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Artikel

Black John

Black John ist ein Vampir, den ich für meine Version von Vancouver in der Welt der Dunkelheit erfunden habe. Es handelt sich um einen Vampir des Clans Baali, satanische Vampire. Tief religiöse Menschen mögen bitte etwas anderes lesen.

Jonas

Jonas lebte in einem kleinen Dorf in den Karpaten. Inzucht und Abgeschiedenheit bestimmten den Lebensalltag. Seit vielen Generationen lebten die Menschen in ihrem kleinen Tal, in das fast niemals jemand kam, um es zu besuchen, niemand, um etwas über die Welt zu berichten. Die seltenen Besucher waren geliebte und gerngesehene Gäste und die Naivität der Dorfbevölkerung machte sie alles glauben, was zu berichten war, ob es sich um das Geplapper eines Irrsinnigen handelte oder um Berichte über neue Kriege und Räuberbanden, die Handelskarawanen überfielen.

Seit einigen Jahren waren die Besuche noch seltener geworden, denn die einzige Handelsstraße, die in der Nähe des Dorfes, welches noch nicht einmal einen Namen hatte, vorbeiführte, war verlegt worden. Sie führte jetzt durch ein anderes Tal und niemand im Dorf hatte es gewußt, niemand hatte es bemerkt oder sich darum gekümmert.

Jonas war neugierig. Er vermißte die Besuche der Fremden, denn er hatte gern ihren Geschichten gelauscht von der weiten Welt hinter den Bergen. Er war neugierig, wie die Menschen wohl wären, die da wohnten, neugierig auf die großen Städte von denen er hörte. Er war neugierig, wie es wohl sein müßte, in der alten Burg zu leben, die über dem Dorf auf einer Bergkuppe lauerte, vor der ihn alle warnten, denn in ihr sollte der Herrscher über das ganze Land leben. Und der war grausam, hieß es. Er sei ein Blutsauger, ein Strigoi, hieß es. Manche sagten, er habe magische Kräfte, und das ganze Land würde seinen Befehlen gehorchen.

Recht häufig wurde ein Kind geboren, daß nicht gesund war; schwachsinnig, entstellt, behindert. Ein schreckliches Ereignis, was aber in den letzten Jahren fast schon normal geworden war; in jedem dritten Haus wohnte ein krankes Kind. Es gab Gerüchte, daß das Dorf verflucht sei. Der Priester predigte von seiner kleinen Holzkanzel in der kleinen zugigen Kirche, jemand unter ihnen hätte gesündigt, und dies sei die Strafe Gottes für die Verfehlung eines seiner Kinder. Es müsse eine schreckliche Sünde gewesen sein, wenn der Herr in seinem unendlichen Zorn hatte beschlossen das ganze Dorf zu strafen.

In diesem Jahr sollte auch Jonas' Familie ein Sohn geschenkt werden, aber es wurde kein Geschenk, sondern ein Fluch. Im Herbst sah man, daß auch dieses Kind ein Schwachsinniges war. Der Priester sah es als ein Zeichen Gottes, und das ganze Dorf brachte ein Opfer dar. Jedes Haus opferte die Hälfte seines Korns und seines Viehs. Sie wußten nicht, wie sie den Winter überleben sollten, aber dies war der einzige Weg, Gottes Zorn zu besänftigen. Er würde für sie sorgen.

Jonas' Familie ging es recht gut. Sie waren die Reichsten im Dorf und hungerten am wenigsten. Sein Vater hatte einen Teil der Vorräte nicht geopfert. Er hatte beschlossen auf eine andere Weise zu büßen; und so züchtigte er sich und seine Kinder und seine Frau jeden Tag. Er betete während er schlug.

Jonas kleines schwachsinniges Brüderchen überlebte diese Züchtigungen nicht.

Seine jüngere Schwester, sie hieß Nathalia, hatte sich seit seiner Geburt um ihn gekümmert, wenn ihre Mutter arbeiten mußte. Sie veränderte sich mit seinem Tod, sprach weniger und lachte fast nie mehr. Der Vater verbot sie zu trösten, wenn sie so manche Nacht von Weinkrämpfen geschüttelt in ihrem Bett lag. Es sei ein gute Buße sagte er; es würde dem Dorf nützen.

