| Pages
from the Book of Eibon |
| Cthulhu
abseits |
Artikel
Jason
13. Mai 1975: In einer mittelgroßen Stadt im mittleren Westen Nordamerikas kommt es in einer Chemiefabrik zu einer Explosion. Gegen Mitternacht treten viele Kubikmeter roten Qualms aus einem Loch im Dach einer der Hallen aus und verdunkeln den klaren Nachthimmel. Als an Freitag dem 13. Mai kurz nach Mitternacht ein Kind in der nahen Klinik geboren wird, leuchtet der Vollmond blutrot.
13. Mai 1980: Am frühen Morgen fallen einige tausend Frösche auf ein winziges Dorf in der Wüste Nevadas. Durch den ungeklärten Amphibien-Regen kommt es zu einem Autounfall. Ein 30jähriger Mann, der gerade mit seiner Frau und ihrem fünfjährigen Sohn in das Dorf gezogen war, kam dabei ums Leben, als er vor Schreck die Kontrolle über sein Auto verlor und in einen entgegenkommenden Truck raste.
13. Mai 1985: Ein zehnjähriger Junge findet eine tote Schwalbe, während im Hintergrund ein Schuss ertönt, der einen Mann mittleren Alters tötet. Die Mutter des Jungen sagt als Zeugin bei der folgenden Gerichtsverhandlung aus.
13. Mai 1990: Ein Blitz schlägt in das Haus eines frisch verheirateten Paares ein. Mit heldenhaftem Einsatz kann der Ehemann seinen 15jährigen Adoptivsohn aus dem brennenden Gebäude retten.
***
Man beginnt sich ein wenig für Omen zu interessieren, wenn an jedem Geburtstag, den man bisher erleben durfte, etwas Seltsames oder sogar Gefährliches geschieht. Es reichte von Kleinigkeiten wie toten Vögeln und überfahrenen Waschbären bis hin zu großen Ereignissen wie regnenden Fröschen und brennenden Häusern. Meine Mutter hat mir auch von dem roten Mond erzählt, unter dem ich geboren wurde - eine kuriose, aber ihrer Meinung nach unwichtige Geschichte.
Omen begleiteten mich mein ganzes Leben lang. Immer wieder kleine Vorkommnisse, die anderen seltsam vorkamen, an die ich mich aber schon lange gewöhnt hatte. Abgesehen von dem Hausbrand und der Tatsache, dass alle meine Väter, die ich im Laufe der Zeit hatte, entweder wieder abhauten oder starben, gab es wenig Besonderes in meinem Leben. Und die seltsamen Zeichen konnte man ganz gut ignorieren, wenn man wollte. Trotzdem schien alles darauf hinzudeuten, dass ich einmal in etwas ganz großes verwickelt sein würde.
Es war kurz vor meinem Highschoolabschluss als ich eine seltsame Prozession traf. Ich überlegte zu dieser Zeit, ob ich Philosophie oder lieber Geographie im College belegen sollte. Und dann sah ich sie auf der Straße. Torben, der Weise, war ein alter Mann mit struppigem Bart und bösartigen, wässrig-hellgrünen Augen. Clara, die Hexe, war ein junges Mädchen mit immerwährendem Lächeln. Bortho, der Krüppel ging direkt hinter Durga Syn, der weisen Frau. Das seltsame Gefolge humpelte oder schritt geradewegs auf mich zu, und Durga Syn trat vor mich:
"Erzähl mir von Deiner Geburt, Kleiner. Gibt es irgendetwas, was Du einer alten Frau erzählen willst?" fragte sie.
Natürlich hatte ich keine Ahnung, was dieser offensichtlich geistesgestörte Haufen von mir wollte. Verrückten soll man nicht widersprechen, heißt es, also antwortete ich und erwähnte den roten Mond. Sie wandte sich nach hinten zu den anderen und sagte:
"Was habe ich gesagt? Das ist er. Der Junge der an einem Dreizehnten unter einem roten Mond geboren wurde." An mich gewandt fragte sie: "Es war doch ein Dreizehnter, oder?"
"Ja. Dreizehnter Mai." Ich hatte Angst. Wie sich herausstellen sollte, hatte ich zurecht Angst.
