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Rezensionen
De Profundis - Letters from the Abyss
Im Rahmen der Reihe New Style von Hogshead Publishing erschien vor kurzem das Rollenspiel De Profundis und erregte vor allem aufgrund seiner Ankündigung relativ großes Aufsehen. Es hieß, man könne mit diesem neuartigen Spiel die Geschichten von H. P. Lovecraft auf eine bisher noch nie da gewesene Weise nachvollziehen - viel besser als es mit H. P. Lovecrafts Cthulhu oder einem anderen Rollenspiel jemals möglich sei. Und das ganze soll nicht nur ohne Regeln sondern auch noch ohne Spielleiter und sogar völlig allein gehen. Wie das funktionieren soll, wird in der Ankündigung nicht verraten. Probiert es einfach aus, heißt es, das Heft kostet nur $ 6,95, da kann man nicht viel falsch machen.
Das macht schon ein wenig neugierig.
Das Cover ist schon mal viel versprechend. Es wurde von Dennis Detwiller angefertigt, der ja schon bei Pagan Publishing immer wieder sehr gekonnt Lovecraftsche Szenarien mit Bildern versah. Es passt zwar wenig zu seinem sonstigen Stil, aber dafür umso besser zu De Profundis. Die Innenillustrationen sind ausschließlich kleine Zeichnungen zu Beginn jeden neuen Kapitels. Insgesamt ist das Layout übersichtlich, aber leider gelingt es ihm nicht, die Stimmung des Spiels optisch zu untermauern.
Eine Idee des Spiels ist folgende: Zwei oder mehr Personen nehmen jeweils eine beliebige Persönlichkeit an, sei es nun die eigene oder eine fiktive. Diese Personen - die Spieler also - schreiben sich Briefe, wie es die Protagonisten sehr vieler Geschichten Lovecrafts und anderer "angestaubter" Schriftsteller tun. Man denke z. B. an den Roman Dracula, der ja bekanntlich in Form von Briefen und Tagebucheinträgen erzählt wird. Auf diese Weise werden die alten Geschichten nachvollzogen. Über was man schreibt, ergibt aus früheren Briefen des Spiels, aus eigenen Ideen oder was man am Tage so erlebt hat. Nach und nach entwickelt sich so eine Geschichte.
Fast der ganze Text des Heftes besteht aus Briefen, die der Autor an eine nicht näher beschriebene Person richtet. Er hat von einem Spiel geträumt (na, von welchem wohl?) und versucht es nach und nach zu beschreiben und zu erklären. Dadurch bildet der Text selbst ein Beispiel, wie das Endergebnis des Spiels aussehen könnte. Leider steht der Stil der Sache häufiger im Weg, als dass er sie unterstützt; der Inhalt wird dadurch weder übersichtlicher oder verständlicher. Die Tipps sind aber nachvollziehbar und lassen keine Fragen offen.
Das zweite Kapitel soll dem Leser nahe bringen, wie man in seiner Umgebung Horror und schreckliche Geheimnisse findet, die man in die Briefe einbauen kann: Du stehst an einer Bushaltestelle und beginnst plötzlich zu spielen; mal gucken, was du alles hinter der Fassade der Wirklichkeit entdeckst, wenn du nur richtig hinschaust. Ein faszinierender Ansatz, der leider schlecht zu beschreiben ist, wenn nicht der Inhalt des ganze Kapitels wiedergegeben werden soll.
Das dritte Kapitel ist mir etwas rätselhaft. Der Autor geht anscheinend noch einen Schritt weiter. Offensichtlich sollen die wirren Worte des Briefeschreibers erklären, wie man das Spiel vollkommen allein spielen kann. Hier ist der Schreibstil das erste Mal so im Weg, dass mir der genaue Sinn der Worte verschlossen bleibt. Aber vielleicht sind andere ja schlauer.
Ganz am Ende des Heftes und so hinten "drangeklatscht", dass man den Eindruck hat, es gehöre gar nicht mehr dazu, ist ein weiteres Kapitel mit einem wirklichen Leckerbissen zu finden. Psychodrama nennt der Autor das beschriebene Spiel, dass unabhängig vom Rest ist. In einem dunklen Raum versinken mehrere Leute in einer Geschichte, die sie gemeinsam erzählen. Mehr kann an dieser Stelle dazu nicht gesagt werden.
Fazit: Das Versprechen der Ankündigung konnte zumindest in einem Punkt eingehalten werden: De Profundis bietet einen völlig neuen Spielansatz, der Lovecrafts Geschichten besser nachvollzieht als es bisherige Rollenspiele können. Ein Ersatz wird das Spiel niemals werden, zum Glück versucht es auch gar keiner zu sein. Vielen mögen die Ideen ein wenig zu weit gehen, aber für einen Preis von ca. € 8,50 kann man nicht allzu viel falsch machen. Fünf von fünf Sternen.