Als im Frühjahr die Sonne wärmer wurde, das Grün kam, und alle wieder mehr lachten und Hoffnung schöpften – fünfzehn waren verhungert – lachte Nathalia nicht. Sie veränderte sich nicht, blieb stumm und traurig.

Der tote Jonas

Als Jonas Anfang des Sommers durch den Wald strich, fand er seine Schwester. Sie hatte sich an einem Baum erhängt, und eine entstellte alte Frau war dabei, sie herunterzuschneiden. Der Mond schien ihr ins Gesicht. Er hatte viel von ihnen gehört, den Strigoi, den Untoten, die kleinen Kindern die Seele im Traum raubten, Ungetaufte und Selbstmörder zu einem der ihren machen konnten. Häßliche alte Weiber waren manche, die tief im Wald lebten und sich von Blut und gestohlenen Seelen ernährten. Auf ewig verflucht hatten sie ihre Seelen dem Satan geopfert.

Ohne nachzudenken stürzte er sich auf das alte Weib, und Augenblicke später lag er tödlich verwundet im Gras. Er konnte nicht verhindern, daß die Alte seine Schwester vom Baum schnitt und sie wegschleppte. Mit gebrochenem Rückrad mußte er mit ansehen, wie sie ihr eigenes Handgelenk öffnete und seine tote Schwester anfing das verseuchte Blut zu trinken. Bevor sie gingen, blickte das Wesen ihn noch einmal an und lächelte ein schiefes, verfaultes Lächeln.

Nach einer Weile ließ der Schock nach, und Jonas begann vor Schmerz und Angst zu schreien. Zwei Stunden lang schrie er um Hilfe, viel zu weit vom Dorf entfernt, als das ihn hätte jemand hören können; aber seine Schreie blieben doch nicht unerhört.

Zwei Männer kamen, und ohne ein Wort zu sprechen trugen sie ihn auf den Berg, eine schmale Straße hinauf, gerade breit genug für einen Wagen. Sie brachten ihn zu einer Burg. Eine Frau kümmerte sich um ihn. Sie pflegte ihn und hielt ihn bis zum Anbruch der Dunkelheit am Leben. Sie sagte, alles würde gut werden.

Der Herr der Burg und des Landes, Boris, war ein Mann in seinem besten Alter und unmenschlich in seiner Schönheit. Er hatte eine schöne, anmutige Gestalt, seine Haut war wie feines Porzellan, und in seinen Augen funkelte Leben und Weisheit. Und er war ein Strigoi mort.

Jonas lernte viel in den nächsten Tagen über Vampire. Er lernte den Unterschied zwischen seinem neuen Herren und der Hexe, den Unterschied zwischen den einzelnen Clans der Kainskinder und die besonderen Fähigkeiten, die ihm verliehen wurden, wenn er das Blut seines Herren trank. Boris und Nathalia waren erbitterte Feinde, die beide um die Vorherrschaft in diesem Teil des Landes kämpften, und Boris hatte Jonas gerettet, weil er ein Feind seiner Feindin war; sie hatte Jonas Schwester zu einem häßlichen Monster gemacht. Und nach einem Jahr des Lernens und des Studierens wurde Jonas vor die Wahl gestellt, ein Kainskind zu werden. Er würde die Macht haben, seine Schwester zu rächen, und das Dorf vor den Machenschaften der Hexe zu verteidigen. Er willigte ein, und es folgten weitere Jahre der Ausbildung.

Sein Herr war ein Gelehrter, der nicht selbst kämpfte, sondern kämpfen ließ, und Jonas wurde sein Leibwächter. Aber er durfte auch studieren und seinen unendlichen Wissensdurst stillen. Viele Nächte verbrachte er in der Bibliothek der Burg und stieß dabei auf die Frage nach dem Grund seiner Existenz. Gott der Herr mußte einen bestimmten Plan verfolgt haben, als er ihn zu dem machen ließ, was er jetzt war.

Eines Tages – Jahre nach seiner Erschaffung – traf er das erste Mal seit ihrem Tod auf seine Schwester. Sie strich ihm mit ihren spindeldürren Fingern über den Kopf und sagte, sie sei glücklich und dankbar. Die Hexe hätte sie vor einem dummen Tod bewahrt, und sie liebe und respektiere sie. Jonas sagte kein Wort, verfolgte sie nur mit den Augen, als sich ihr dünner, buckliger Körper umdrehte und langsam in den Wald humpelte.