Sie töteten mich - wobei Durga Syn ihre drei Kumpanen darauf hinwies, dass ich unbedingt mit meinem eigenen Blut in den Adern sterben müsse. "Er darf nicht blutleer sein. Am besten wir vergiften ihn.". Was sie auch taten.
Clara war meine Erschafferin. Sie benahm sich die wie ein verliebter Teenager mir gegenüber, was mich nicht gerade begeisterte. Das ist, glaube ich, auch ganz verständlich, man stelle sich meine Situation nur einmal vor: Ich hatte keine Ahnung, was mit mir los war. Ich hatte 24 Stunden Höllenqualen hinter mir, ich wollte nur noch nach Hause zu meiner Mutti, aber dieser Haufen Irrer lies mich nicht. Sie erzählten mir was von einer großen Aufgabe, von einem Fluch, der irgendwann meinen Geist zerstören würde und von menschlichem Blut, das getrunken werden müsse. Und meine neue Mutter sah aus wie vierzehn, rannte mir die ganze Zeit hinterher und las mir alberne Liebesgedichte vor. Klasse. Ganz große Klasse.
Mit meiner Mutter habe ich nie wieder gesprochen. Natürlich nicht. Was hätte ich sagen sollen? "Hi, Mutti. Leider bin ich letztes Jahr gestorben. Tut mir leid. Aber darf ich Dir meine neuen Freunde vorstellen?"
Irgendwie habe ich mich an die Deppen auch relativ schnell gewöhnt. Durga Syn hat mir irgendwann erzählt, sie gehöre zu einem anderen Clan als Clara und Bortho. Und ich. Sie erzählte sehr viel. Sie brachte mir bei, was Clans sind, was Blutband bedeutet und wie ich bestimmte Disziplinen einsetzen kann. Und sie erzählte Geschichten von phantastischen Begebenheiten und märchenhaften Wesen. Wie ich später erfahren musste, enthielten ihre Geschichten eine Menge versteckter Wahrheiten. Ich wünschte ich hätte besser zugehört.
Letztes Jahr kam der Ruf. Irgendetwas in meinem Kopf erzählte mir, wir sollten nach Atlanta kommen. Clara und Bortho hatten mir schon Wochen vorher davon erzählt. Ich war jung. Ich bekam den Ruf als Letzter.
Wir erreichten Atlanta genau eine Stunde, bevor das Treffen begann. In einer großen leeren Lagerhalle waren hunderte von uns versammelt. Ich dachte bis dahin, es gäbe außer uns vielleicht noch ein duzend andere, aber hier waren mehr. Viel mehr. Ein komischer Typ in Mönchskutte wollte mir dauernd Witze erzählen ("Was haben der Prinz von Chicago und eine Kakerlake gemeinsam?"). Ein Schwarzer mit einer Plastikmaske über dem Kopf (eine Karikatur von Pamela Anderson) rannte dauernd um mich herum und drohte jedem Schläge an, der mir zu Nahe kam.
Schließlich trat ein Mann mit struppigem rotem Bart nach vorn. Er stellte sich als Benison Hedge vor, der Prinz von Atlanta. "Ich habe Euch eine traurige Mitteilung zu machen. Vor einer Stunde erreichte uns die Nachricht, dass unsere geliebte Justicarin Maris Streck vernichtet wurde. Deshalb sind wir hier versammelt. Wir brauchen einen neuen Justicaren."
Die ersten Teilnehmer der Feier/Versammlung waren allerdings schon vor fünf Tagen in Atlanta eingetroffen, und selbst ich war hier, bevor der Grund für die Versammlung bekannt gewesen sein kann. Irgendwann wundert man sich über nichts mehr.
Clara stellte sich auf den Klappstuhl, auf dem sie bisher gesessen hatte und rief, sie hätte einen Vorschlag. "Jason," rief sie, "sei unser Anführer!"
"Ja!", riefen daraufhin mindestens zehn Leute gleichzeitig, "Jason, sei unser Anführer!". Innerhalb von dreißig Sekunden war die Halle mit einem ohrenbetäubenden Lärm erfüllt. Hände schlugen gegeneinander, auf Knie und in Gesichter; man hörte das Heulen von Geisteskranken; Füße trampelten, und Plastikstühle wurden auf den Betonboden geschlagen. Und aus der chaotischen Kakophonie drang aus duzenden von Kehlen immer und immer wieder: "Ja! Jason, sei unser Anführer!"
