Pages from the Book of Eibon
Home | Abenteuer | Artikel | Rezensionen | Links | | Schwarze Erinnerungen | Kontakt | Disclaimer

Cthulhu abseits
historische Settings | SciFi-Settings | andere Rollenspiel-Settings | Verschiedenes | Gedrucktes

Artikel

Matthew, der Ghul

Matthew ist ein Nosferatu, der in meiner Version Vancouvers existiert

Ich habe mich nie anpassen können. Immer war ich Außenseiter; es hat sich irgendwie nie anders ergeben. Die zwei Freunde, die ich in meinen ersten Schuljahren hatte, sind weggezogen oder haben sich "weiterentwickelt" und wollten auf einmal nichts mehr mit mir zu tun haben. Man gewöhnt sich recht schnell an die Einsamkeit, und so habe ich mich immer weiter zurückgezogen, bis ich schließlich in meinen späten Highschool-Jahren allein in den Klassenzimmern saß. In einer Menschenmenge und doch einsam . ich kannte es nicht mehr anders, und es hat mich auch nur noch selten gestört. Manchmal wollte ich es ändern (ich wollte es wirklich manchmal ändern), aber ich konnte es nicht mehr.

Als ich endlich meinen Abschluß hatte, beschloß ich Gärtner zu werden und endete schließlich auf einem Friedhof als Totengräber und Friedhofsgärtner. Ich liebte diesen Job; ich hatte viel menschliche Gesellschaft – auch wenn niemand mehr davon antworten konnte, wenn ich mit ihm redete. Und Pflanzen waren Wesen, um die ich mich kümmern konnte. Vielleicht war es auch etwas anderes – es klingt einfach zu verrückt, sich nicht einsam zu fühlen, weil man von Toten und Blumen umgeben ist –, aber zum ersten Mal in meinem Leben war ich mit etwas hundertprozentig zufrieden. Es war einfach so.

Oft kam ich nachts wieder an meine Arbeitsstätte zurück, setzte mich auf einen Grabstein und lauschte der Stille. Der Friedhof war dem europäischen Stil nachempfunden und hatte nach Einbruch der Dunkelheit eine nette gespenstische Atmosphäre mit all den Sträuchern und Kränzen und Bäumen.

Zwischendurch habe ich mir selbst immer wieder gesagt, daß ich verrückt sein muß. "Du mußt versuchen Dich mit Leuten zu umgeben. Tote können einfach kein Ersatz für die Lebenden sein." Eigentlich klang ich wie meine Mutter, wenn sie noch gelebt hätte.

Aber meine wenigen Versuche, mich in die menschliche Gesellschaft einzugliedern, blieben weiterhin erfolglos. Also wieder der Friedhof.

Bei meinen nächtlichen Besuchen bemerkte ich irgendwann eine Gestalt, die lange immer vor demselben Grabstein stand und ihn mit gesenktem Kopf anstarrte. Sie kam eine Weile regelmäßig. Ich habe mich nicht weiter darum gekümmert. Aber immerhin schien es, daß ich nicht der einzige Verrückte war, der nachts auf Friedhöfen herumlungerte. Der Grabstein, den der Kerl immer angaffte – ich ging irgendwie davon aus, daß die Gestalt männlich war, und wie sich bald herausstellte, hatte ich sogar recht damit – war einer der Neueren. Eine Frau lag darunter, gestorben mit 27, keine Ahnung woran. Ich nicht herausfinden können, warum er ihren Stein besuchte, vermutlich hat er sie geliebt (aus der Ferne natürlich – aber das mir erst jetzt klar). Vielleicht hat er sie sogar selbst dorthin gebracht, was weiß ich.

Eines Nachts auf dem Weg zurück zu den Gräbern hörte ich schon von weitem, daß auf etwas los war. Ein Riesenlärm auf meinem Friedhof . den ich tagsüber in Ordnung hielt, den ich nachts liebte! Als ich endlich dort ankam, sah ich es: vier große Hunde, die sich gegenseitig zerfleischten. Auf einem Stein hockte eine Gestalt: die Knie an die Brust gedrückt, die Arme hingen nach unten. Etwas weiter weg in Hintergrund stand mein alter Bekannter, unbeweglich wie immer.

Die beiden menschlichen Schatten starrten sich gegenseitig an und zwischen ihnen zerfetzten sich die Hunde.

Plötzlich sprang der Fremde von dem Grabstein und stürzte sich mit einem tierischen Fauchen auf den anderen. Der Kampf war noch schlimmer, als der zwischen den Hunden: eine unglaubliche Verwüstung der Gräber, ein Fauchen und Kreischen, das eher Raubkatzen zugestanden hätte als Menschen.

Wißt ihr, der Friedhof lag nicht in der besten Gegend und niemand rief die Polizei. Niemand kümmerte sich um die Geräusche. . Und ich habe wie angewurzelt dagestanden und dem Schauspiel zugesehen.