Seine Mutter starb bei der Geburt ihres fünften Kindes (eine Totgeburt), und sein Vater verhungerte in einem besonders harten Winter, nachdem er seine einzige Tochter an ihren siebten Geburtstag in religiösem Wahn erschlug.

Johannes

Anfang des neuen Jahrtausends geschah es, das Jonas wußte, warum er erschaffen worden war. Er wachte des Nachts auf, sein schrecklicher Hunger trieb ihn sofort zur Jagd, und während er das Blut eines Rehs trank, erkannte er seine Bestimmung. Er war ein Auserwählter des Herrn; es war ihm bestimmt in die Welt zu ziehen und die Lehren des Herrn zu verbreiten. Er mußte die ganze bekannte Welt bereisen und lernen und lehren und das Wort des Herren unter die Menschen tragen.

Seit diesem Tag nannte er sich selbst Johannes.

Also ging er, seinen Erschaffer zurücklassend, der sich im Laufe der Zeit immer mehr abgesondert hatte, immer unmenschlicher geworden war und immer brutaler. Sein Aussehen hatte alles Menschliche verloren und er tyrannisierte das Dorf schlimmer, als es die Hexe je vermocht hätte. Seine Diener waren immer monströser geworden; auch sie hatten ihre Menschlichkeit eingebüßt, sahen aus wie Dämonen aus der Hölle, mißratene Wesen, scheinbar aus einem Alptraum entsprungen mit Klauen und schuppigen Panzern.

Er bereiste Europa, besuchte Klöster und Bibliotheken, kleine Dörfer und große Handelsstädte; er versuchte zu begreifen, was er sah, einen Sinn zu finden in all dem Treiben und dem Leben und dem Tod. Er suchte nach seiner Stellung in Gottes großem Plan. Doch vor allem ein großes Rätsel schien sich nicht lösen zu lassen: warum ließ Gott zu, daß er von wahrem Glauben abgestoßen wurde, daß es ihm Qual bereitete, heilige Räume zu betreten, und daß er häufig eine heilige Messe verlassen mußte, weil der Schmerz zuviel war für seinen schwachen Willen. Es schien nur eine Erklärung zu geben. Dies war der Weg, der ihm der Herr gab, um zu beweisen, daß er würdig war. Wenn es ihm eines Tages gelang, an einem heiligen Abendmahl teilzunehmen und der Messe zur heiligen Nacht beizuwohnen, dann hätte er bewiesen, ein würdiger Diener zu sein. Er würde das Wort Gottes verbreiten können, seinen Willen in die Welt tragen, mit reinem Gewissen das Richtige tun.

Also reiste er weiter und lernte und suchte; von Konstantinopel bis in den hohen Norden Schottlands führten ihn seine Jahrhunderte dauernden Reisen. Jedem Kloster und jeder Kirche auf seinem Weg stattete er einen Besuch ab, selbst wenn er nur kurz bleiben konnte. Die Menschen begannen ihn wiederzuerkennen, und er löste ab und an religiöse Euphorien aus, wenn er an bestimmte christliche Orte nach langer Wanderschaft wieder zurückkehrte. Das stürzte ihn in tiefe Verzweiflung, denn er war nicht würdig ein Vorbild zu sein. Ein Monster war er, das vom Tod der Menschen lebte und von der Sonne verbrannt wurde, das von Heiligkeit und wahrem Glauben abgestoßen wurde.

Aber eines Tages schienen die Schmerzen nachzulassen, wenn er eine Messe besuchte, und er wagte es, an einem heiligen Abendmahl teilzunehmen. Tagelang fastete er und meditierte, bat Gott um Unterstützung bei dieser Prüfung, und er stand das Ritual durch und verließ die Kirche gesättigt.

Das Blut und der Leib Christi hatten ihn genährt!