Durga Syn, die auch da war, grinste nur.
Von einem Fluch, der meinen Geist irgendwie nachteilig beeinflussen soll, habe ich bisher noch nichts bemerkt. Ich bin jetzt jedenfalls Justicar, kein Job, der mir wirklich gefällt, muss ich zugeben. Man hat zwar die ganze Macht und so, aber dafür hat man auch eine wahnsinnig hohe Verantwortung. Und alle sind immer so übervorsichtig, wenn sie mit mir sprechen, oder sie versuchen mich irgendwie zu betrügen, zu hintergehen, reinzulegen, was auch immer. Zum Glück steht fast mein ganzer Clan hinter mir. In ihrem wirren Geist scheinen sie wahrhaftig beschlossen zu haben, dass ich der richtige Mann für den Job bin. Warum auch immer.
Drei Leute wurden abgestellt, die mich beschützen und unterstützen sollen. Sie sind auch meine Anlaufstelle, wenn ich wieder mal keine Ahnung habe, was eigentlich abgeht. Einer davon ist kein Malkavianer. Ein großer Kerl, der immer mit einem albernen Schwert auf dem Rücken rumläuft. Aber das Schwert soll irgendwie besonders sein, hat er mir erzählt, dann ist das wohl o.k. Der Zweite ist der Typ mit der Pam-Maske. Ein Jamaikaner. Cooler Typ, wenn er mal ohne Maske auftaucht (hat einen ganzen Satz davon, alles von Bill Clinton bis Charly Chaplin). Leider setzt er immer eines der hässlichen Plastikdinger auf, wenn ich ihm eine Aufgabe gebe. Was soll's, auch da gewöhnt man sich dran. Der Dritte im Bunde ist Dr. Klatt. Er scheint einen Defekt mit seinen Emotionen zu haben. Ich habe fast den Eindruck er fühlt überhaupt nichts. Aber er hat die besten Ratschläge von allen. Er hat auch gesagt, dass wir nach Vancouver müssen. Eine große Aufgabe würde da auf mich warten, sagte er. Und ich habe schon gedacht, alle Malkavianer zu vertreten, wäre eine große Aufgabe.
Ich bin jetzt schon fast drei Jahre in Vancouver. Langsam scheinen sich die Kollegen hier an meine Anwesenheit zu gewöhnen. Am Anfang habe ich ja doch (wie immer) einen ganz schönen Wirbel verursacht. Ich glaube, ich bekomme so langsam eine Ahnung, was meine große Aufgabe sein könnte, von der Dr. Klatt erzählt hat. Seit ein paar Wochen haben wir Probleme mit Satansanbetern. Da steckt definitiv mehr dahinter. Ich habe seltsame Dinge in der Aura eines jungen Giovanni gesehen, der seit vielleicht einem Jahr in Van ist. Und gestern habe ich mit dem Teufel getanzt - im Traum natürlich nur, aber all das hängt irgendwie zusammen, da bin ich mir sicher. Ich werde den Giovanni-Freak mal zu mir zitieren und sehen, was ich machen kann.
Jason
Jason ist jung und für die Aufgaben eines Justicaren viel zu unerfahren. Aber wer versteht schon die Entscheidungen der Malkavianer. Seit nun schon fast drei Jahren ist er in Vancouver. Allen anwesenden Vampiren wäre es lieber, wenn er wieder ginge. Der Druck, wenn ein Justicar und mit ihm gleich drei Archonten in der Stadt sind, ist enorm, auch wenn inzwischen auch der Unaufmerksamste mitgekommen hat, dass Jason selbst keine wirklich Gefahr bedeutet. Doch das, was er verkörpert, ist gefährlich und gerade seine Unerfahrenheit kann zu falschen und fatalen Entscheidungen führen. Bisher hat er sich zur Beruhigung aller aus der Politik weitgehend rausgehalten. Die Archonten kümmern sich zum Glück auch mehr um ihn als um die Stadt, sie scheinen ihm immer noch Lehrstunden in Politik, Geschichte und den Disziplinen zu geben.
