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Cthulhu abseits
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Rezension

The Keeper’s Companion 2

Der erste Teil des Keeper’s Companions ist ein Klassiker unter den Cthulhu-Quellenbänden. Es handelt sich dabei – wie der Name schon vermuten lässt – um einen Ratgeber für den Spielleiter. Darin findet der Leser Informationen über Mythosbücher, Kulte und verschiedene Artefakte, neben Artikeln über forensische Medizin und allgemeinen Spielleitertipps. Die Fortsetzung, ein etwas dünneres Buch mit einem ähnlichem Titelbild (so ähnlich, dass ich die beiden zunächst für identisch gehalten habe), ist vor kurzen erschienen und sammelt weitere Informationen zu unterschiedlichen Themen, die für den Spielleiter interessant sein könnten.

Als Auftakt des Buches wurde ein sehr langer Artikel über die Prohibition gewählt. Wenn man bedenkt, wie prägend dieses Kapitel der Geschichte für die damalige Zeit war, ist es eigentlich verwunderlich, warum so viele Jahre ins Land gehen mussten, bis wir eine Übersicht über Daten und Auswirkungen bekommen. Dieses Versäumnis wird hier nachgeholt: Auf über 40 Seiten bekommt der Leser eine Unmenge an Material für seine Kampagne im Amerika der 20er Jahre. Wichtige Persönlichkeiten, rechtliche Dinge, Verlauf, sogar der passende Slang (für deutschsprachige Spieler weniger interessant), viel ausführlicher geht es nicht mehr. Der Artikel ist interessanter zu lesen, als man zunächst erwarten würde. Insgesamt ein gelungener – wenn nicht der gelungenste - Beitrag im Buch.

Der zweite große allgemeine Artikel beschäftigt sich mit Schusswaffen. Wie funktionieren sie? Was kann schief gehen, wenn man sie benutzt? Zunächst werden uns einige interessante Informationen über Schusswaffen und deren Gebrauch geliefert, direkt gefolgt von einer Liste verschiedener Schusswaffen mit detaillierten Beschreibungen. Mir war noch nie klar, warum es mich interessieren sollte, wann die Waffe gebaut wurde, mit der mein Charakter gerade versucht ein schleimiges Monstrum zu erlegen, und ob sie vielleicht ein wenig zuverlässiger war oder eine Patrone mehr im Magazin hatte als eine beliebige andere Schusswaffe. Aber da das Thema immer wieder Platz in allen möglichen Veröffentlichungen einnimmt, muss es wohl interessierte Leute geben. Von mir aus. Alles vor dieser Waffenliste ist jedenfalls sehr informativ.

Das zweitlängste Kapitel des Buches ist eine weitere Liste. Fast alle bisher veröffentlichten cthuloiden Abenteuer werden nach Gegnern, nach Kulten oder nach Ära (u. a.) aufgelistet. Völlig vollständig ist die Liste leider nicht (die letzte Abenteuersammlung von Pagan Publishing ist z. B. nicht enthalten), aber soweit ich das überblicken kann, fehlt sehr wenig. Wirklich interessant ist die Liste wohl nur für Fans, aber die Möglichkeit auf einen Blick alle Abenteuer zu finden, in denen beispielsweise Y’Golonac auftaucht, ist zugegebenermaßen recht reizvoll.

Einen direkten Anschluss an den ersten Teil des Companions bildet der "Mythos Collector". Mythosbücher sind neben schleimigen Monstren und fiesen Kulten das wichtigste Erkennungsmerkmal eines Cthulhu-Abenteuers. Der Collector sammelt zehn verschiedene Mythosbücher und beschreibt diese detailliert. Zusätzlich bekommt der interessierte Leser ein paar neue Zaubersprüche und Monstren (passend zu den Büchern). Ich muss mich leider mal wieder fragen, wer noch mehr Beschreibungen solcher Bücher benötigt. Auch sind die Informationen über Mythosbücher wie üblich etwas trocken und oft nichtssagend. Wie so ein Buch von außen aussieht, kann ich mir nun wirklich selbst überlegen. Auch wenn sie der eine oder andere Buch-Hintergrund dann doch ganz gut liest, gilt hierfür wohl das gleich wie für die Waffenliste: Irgendwen scheint es zu interessieren. Nun denn ...

"Mythos ex Machina" ist da schon wesentlich besser zu gebrauchen. Es ist mal wieder eine Liste: diesmal von allen technischen Geräten, die bisher in Szenarien veröffentlicht wurden. Es wurden nur Geräte weggelassen, die so stark in ihr Abenteuer eingebaut waren, dass sie ohne dieses nicht zu gebrauchen wären. Geordnet sind die Beschreibungen nach den Rassen, die sie einsetzen bzw. erfunden haben. Natürlich ist für die Spieler der Unterschied zwischen einem magischen und einem technischen Mythosgegenstand oft nicht zu erkennen, trotzdem erscheint diese Unterscheidung für den Spielleiter sinnvoll. Diese Liste wird jedenfalls bei der Suche nach Ideen sehr hilfreich sein.

Der Rest des Buches besteht aus kleineren, weniger erwähnenswerten Artikeln, wie einer Beschreibung der Autopsie eines Hybriden der Wesen aus der Tiefe oder einem kleinen etwas ungeordnet wirkenden Artikel über Satanismus (der aber nett trotzdem zu lesen war). Auch wenn sie nur wenige Seiten umfassen, runden sie das Buch recht gut ab.

Fazit: Der zweite Teil des Companion kann mit dem ersten einfach nicht mithalten. Nichtsdestotrotz ist das Buch ein ausgezeichneter Helfer für den Spielleiter, wenn dieser ein wenig Interesse an den beschriebenen Themengebieten mitbringt. Drei von fünf Sternen.

[ The Keeper’s Companion 2, Chaosium, 168 Seiten, ca. 31 Euro, Englisch ]