Eine von den Gestalten gewann . und stürzte sich danach sofort heulend auf mich.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich im Dreck lag und die Schmerzen einsetzten. Noch immer war ich auf mich allein gestellt, und meine Schreie verhalten unbeantwortet. Meinen ersten Durst stillte ich an den toten Hunden.

Ich hatte unheimliches Glück, daß mich die Gesellschaft der Nosferatu eher fand, als irgendein Lakai des Prinzen. Halb wahnsinnig bin ich fast eine Woche nachts durch die Straßen geirrt und habe tagsüber in der Kanalisation geschlafen. Sie haben keine Fragen gestellt. Die Nosferatu fanden mich, ich war einer der Ihrigen, also nahmen sie mich auf und machten mich zu einem vollwertigen Mitglied der Vampirgesellschaft. Erst wurden mir Grundlagen beigebracht: was ich war, was die Bestie ist, die Traditionen und noch viel anderes Zeug. Als ich schließlich begann aus eigenem Antrieb Fragen zu stellen, haben sie versucht, sie soweit wie möglich zu beantworten.

Der Kampf auf dem Friedhof wurde ausgetragen von einem Gangrel und meinem Erschaffer . eine alte Feindschaft. Warum ich erschaffen wurde und nicht einfach tot gelassen nachdem der Nosferatu sich ein wenig an mit gesättigt hatte, wollte mir zunächst keiner sagen. Was ich so mitbekommen habe, war es eine Art schlechter Angewohnheit von ihm. Er füllt die Lücke in der Vampirgesellschaft, wenn er einen "Verwandten" aus ihrer Mitte gerissen hat.

Die ersten Monate entwickelte ich einen fruchtbaren Haß auf meine Umgebung, eine unglaubliche Wut staute sich an. Eigentlich war es nicht so schlimm, ich hatte sogar so etwas wie Freunde gefunden – was mir vor meinem "Ableben" nicht möglich gewesen war – aber hatte mich jemand gefragt, ob ich das wollte, ob ich als häßliches Monster wiedergeboren werden wollte? Ich war bin Nachtwesen, ein Kanalbewohner geworden, weil jemand eine schlechte Angewohnheit hatte!! Ich verstand es nicht, ich war wütend - und bin es noch! Wenn ich jemals herausfinden sollte, wer mein Erschaffer ist, wird er dafür bezahlen, was er getan hat - auch wenn er mir vielleicht in Wirklichkeit einen Gefallen getan hat. Er hat mich erschaffen, und mich dann allein gelassen.

Eileen weiß, wer es ist, aber sie sagt es nicht. Er ist eine Art Ausgestoßener aus der Familie der Nosferatu; so viel konnte ich herausfinden.

Trotz allem habe ich wie gesagt unheimlich viel Glück gehabt: Eileen hat mich, ohne zu fragen adoptiert und meine Ausbildung überwacht, und auch meine Umwandlung war relativ gnädig. Mein Gesicht hat sich verändert. Meine Kiefer und Zähne sind gewachsen, meine Ohren sind leicht angespitzt. Insgesamt sehe ich etwas Wolfs- oder hundeähnlich aus. Mein Mund ist voller Reißzähne. Meine Hände sind klauenartig geworden und meine Füße sehen aus wie eine Kreuzung zwischen Tatze und Fuß. Klauenbewehrte Zehen stehen kreuz und quer aus dem Fuß. Ich habe einen sehr athletischen Körper bekommen, der flächenweise mit Haaren bewachsen ist, an einigen Stellen wie ein dünnes Fell. Gegen die anderen hier unten bin ich Mister Universum. Ihr könnte Euch das nicht vorstellen: hier leben Wesen, gegen deren Gesicht ein eitriges Geschwür ein schöner Anblick ist. Hier unten sind alle Freaks, deshalb passe sogar ich in diese Gesellschaft. Die Nosferatu sind so was wie eine Familie für mich geworden.

Aber was schweißt uns alle zusammen? Wir bilden eine Gemeinschaft, weil wir alle Freaks sind, wir sind alle häßlich, manche nur außen die anderen auch innen. Nur mein Inneres war häßlich, bevor ich wurde, was ich bin, jetzt ist es auch mein Äußeres. Die Verwandten der anderen Clans sind alle verlogene Bastarde. Genau solche Monster wie wir, verstecken sie sich hinter Stil, Etikette und Schönheit, ihre Gesetze sind genauso verlogen wie sie selbst, und sie rümpfen die Nase über jeden, der anders ist. Versteht mich nicht falsch, so wie die Situation zur Zeit ist, ist zum Beispiel die Maskerade eine vernünftige Sache, aber eine verlogene Vampirgesellschaft, die die Jungen unterdrückt, einfach weil sie jung sind, die Willkür der Ahnen nicht nur zuläßt sondern fördert, die das Leben nicht achtet, nur weil sei selbst tot ist, ist etwas, das ich nicht akzeptieren kann.