Jetzt konnte er beginnen zu lehren und zu predigen. Seiner eigenen Sorgen entledigt reiste er noch mehr, suchte Kontakt zu Gläubigen und Ungläubigen, um sie von seinen Interpretationen der Lehren Gottes zu überzeugen. Er beobachtete viel und großer Zorn ergriff sein Herz, denn die wenigsten Menschen waren würdig, dem Herrn zu dienen. Sie waren schlecht und selbstsüchtig, die Klöster waren voll Korruption und Egoismus, Neid und Unkeuschheit. In seiner Wut begann er die schlechten Menschen zu strafen, in Dijon brannte er ein Kloster nieder, weil sich in seinen Mauern gemordet worden war, nur um nach dieser Tat wieder in tiefe Verzweiflung zu fallen, ob seiner schrecklichen Tat. Selbstzweifel trieben ihn wieder auf Wanderschaft. Er bereiste wieder die Welt und versuchte zu lernen. Auf seinem Weg strafte er die Bösen unter den Menschen und er vernichtete viele seiner Artgenossen, denn sie töteten oft nicht aus Not, sondern aus Spaß. Er vernichtete die, die Menschen benutzten. Weit führten ihn seine Wanderungen.

Und dann verliebte Johannes sich.

Der Weg abwärts

In Schottland traf er ein Mädchen, das ihn mit einem einzigen Lächeln seiner Reinheit und Unschuld vollkommen verzauberte, seinen Glauben untergrub und sein klares Denken zerstörte. Ohne zu zögern, machte er sie zu einer seiner Rasse, so daß sie noch in dieser Nacht gemeinsam das Dorf verließen, und das 14jährige Mädchen Suzanne nie ihren Heimweg beendete.

Die Zeit nach ihrer Hochzeit war eine Zeit der Widersprüche und Gegensätze für John. Hin- und hergerissen zwischen schier unendlich großen Gewissensbissen und endlosen Glücks, zwischen Euphorie und Depression war ihm seine Bestimmung nicht mehr klar. Er konnte nicht entscheiden, was richtig und was falsch war, denn der Herr konnte ihm dieses Glück in Form eines so reinen und unschuldigen Geschöpfs nicht geschickt haben, um ihn zu testen. Es konnte nicht sein Ziel sein, daß John Suzanne wieder verließ, nachdem er sie gefunden hatte.

John sprach mit ihr darüber, an wen hätte er sich sonst wenden können? Wochen und Monate diskutierten sie, viele Nächte hintereinander saßen sie zusammen und versuchten eine Lösung zu finden, denn sie liebte ihn genauso wie er sie liebte, und war die Liebe nicht ein Geschenk Gottes? War die Liebe nicht eine der wenigen Möglichkeiten das Böse zu besiegen, den Teufel zu vertreiben und sich seinen zarten Versuchungen zu widersetzen?

Aber verbot er nicht die Heirat eines Priesters, und hatte John nicht von Gott den Auftrag erhalten sein Leben ganz und gar der Verbreitung des Glaubens zu widmen? Hatte er ihm nicht sogar gezeigt, daß Johannes auch ohne die Sünde des Tötens leben konnte?

Gott hatte ihn bestraft als er heiratete. Er war in eine Kirche gegangen, um das heilige Abendmahl zu empfangen, aber unter Schmerzen hatte er die Kirche wieder verlassen müssen. Er hatte geschrien vor Hunger und Verzweiflung und er hatte noch in dieser Nacht getötet.

Als er den zerbrochenen Leib des alten Mannes in seinen Armen hielt und spürte, wie sich dessen warmes Blut in seinem Körper verteilte und ihn belebte, da hatte er gewußt, es gab keine Rettung. Gott hatte ihn verlassen.

Suzanne aber blieb die ganze Zeit an seiner Seite und tröstete ihn in seiner Wut. Sie erinnerte sich an die Lehren ihrer Mutter. Diese war eine Hexe gewesen. Sie war nicht mehr gealtert, seit Suzanne ein kleines Kind war, das Geschenk eines Dämons. Ihre Mutter hatte diesem Dämon gut gedient, und er hatte ihr dafür ewiges Leben und andere Mächte geschenkt, Mächte, die sie zur Heilung einsetzen konnte, und zu anderen den Menschen dienlichen Zwecken. Nie hatte Gott sie gestraft, weil sie sich mit einem Dämon eingelassen hatte . das Wesen hatte ihr nie seine wahre Identität offenbart, aber sie wußte, daß es vom Teufel gesandt war .; nie hatte der Dämon sie gestraft, weil sie versuchte ihre neuen Kräfte für gute Zwecke einzusetzen. Nur Kleinigkeiten verlangte er: Suzanne war nie getauft worden, ihre Mutter mußte regelmäßig das Blut des Dämons trinken; aber er lehrte sie immer neue phantastische Dinge.

