapitel vier. Die "Miskatonic Secrets" sind es schließlich, die die M.U. zu dem mystischen Ort machen, den Spieler und Spielleiter gleichermaßen lieben. Und Geheimnisse gibt es eine Menge: Was zum Beispiel hat es mit "Old Squinty" auf sich, der ägyptischen Mumie aus dem Museum? Es heißt, jedes Jahr zur Wintersonnenwende verlässt sie ihren Platz und sogar der Wachmann des Museums meidet ihren Raum in dieser Nacht. Oder wie sieht es mit dem alten Bronzekopf aus, der immer und immer wieder von Studenten von seinem Standort in Locksley Hall gestohlen wird? Und sind die Tunnel unter dem Campus-Gelände wirklich unbewohnt?

Das kurze Abenteuer, das den Hauptteil des Buches abschließt – ein Nachdruck aus "Arkham Unveiled" – ist eine nette Detektivgeschichte, in der interessante Leute getroffen werden können. Doch auch die sich anschließenden Anhänge bergen einige Highlights. Kurze Anmerkungen zu fehlerhaften Zaubersprüchen leitet eine Liste mit neuen Zaubern ein, und ein neues System zur Handhabung von Stabilitätsverlusten versucht mit dem alten Problem "Wieso sollte mich Lesen verrückt machen?" aufzuräumen. Sehr gelungen sind auch die Worksheets und Urkunden für Studenten der M.U., die als Handouts kopiert und ausgefüllt werden können. Ein paar weitere kleine Listen runden das Bild ab.

Johnson greift neben Lovecrafts Geschichten und altem Cthulhu-Material auf seine eigenen College-Erfahrungen zurück und das merkt man auch. Das Leben auf dem Campus ist wunderbar eingefangen. Campus-Legenden, der Abdruck des offiziellen Miskatonic-Liedes einschließlich Noten und viele Kästentexte mit unterschiedlichen Informationen bereichern das Buch und hauchen ihm Leben ein. Man kann das Studentenleben in der geheimnisdurchdrungenen Universität der Zwanziger Jahre mit all den Clubs, den Hierarchien und der Büffelei problemlos nachvollziehen.

Es gibt viele Möglichkeiten, wie man das Buch nutzen kann. Natürlich kann die M.U. einfach als Anlaufstelle für Investigatoren dienen, die Informationen aus der Orne Library benötigen. Vielleicht erleben sie ja ein kleines Abenteuer zwischendurch – allein Prof. Armitage davon zu überzeugen in den geschlossenen Bereich der Bibliothek vorgelassen zu werden, ist schon ein Abenteuer für sich. Auch als Ausgangspunkt für Abenteuer eignet sich die Uni ausgezeichnet, ob man nun dort arbeitet oder lernt, oder ob man nur ein Anwohner von Arkham ist, spielt dabei keine Rolle. Doch erst wenn man beschließt eine längere Kampagne zu spielen, deren Haupthandlung in der Uni stattfindet, schöpft man das Potenzial des Buches vollkommen aus. Ansatzpunkte für Abenteuer gibt es genug und von der Universität organisierte Forschungsreisen ermöglichen es sogar, die Stadt Arkham ab und an zu verlassen, um in exotischen Ländern dem Mythos zu trotzen.

Fazit: Sam Johnsson hat mit "Miskatonic University" das ultimative Quellenbuch zum vielleicht wichtigsten Ort der cthuloiden Welt geschaffen. Er vermischt seine Erfahrungen aus dem College und sein fundiertes Cthulhu-Wissen und liefert dem Leser ein dickes, detailliertes Buch über das Campus-Leben und die vielen Möglichkeiten, die es für Nachforschungen und Abenteuer bietet. Das Buch "lebt" und das ist vielleicht das größte Kompliment, das man einen Quellenbuch machen kann.