Ich habe als Ausgestoßener gelebt und habe dies zugelassen und akzeptiert . ich wurde durch die Willkür eines Älteren zu einem Monster.

Ich habe beschlossen meine Feinde zu bekämpfen.

Matthew Collins

Matthew ist noch nicht sehr lange Vampir . erst seit 18 Jahren. Er ist immer noch etwas naiv. Die Nosferatu sind die Freunde, die er niemals hatte, und er würde alles für Eileen tun, die er wie eine Mutter liebt. Den anderen Nosferatu traut er vollkommen . sollte er jemals von einem von ihnen enttäuscht werden, wird etwas in ihm zusammenbrechen. Aber er wird daraus lernen. Er wird versuchen sich zu rächen und danach wesentlich vorsichtiger mit seiner Meinung über andere Nosferatu sein. Er wird sich wieder weiter in sich zurückziehen.

Sein Name kommt von seinem Freßverhalten. In der Anfangszeit hat er seine Opfer regelrecht zerrissen und dabei halb aufgefressen. Er geriet regelmäßig in einen Freßrausch, der einer Raserei gleichkam. Es hat sehr lange gedauert bis er seine Freßwut einigermaßen zu beherrschen lernte, und es hat ihm große Gewissensbisse verursacht. Er hält sich für krank und abartig, weil kein anderer der Nosferatu sich so verhält, und er redet möglichst nie darüber. Je weiter sein Bezug zum Leben verlorengeht (sprich, Menschlichkeit) desto stärker wird diese Freßwut Macht über ihn gewinnen.

Matthew lebt mit einem kleinen Rudel von Wolfshunden zusammen, die ihm überallhin folgen. Sie sind ihm mindestens genauso nahe wie seine Freunde unter den Kanalratten. Zusammen mit ihnen führt die Aufträge aus, die er als Bote der Nosferatu . die Aufgabe, die ihm von Eileen zugeteilt wurde, nachdem er seine Ausbildung beendet hatte . zugewiesen bekommt. Die leicht gebückte Gestalt, die mit einem alten Trenchcoat bekleidet inmitten von fünf großen Hunden die Straße emporschleicht, hat so manchen nächtlichen Fußgänger schon von weitem in die Flucht geschlagen . zum Glück zeigt er sich selten so "öffentlich" in der Stadt. Kontaktaufnahme zu dieser Gestalt erweist sich vor allem für die anderen Kadaver der Stadt als äußerst schwierig, Matthews mißtrauische und zurückhaltende Art gestalten selbst kurze Unterhaltungen als kompliziert. Seine Freundschaft zu erringen erscheint zunächst fast unmöglich, ist das Eis aber erst gebrochen, dann ist Matthew ein treuer Freund . nur enttäuschen sollte man ihn tunlichst nicht.

Außerdem ist Matthew Anarch. Er ist in Laurences Truppe. Der charismatische und fröhliche Brujah hat Matthew mit einiger Arbeit auf seine Seite ziehen können. Die Aktionen der kleinen Anarchentruppe sind bisher nur selten aufsehenerregend, aber sie ärgern den Prinzen zumindest und verursachen manchmal leisen Applaus von jungen Vampiren, die sich (noch) nicht durchringen konnten zu den Anarchen zu gehen.

Ressourcen

Matthews Ressourcen sind mehr als gering, aber er braucht auch nicht viel. Er lebt unter dem Pacific Spirit Regional Park oder einfach in der Kanalisation oder auf der Straße. Der Trenchcoat sowie auch die anderen Sachen die er trägt sind uralt und sonstigen Besitz hat er praktisch nicht.

Ghule

Seine Hunde sind alle Ghule. Er hat keinen menschlichen Ghule.

Geheimnisse

Matthew wird sich an seinem Erschaffer versuchen zu rächen, wenn er herausfindet, wer er ist. Er macht dahingehende Nachforschungen.

Sollten die passenden Stellen herausfinden, daß Matthew aktiver Anarch ist, bekommt er auf jeden Fall große Probleme. Sowohl die Ahnen dürften sich dafür interessieren (auch wenn Laurence und seine Leute noch nicht sehr negativ aufgefallen sind), als auch Crash, der es ungern sieht, wenn sich größere anarchistische Gruppierungen bilden, auf die er keinen direkten Einfluß hat. Bisher nimmt Crash die kleine Truppe nicht ernst. Zu seinem großen Glück kann Matthew auf die Unterstützung der Nosferatu hoffen, solange er nicht zu extreme Verbrechen begeht.

Auf seinen Botengängen schnappt er mehr auf, als es den Meisten recht sein dürfte. Die Nosferatu rechnen zwar damit bzw. wissen, daß er die Informationen mitbekommt, die er überbringt, daß er sie aber zusammen mit den Anarchen auch benutzt, ist nicht in ihrem Sinne.