Das alles verwirrte John noch mehr.

Nach Jahren der quälenden Zweifel und der Zukunftsängste beschlossen John und Suzanne den Dämon zu suchen und mit ihm zu sprechen; vielleicht würde ein Gespräch einige der beißenden Fragen klären.

Bald standen sie vor ihm und John erkannte ihn als einen der ihrigen . einen blutsaugenden Nachtbewohner, und dies ist, was er sagte:

Gott ist ein Trugschluß. Er ist eine Lüge. Hast Du nicht gerade von deinen Zweifeln erzählt, von den Widersprüchen, die dein ganzes Leben bestimmten? Kann es einen so unlogischen Gott geben. Du konntest dich von Wein und Brot ernähren, angeblich das Blut und der Leib Christi, aber war es nicht vielmehr dein Glaube, der dich Dinge trinken ließ und sie in Blut verwandelte? Du kannst Dinge tun, die Sterbliche für Wunder halten, aber ist es nicht vielmehr dein Blut und deine Existenz als Vampir, die dir diese Dinge ermöglichen? Kirchen vertreiben dich wieder, aber ist es nicht vielmehr der Glaube der Menschen, der dich vertreibt?

Der Glaube ist der Schlüssel und kein Gott. Alle Wesen können Wunder bewirken mit ihrem Glauben.

Es gibt Geister, das ist wohl wahr, aber sie sind nicht allmächtig, noch kümmern sich die meisten von ihnen um die Menschheit. Wenn du bereit bist kann ich dir helfen, einen von ihnen zu rufen. Diene ihm eine Weile, und er wird dir einige deiner Fragen beantworten..

So verschwand der Vampir.

John war betrübt. Sollte Gott wirklich nur in der Einbildung der Menschen existieren? Hatte sein ganzes Leben auf einer Lüge beruht? Nein, das konnte nicht sein!

Und so zogen John und Suzanne durch die Welt auf der Suche nach einem Beweis Gottes.

Nach Jahren der Suche erschien John ein Geist. Dieser sprach zu ihm:

„John du bist auf der Suche nach einem Gott. Laß mich dir etwas zeigen.“

Und sie gingen in ein Kloster, in dessen Keller Suzannes Mutter einen grauenhaften Tod starb gerade als sie ankamen. Suzanne weinte bitterlich als sie es sah.

„Sieh,“ sagte der Geist, „ihr einziges Verbrechen war es, Blut zu trinken und nicht zu altern und nicht krank zu werden. Sie war eine gute Frau, aber die Menschen haben sie getötet.“

Er führte die beiden in eine kleine französische Stadt. Auf dem Marktplatz wurde eine junge Frau verbrannt. Sie schrie fürchterlich, bevor sie starb. Und John konnte sehen, daß ihre Seele rein war.

„Sieh,“ sagte der Geist, „ihr einziges Verbrechen war es, rote Haare zu haben und in einen Mann verliebt zu sein, den auch ihre Mutter liebte. Nun brennt sie und ihre Mutter bekommt den Mann.“

Und verließen die Stadt und John war verzweifelt. Gott konnte so etwas nicht zulassen. Viele Jahre hatte er gesucht, aber er hatte nichts gefunden, was die Existenz eines Gottes beweisen könnte.

Und der Geist sprach zu ihm: „John, verzweifle nicht. Es gibt mächtige Wesen, die sich um die Menschheit kümmern, aber sie haben ihre eigenen Ziele. Wenn du jemanden suchst, der dich leitet und dir rät, dann diene einem von ihnen, und es wird dir den Weg weisen.“

John, der sein Leben lang nach Führung gesucht hatte, bat den Geist ihm eines dieser Wesen zu zeigen, und es erschien. Es versprach, ihn als Diener anzunehmen.

