Pages from the Book of Eibon
Home | Abenteuer | Artikel | Rezensionen | Links | | Schwarze Erinnerungen | Kontakt | Disclaimer

Cthulhu abseits
historische Settings | SciFi-Settings | andere Rollenspiel-Settings | Verschiedenes | Gedrucktes

Rezensionen

Tod, Terror und Wahnsinn in Freihafen

Relativ zu Beginn des großen d20-Spektakels erschien ein 32-seitiges Heft mit dem ersten Teil einer in der Hafenstadt Freihafen angesiedelten Abenteuertrilogie. Das Abenteuer war ein Überraschungserfolg. Die beiden anderen Teile folgten bald nach, schließlich ein weiteres von den ersten unabhängiges Szenario und nun sogar ein Quellenbuch von Freihafen. Der erste Teil ist in seiner ursprünglichen (englischen) Fassung inzwischen vergriffen, doch praktischerweise ist er seit kurzen in deutscher Übersetzung von Truant erhältlich. Die beiden anderen Teile "Terror in Freeport" und "Madness in Freeport" wurden noch nicht übersetzt, sind aber auf englisch noch erhältlich. Die folgende Rezension bezieht sich auf die deutsche Übersetzung des ersten Teils und die beiden nachfolgenden Originale.

Freihafen ist eine Hafenstadt, die sich aus einer Piratenstadt entwickelte. Auf vier Seiten wird eine kurze Zusammenfassung der Geschichte der Stadt gegeben, die aus einem kleinen Dorf entstand, das von Piraten übernommen wurde. Die Stadt entwickelte sich gut, bekam aus einer Not heraus schließlich einen Anführer, Gesetze und Rechtssprechung und hat sich inzwischen zu einer Handelsstadt entwickelt, die von einem sogenannten Seeherren regiert wird und in der etwas raue Sitten herrschen. Die Insel, auf der Freihafen liegt, ist ein Teil einer ehemals wesentlich größeren Insel mit einer mehrere Tausend Jahre alten Geschichte, die auch heute noch Einfluss auf die Stadt hat. Alles in allem ist Freihafen ein perfekter Ort für Abenteuer, Schlägereien, Intrigenspiele und uralte Geheimnisse.

Und um all dies dreht es sich auch in den Abenteuern.

Die Beschreibungen der Stadt sind möglichst allgemein gehalten, damit sie in jede Fantasywelt ohne Schwierigkeiten übernommen werden kann. Über Klima oder Baustile wird beispielsweise gar nichts gesagt, die Götter haben keine Namen sondern sind nur Götter "des Wissens" oder "des Krieges".

Im Verlauf der Ereignisse werden immer wieder Themen und Wesen eingeflochten, die manchem Spieler aus dem Cthulhu-Mythos bekannt sein dürften. Als Beispiele seien nur die Stichworte Schlangenmenschen und Gelbes Zeichen erwähnt. Es kommen sogar ein Kult und ein uralter Gott vor. Die ursprünglich ja genrefremden Themen werden nahtlos in den Hintergrund eingefügt (und bilden diesen teilweise sogar). Vielleicht machen sie einen Teil des Reizes der Trilogie aus, jedenfalls zeigen die drei Abenteuer, wie cthuloide Themen gewinnbringend in einem Fantasyspiel eingesetzt werden können.

In "Tod in Freihafen" heuert Bruder Egil die Charaktere an, einen verschwundenen Bibliothekar zu suchen. Nachforschungen führen die Spieler in einem relativ gradlinigen Detektivteil durch die Stadt, bis zu einem Ort, an dem sie nicht nur herausfinden, was aus dem Bibliothekar geworden ist, sondern auch noch diverse Hinweise finden, die auf tieferliegende Geheimnisse hindeuten. Doch die Hinweise sind wage und gewinnen erst in den nächsten Teilen an Bedeutung.

Das Abenteuer ist durchweg kurzweilig und actiongeladen, voll von Verfolgungsjagden und Schlägereien. Diffiziles Rollenspiel darf man allerdings nicht erwarten, Action und Abenteuer stehen ganz eindeutig im Vordergrund.

Der zweite Teil schließt nahtlos an Konzept und Inhalt an. Bruder Egil kommt ein weiteres Mal auf die Charaktere zu, nachdem diese einige Zeit in der Stadt verbracht haben, und bittet sie weitere Nachforschungen bezüglich der bereits angedeuteten Geheimnisse anzustellen. Die Handlung führt zurück zu einem bereits bekannten Ort, den die Regierung der Stadt inzwischen hat räumen lassen. Doch wie bereits geahnt wurde das Böse nicht völlig beseitigt und nach und nach werden weitere Geheimnisse aufgedeckt, die auf politische Intrigen hindeuten. Und als wäre das noch nicht genug, werden den Charakteren von außen zusätzlich Steine in den Weg gelegt.

"Madness in Freeport" beginnt mit der Eröffnung eines großen Leuchtturms, an dem schon seit vielen Jahren gebaut wurde. Er ist der größte Leuchtturm weit und breit und zur Eröffnung kommen viele geladene Gäste aus allen Teilen des Landes. Doch die Party (bei der es übrigens viele Möglichkeiten zu Rollenspiel und Charakterdarstellung gibt) wird unterbrochen, was die Charaktere wieder auf alte Spuren schickt.

Der Dritte Teil ist leider im Vergleich zu seinen Vorgängern etwas dünn. Das Showdown ist im Endeffekt nur ein großes Dungeon, dass zwar mit durchaus interessanten Rätseln und Fallen aufwarten kann, aber eben doch nur ein Dungeon ist, bei dem es darum geht durch Gänge zu laufen und Dinge zu finden.

Fazit: Mit der Freihafentrilogie besinnen sich die Autoren wieder der Wurzeln des Rollenspiels. Es geht nicht um "das ultimative Rollenspielerlebnis" oder darum aus einem Spiel eine Kunstform zu machen, wie es gerade neuere Publikationen immer wieder versuchen. Es geht einfach darum Abenteuer zu erleben. Die gesamt Bandbreite wird ausgenutzt: es gibt Verfolgungsjagden, eine detektivische Suche, kleine und große Dungeons, Überfälle, grimmige Orks und im dritten Teil sogar die Möglichkeit zu ein wenig Charakterdarstellung. Und zu guter Letzt ist Freihafen auch noch eine Stadt mit Charakter, die die Spieler lieben lernen werden und in folgenden Abenteuern bestimmt gern noch ein weiteres Mal retten. Auch wenn der Abschluss leider etwas enttäuschend ist, kann Freihafen jedem Abenteuerlustigen ans Herz gelegt werden. Auf der Homepage des Verlages gibt es weiteres Material zu Freihafen in Form von ungefähr monatlich erscheinenden pdf-Dateien. Unter anderem sind hier Abenteuer, Hintergrundinformationen zu Gegenständen und Personen und d20-Regelerweiterungen zu finden. Für die gesamt Trilogie gibt es vier von fünf Sternen, aber auch nur, weil der letzte Teil im Vergleich ein wenig enttäuschend ist und dementsprechend keinen sehr guten Abschluss bildet.