Auf den ersten Blick wirkt Jason ganz normal, im Gegensatz zu all den anderen Malkavianern. Er ist sehr lebhaft, wenn man bei Vampiren von so etwas sprechen kann, und sehr interessiert. Er bewegt sich viel in der Stadt umher und beobachtet. Die meisten gehen davon aus, dass er darauf wartet sich der großen Aufgabe zu stellen, von der Miranda, die Malkavianer-Hexe, erzählt hat. Jedesmal wenn irgendwas scheinbar Bedeutendes geschieht (oder etwas den Anschein erweckt, es könne einmal bedeutend werden), dann herrscht in der Stadt verkrampfte Aufmerksamkeit. Man weiß nie, was die Malkavianer vorhaben. Wenn Jason beschließen sollte, das Problem mit einem großen Gewalt-Chaos beenden zu wollen, wird er von den meisten seines Clans Unterstützung bekommen. Das steht zumindest zu befürchten.
Jason verhält sich sehr selten ungewöhnlich. Ab und zu benimmt er sich allerdings furchtbar kindisch, er fordert andere Vampire zum Kirschkernweitspucken auf und setzt Preise aus, wie sie nur ein Justicar aussetzen kann, er verkleidet sich an Halloween, oder er klettert unvermittelt auf Bäume oder schlägt sich wild durch den Park (laut kreischend versteht sich). Zum Glück sind diese Anwandlungen eher selten.
Unter den Kellern des Holy Family Hospitals beginnt sich Black John im Schlaf zu bewegen. Vielleicht ist das die große Aufgabe, von der die Malkavianer reden. Jedenfalls geschehen in der Stadt seltsame und gefährliche Dinge, und Jason scheint davon auszugehen, dass er eingreifen muss - was das auch immer für den Rest Vancouvers bedeuten mag.
Zuflucht
Jason hat sich in den Kopf gesetzt, im fünften Stock eines Hauses in Burnaby zu wohnen. Die Archonten sind nicht begeistert, diese Zuflucht entspricht weder den Sicherheitsforderungen noch dem Status Jasons. Trotzdem schläft Jason hier und empfängt sogar ab und zu Besuch. Dr. Klatt und Franklin Milliner sorgen soweit wie möglich für die Sicherheit und haben die Wohnung mit allerlei Hightech ausgerüstet. Außerdem gibt es eine Wachmannschaft von 5 ausgebildeten Ghulen, die rund um die Uhr Wache halten.
Gefolgsleute
Dr. Klatt
Dr. Klatt leidet an der völligen Unfähigkeit Gefühle empfinden zu können. Ein brillanter Kopf und ein Wissenschaftler, der zu Lebzeiten Alchimist im Hamburg war. Er ist der derzeitige Lehrer Jasons. Er gehört zu den drei Archonten Jasons.
Joel
Joel ist der zweite Archont an Jasons Seite. Als Mensch litt er an Schizophrenie. Diese Krankheit verschwand aber vollständig als er zum Vampir gemacht wurde. 1690, zwei Jahre bevor man ihn "umarmte", wurde er als afrikanischer Sklave nach Jamaika gebracht. Er versuchte nach seiner Umwandlung, die Geschicke der Insel mitzubestimmen, es gelang ihm aber nur mäßig. Wenn es ernst wurde, dann verfiel er in bestimmte Verhaltensmuster, die nur bedingt seinen eigenen entsprachen. Er setzte sich sozusagen eine Maske auf und handelte als "jemand, der keine Angst hatte". Irgendwann änderte sich dieses Verhalten, und er begann, wirkliche Masken zu tragen.
Franklin Milliner
Ein riesiger Mann mit vielen Geheimnissen und scheinbar unzerstörbarer äußerer Ruhe. Ungewöhnlicherweise ist er kein Malkavianer, sondern vom Clan der Giovanni.
Geheimnisse
Jason hat selbst keine Ahnung, warum er in Vancouver ist (mal abgesehen von dem Gerede von einer "großen Aufgabe", womit er nicht wirklich etwas anfangen kann), das versucht er aber mit aller Macht geheim zu halten. Eigentlich wäre es ihm auch lieb, wenn niemand von seiner Unerfahrenheit wüsste, aber das konnte er sehr zu seinem Leidwesen nicht lange geheim halten.