Die Aufträge des Wesens waren leicht, und John und Suzanne erledigten sie mit viel Freude, doch bei einem von ihnen wurde Suzanne in einer kleinen Stadt getötet. Während sie starb gestand sie ihm, den Geist gerufen zu haben, der ihnen so geholfen hatte. Und John dankte ihr und weinte furchtbar, während er die Stadt in einen Friedhof verwandelte.

Aller Freude beraubt war John bereit jeden Auftrag anzunehmen und diente dem Dämon mit ganzem Herzen.

Und niemand sah den Baali lachen...

Amerika

Die Suche nach einem heiligen Ort der Heiden, der große Macht besitzen sollte, führte Johannes vor über 50 Jahren nach Canada. Lange Zeit hatte er geschlafen. Eine Gruppe sterblicher Hexer hatte ihn fast besiegt, sie hatten ihn für viele Jahre eingekerkert. Der namenlose Dämon an seiner Seite hatte über ihn gewacht, viele Jahrzehnte an seiner Seite verbracht bis John erwachte. Johns rituelle Wiedergeburt lag schon Jahrhunderte zurück als der Vampir wieder in die Welt der Wachen zurückkehrte. Sein Hunger war unersättlich, sein Geist war fast gebrochen. Sein Herr beschloß ihn durch den Dämon auf eine Reise zu schicken. Die Vampire der alten Welt waren zu mächtig, sie würden John beseitigen, wenn sie seiner gewahr würden. Menschliche Diener brachten ihn die vielen Kilometer nach Canada. Aber selbst hier konnte sich Johannes nicht lange verstecken. Er war zu wahnsinnig, er fiel auf und wurde fast besiegt. Nur seine Dienern war es zu verdanken, daß er nicht völlig ausgelöscht wurde. Wieder machten sich Menschen auf, dieses tote Wesen . tot in Körper und Seele . auf eine lange Reise zu schicken. Auf der Flucht vor ihren Feinden versteckten sie sich lange in den gigantischen Wäldern Canadas, immer in Gefahr von den nicht wesentlich ungefährlicheren Waldbewohnern gefunden zu werden. Der Transport nach Vancouver dauerte lange, aber schließlich kamen sie dort an.

Unter den Menschen waren gescheite Männer und Frauen und auf der Suche nach einem sicheren Versteck beschlossen sie unter Anweisung ihres träumenden Herren, ein Krankenhaus zu bauen und ihn darunter zu verstecken. In einem Krankenhaus sollte es möglich sein, ihn leicht zu ernähren, es sollte möglich sein, unbemerkt Blut zu sammeln.

Nach der Gründung vernichtete der Dämon alle menschlichen Mitwisser, keinem sollte es möglich sein, das Geheimnis durch alte Verhaltensweisen zu verraten und keinem durch einen Fehler oder durch Blut- oder Machtgier das Geheimnis zu offenbaren.

Bald war ein neuer Diener gefunden.

Das warten fällt John selbst in seinem jetzigen Zustand schwer, aber seine Macht steigt. Bald wird er erwachen.

Bald...

***

Bei Nachforschungen ist es möglich auf ein Buch mit folgendem Ausschnitt zu stoßen.

[ Black John in einem Geschichtsbuch ]

[...] und berichtete von einer alten Legende aus dem Kloster der grauen Nonnen (Monastère des Nonnes grises) in seiner Heimatstadt Dijon. Das Kloster, das seit 1076 besteht . heute sind natürlich nur noch Ruinen davon zu finden . soll immer wieder Besuch von einem wandernden Prediger erhalten haben. Die Geschichte, die dem Autor von mehreren Personen . teils hinter vorgehaltener Hand, teils mit einem Lächeln auf den Lippen . mitgeteilt wurde, berichtet von Besuchen des heiligen Mannes von Anbeginn des Klostern bis weit in das fünfzehnte (!) Jahrhundert hinein. Von der Kirche wurde dieser Mann niemals heilig gesprochen, aber die Bewohner der Stadt Dijon feierten die wenigen Besuche fast wie die heilige Nacht. Es gibt erstaunliche Gerüchte über die Heilung von Kranken und anderen Wundern, die er begangen haben soll. Manche berichteten, er verließ tagsüber niemals das Kloster, weil er nicht würdig sei, das Antlitz der Sonne zu sehen, manche berichten von seinen stundenlangen Gebeten und seinem Fasten. Er soll tagelang nichts gegessen haben.

