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Cthulhu abseits
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Rezensionen

Guernsey

Ein Abenteuer für Call of Cthulhu – Fantastische Spiele GbR

Guernsey ist die westlichste der englischen Kanalinseln. Und es ist Schauplatz und Name des neuen Abenteuers für H. P. Lovecrafts Cthulhu von Fantastische Spiele GbR.

Die Charaktere erhalten eine Einladung von einem alten Bekannten. Sie sollen eine Woche in seinem Haus auf Guernsey verbringen. Aber - welche Überraschung - aus der harmlosen und gemütlichen Feier, wie sie eigentlich geplant ist, wird nichts, denn nach der ersten Nacht steht der Hausherr nicht mehr als Gastgeber zur Verfügung, etwas, das die unterschiedlichen Gäste aus unterschiedlichen Gründen überrascht.

Die Charaktere geraten daraufhin in ein Detektiv-Mord-und-Intrigenspiel wie man es von Agatha Christie gewohnt ist. Die Insel Guernsey scheint als Ort für ein solches Abenteuer perfekt: wir haben englisches Wetter, eine unzugängliche Steilküste und eigenbrötlerische Inselbewohner, die teilweise schon seit Generationen auf der Insel leben. Es wird sehr viel französisch gesprochen, was die Kommunikation ein wenig erschwert, aber auch interessanter macht (ich gehe von englisch-sprechenden Charakteren aus). Die Besucher sind ein gemischter Haufen: alles vom geschwätzigen, etwas aufdringlichen Herren bis zum schweigsamen Japaner ist vertreten, was Diskussionen über die Lösung des "Falles" beim abendlichen Brandy sicherlich nicht langweilig werden läßt, wenn der Spielleiter ein wenig schauspielerische Fähigkeiten mitbringt.

Doch schließlich werden die Charaktere (hoffentlich) ein paar Schritte weiterkommen und die Insel dann doch noch verlassen. Die Spuren führen an die Nordküste Frankreichs nach Mont Saint Michel.

Die Autoren haben sich sichtlich Mühe gegeben einige Hintergrundinformationen zusammenzutragen und genug von Haus und Leuten zu beschreiben, um die Suche nach Hinweisen stimmungsvoll gestalten zu können. Die Anreise ist beispielsweise sehr nett beschrieben (einschließlich der Zugabteile), man findet in dem Heft eine Karte von Mont Saint Michel, bei der sogar die Namen der Besitzer der jeweiligen Häuser angegeben ist, alle Hauptpersonen sind mit Foto bedacht worden und natürlich ist auch Guernsey mit einer Karte vertreten.

Und trotzdem konnte mich das Abenteuer nicht völlig überzeugen. Die Motivationen der handlungstreibenden Personen scheinen teilweise etwas dünn und manchmal wenig schlüssig, am schlimmsten die des Hauptbösewichts ("Was? Und deshalb macht er den ganzen Aufstand??!"). Auch die Handlung ist manchmal etwas dünn. Solche Sätze wie "So bleibt den Charakteren nicht allzuviel zu tun, außer auf den Abend zu warten [...]." sind für mich ein Graus. Detektivische Abenteuer sind meiner Meinung nach sowieso immer etwas schwierig, denn die Spieler geraten sehr leicht in Frust, wenn es nicht weitergeht (oder scheinbar nicht weitergeht). Das sollte unter allen Umständen verhindert werden und da erscheinen solche Wartezeiten als unangebracht.

Es gibt noch ein oder zwei andere Kleinigkeiten, die nicht hundertprozentig schlüssig sind (auch wenn man sie sicher irgendwie erklären kann, wenn man will). Wenn z. B. die Eingangstür in einen Gang durch gut geölte Scharniere darauf hinweist, daß sie regelmäßig benutzt wird, warum quietscht dann die Ausgangstür aus dem gleichen Gang gottserbärmlich?

Trotz aller Mängel hat Guernsey die Stimmung, die es erzeugen will, gut eingefangen und ist mit ein wenig Mühe auch gut spielbar.

Fazit: Wer schon immer fand, daß "Eine Leiche zum Dessert" ohne Komik und mit einem Schuß Cthulhu-Mythos genau das Richtige für ein Abenteuer ist, und wer bereit ist ein wenig Arbeit zu investieren (ein, zwei Lücken auszugleichen und vielleicht eine kleine Nebenhandlung einzuführen, um Wartezeiten zu überbrücken), der sollte ruhig mal einen Blick auf Guernsey werfen. Vielleicht hat er ja genau die Ideen gefunden, die er gesucht hat. Das Abenteuer ist bei weitem nicht perfekt, bietet aber genug interessante Ansätze, um ein paar Spielabende zu füllen.