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Rezensionen
Inside the Zone
Ein Quellenbuch für Obsidian
Die Zone ist der wichtigste Aufenthaltsort nicht nur für die Spielercharaktere des Horror-Science-Fiction-Rollenspiels Obsidian, sondern mehr oder weniger für die gesamt Menschheit.
Obsidian spielt nach der Invasion der Höllen. Die Welt ist praktisch zerstört, die letzten Menschen leben in einem riesigen Würfel aus Stahl und Beton, der mit Maschinen und Mystik gegen die Dämonen der Hölle verteidigt wird, die versuchen die Welt bis auf den letzten Rest zu zerstören. Dieser Würfel ist die Zone: ein Gebäude von fast 1300 Stockwerken Höhe; eine Stadt, in der Millionen von Menschen Zuflucht gefunden haben.
Doch die Zuflucht ist alles andere als sicher. Dämonen schleichen sich ein und existieren unerkannt zwischen den Menschen, Kultisten versuchen mit Hilfe der Dämonen an Macht zu gelangen und sammeln zu diesem Zweck Seelen; künstliche Krankheiten werden verbreitet, nur damit Firmen teure Heilmittel verkaufen können und geheime Tore zur Hölle bringen immer wieder neue Dämonen auf die Erde. Aber die Zone ist alles, was den Menschen geblieben ist, eng vielleicht und schmutzig, regiert von Konzernen und verborgenen Mystikern, gefährlich und oft tödlich, aber die letzte Zuflucht, in der man leben kann. Die erreichbare Welt außerhalb des riesigen Würfels ist eine dämonenverseuchte Wüste, in der es fast unmöglich ist zu überleben.
Die Informationen über die Zone sind im Regelwerk (das auch hier besprochen wird) so detailliert, wie es in einem Grundregelwerk mit begrenzter Seitenzahl möglich ist. Aber die Zone ist so wichtig, dass ein Quellenbuch, das sich ausschließlich mit ihr beschäftigt, eigentlich unumgänglich ist.
Dieses Quellenbuch ist "Inside the Zone". Auf 173 Seiten werden Kulte, besondere Orte, Organisationen und spezielle Technik und Dämonen besprochen, die in der Zone irgendeine Bedeutung haben. Die Organisation des Buches ist recht einfach, wenn auch wegen der Fülle an recht unterschiedlichen Informationen, nicht auf den ersten Blick zu durchschauen. Nach einem längeren Stimmungstext zur Einführung folgen fünf Kapitel: Plätze, Orte, Technologie, Gesetzgebung und ein Anhang. Nicht unbedingt inspirierend, aber es unterstützt die Übersichtlichkeit und nach kurzem Lesen ist man ganz in der Welt gefangen, die Obsidian bildet.
Die Informationen im Kapitel "Places within the Zone" hilft den Aufbau und die Struktur der Zone besser zu verstehen. Hat man dieses Kapitel gelesen, sind einem auch die Feinheiten des Aufbaus klar geworden, und man kann beginnen darauf basierend Abenteuer entwerfen. Wie fast alles in dem Buch unterstützt diese Kapitel den Spielleiter beim Erschaffen von interessanten und detailreichen Geschichten. Eine Unmenge von Ideen für Szenen, Szenarien und Leute entstanden beim Lesen in meinem Kopf.
Kapitel Zwei "The People of the Zone" steht dem in nichts nach. Nach ein paar zusätzlichen Regeln werden eine Unmenge an faszinierenden Organisationen, Gruppen der unterschiedlichen Kulte, Corporations (z. B. MediciTank, eine Firma, die sowohl Söldner als auch medizinische Einrichtungen stellt – der ähnlich gearteten Firma aus Shadowrun zum Glück nicht sehr ähnlich) und sogar ein paar Glaubensrichtungen vorgestellt.
Die Dinge in "Technologies" reichen von den obligatorischen Waffen, Fahrzeugen, der Cyberwear und Drogen bis zu Sicherheitssystemen und einer Beschreibung des Datennetzes. "Legislation" ist das kürzeste Kapitel. Politische Parteien, das Gesetz, Organisationen der Wahlen und spezielle Gesetze Dämonen und das die Zone umgebende Wasteland bilden den Inhalt. Und der Anhang ist noch einmal prall gefüllt mit unterschiedlichsten Informationen wie neuen Regeln (Kampfstile, neue Rituale usw.), der Beschreibung eines kompletten Sektors als Startpunkt für den Spielleiter, neuen Dämonen u. v. m.
Schon lange nicht mehr (vielleicht noch nie) habe ich ein Rollenspiel gesehen, dass so eine starke Stimmung beim Lesen aufzubauen vermochte wie Obsidian. Und obwohl es eine Weile her ist, dass ich die Regeln gelesen habe, waren die Bilder, die beim Lesen des Grundbuches in meinem Kopf entstanden waren, sofort wieder da, als ich das Quellenbuch in die Hand nahm. Einfach geschrieben sind die Texte immer noch nicht, aber das ist ein wirklich kleines Hindernis, wenn man bedenkt, wie viel man aus dem Buch herausziehen kann. Die Wahl der Standardschriftart und das Layout gefallen mir auch nicht hundertprozentig, zum Glück ist beides aber auch nicht wirklich störend – nur die Übersichtlichkeit leidet ein weiteres Mal. Die Bebilderung ist eine recht bunte Mischung und insgesamt durchaus ansehnlich.
Fazit: "Inside the Zone" ist unverzichtbar für jeden, der Obsidian spielt. Nach der Lektüre des Buches versteht man den Aufbau und die Organisation des riesigen Gebäudes erst richtig. Außerdem stecken viele Duzend Abenteuer in den Zeilen des Buches. Mehr kann man von einem Rollenspielquellenbuch wahrlich nicht verlangen.
amel
[ Inside the Zone, Micah Skaritka und Dav Harnish, Apophis Consortium, 173 Seiten, $20, Englisch ]