Den Gerüchten folgend fand der Autor einige Aufzeichnungen, die aus dem Kloster übriggeblieben waren. Das Museum stellte sie nach einigen Überredungsversuchen großzügig zur Verfügung, und nähere Untersuchungen brachten Erstaunliches zutage. Ein Prediger und heiliger Mann, der sich selbst Johannes oder Johann nannte, soll den Aufzeichnungen zufolge von 1095 bis 1452 in regelmäßigen Abständen einige Zeit im Monastère des Nonnes grises verbracht haben. Er selbst soll vom Erzengel Uriel zu einem Leben in Verdammnis verurteilt worden sein bis er für sein sündiges Dasein gebüßt und genug Anhänger reinen Glaubens um sich gesammelt hätte, um Vergebung zu erfahren.

Das Tagebuch einer Nonne weiß zu berichten, sie hätte Johann in ihrem langen Leben dreimal gesehen, jedesmal unverändert in einem Alter von ungefähr fünfundzwanzig oder dreißig Jahren, mit der gleichen armseligen Wanderkleidung und den gleichen Sandalen, egal welches Wetter gerade herrschte.

"[...] Er strahlte eine Heiligkeit aus, die uns alle blendete. Sein Antlitz wurde umrahmt vom Mond, als er in der Hoftür des Klosters stand, seine langen Haare umwehten seinen Kopf und seine bärtigen Lippen zeigten ein gütiges Lächeln. Gott vergib mir, aber genauso muß unser Herr Jesus Christus ausgesehen haben, wie er so dastand und mit seinen wasserblauen Augen direkt in unsere Seele blickte. Ich habe mich auf den ersten Blick in ihn verliebt, so wie ich mich damals in Christus den Herrn verliebt habe, als ich ihn mit neun Jahren das erste Mal ans Kreuz genagelt sah, meine Leiden und die Leiden der gesamten Menschheit auf sich geladen und mit traurigem Blick. Ich sprach mit Schwester Jaqueline, die mir anvertraute es wäre ihr ähnlich ergangen.

Seine Haut war bleich, denn er ging nie in die Sonne, denn – so sagte er – er sei unwürdig. Seine Glieder waren dünn, denn zur Ehre des Herrn fastete er oft tagelang. Sein Blick war wahnsinnig, denn das Auge des Herrn ruht auf ihm und lange Jahre der Wanderschaft zehrten an seinem Geist.

Er blieb nicht lange, aber er hat seine Persönlichkeit in unsere Seelen, ja ich glaube sogar in unsere Mauern gebrannt. Sein Bild blieb uns allen im Gedächtnis.

Gestern sah ich ihn wieder. Es besteht gar kein Zweifel, daß er es ist. Gestern nacht, 27 Jahre nach seinem letzten Besuch, stand er wieder in unserer Tür. und er hatte sich nicht verändert. Oh wie muß der Herr ihn lieben, daß er ihm ewige Jugend schenkt. Heute nacht hat er uns schon wieder verlassen, aber wieder hat er seine Spuren hinterlassen in unseren Seelen, und die Gemeinschaft, ja die ganze Stadt, lebte auf, dank seiner kurzen Anwesenheit. Ich kann nicht erahnen, wie es gewesen wäre, wenn er zu uns gesprochen hätte. [...]"

Dieser Ausschnitt, datiert auf das Jahr 1297, mag einen Eindruck geben, wie stark die mittelalterliche Bevölkerung von diesem Mann beeinflußt worden sein muß, der auftauchte und teilweise wieder ging, ohne ein einziges Wort gesprochen zu haben. Solche Berichte sind in Dijon keine Seltenheit. Es gibt in Dijon eine handvoll Leute, die erstaunliches herausgefunden haben wollen. Allerdings muß man gezielt nach ihnen suchen. Der Autor muß gestehen auch nur durch einen großen Zufall auf diese Legende gestoßen zu sein.

Leider zwangen Geldmangel und starker Druck seitens des Verlages den Autor die Nachforschungen aufzugeben und in die Staaten zurückzukehren. Eine sehr faszinierende aber finanziell uninteressante Legende wird so unerforscht ad acta gelegt. [...]