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Rezensionen
Das Leben unter Wasser - Lodland-Kompendium
Pünktlich erschien das zweite Quellenbuch für Lodand. „Das Leben unter Wasser“ beschäftigt sich mit vielen Fassetten des alltäglichen Lebens, das die Bewohner der Kuppeln in Lodland führen.
Je mehr ich von Lodland lese, umso besser gefällt es mir. Das Lodland-Team setzt das Konzept des Science-Fiction-Spiels radikal um. Es gilt, eine Welt zu simulieren, und mit jeder Zeile, die zu Papier gebracht wird, kommen sie diesem Ziel ein Stück näher. „Das Leben unter Wasser“ trägt dazu einen großen Teil bei.
Die Aufmachung bietet nach den Grundregelwerk und dem ersten Quellenbuch „Schiffe und Piraten“ keine Überraschungen mehr: Das Cover ist ansprechend und die Innengrafiken durchaus gelungen. Auch das Layout ist natürlich das gleiche geblieben. Neu hingegen sind die Seitenbegrenzungen, die schlichter und somit weniger aufdringlich geworden sind.
Die beiden Innencover bieten farbige Karten der Naxon-Kuppel 2, die am Ende des Buches genauer beschrieben wird: sehr anschaulich und auch noch hübsch anzusehen.
Nach einer Einleitung und einer Fortführung der Lodland-Zeitleiste mit den wichtigsten Ereignissen der letzten Monate folgt das erste der vielen kurzen Kapitel des Buches. „Lebensstil“ erklärt dem Leser, wie teuer das Leben der Erdenbewohner in der nassen Zukunft ist; Wohnkosten und Kosten für Nahrung und Freizeitgestaltung werden angegeben und Regeln genannt, wie man im Spiel damit umgehen sollte, um die Buchführung möglichst gering zu halten.
„Kuppeln und Städte“, das nächste Kapitel, erklärt uns den Aufbau der Unter-Wasser-Kuppeln. Baukosten, Luft- und Energiegewinnung, technische Systeme und Kommentare über das notwendige Personal; das Kapitel ist zwar etwas trocken, gibt aber den nötigen Überblick, den man haben sollte, wenn man in einer Kuppel spielen will. Außerdem bieten die Informationen natürlich viele Ansatzpunkte für Abenteuer, denn eine Kuppel kann ja auch mal kaputt gehen.
Nach einem kurzen Abschnitt (eine Seite) über die „Rote Schraube“ – das Rote Kreuz der Zukunft – folgt ein Ausschnitt aus einem Katalog, der viele verschiedene Waren anbietet. Hier werden auf 10 Seiten nicht nur technische Geräte zum Thema „Wohnen und Leben“ einschließlich relevanter Regeln beschrieben, sondern auch Werkzeuge, Elektronik und Tauchausrüstung. Ein nicht nur optisch schönes Kapitel, das zum Stöbern anregt.
„Spezielle Merkmale“ ist ein langes Kapitel für die Regelfreunde der Lodland-Fans. Sollte jemand Vor- und Nachteile, wie sie von vielen anderen Rollenspielen angeboten werden, vermisst haben, so hat er hier alle Regeln und Listen, um sie auch in Lodland einzuführen.
„Drogen, Gifte und Krankenheiten“ erklärt nicht nur passende Regeln, sondern versorgt uns auch mit einigen Beispielen. „Archetypen“ beschreibt ein paar archetypische Bewohner der Kuppeln unter Wasser und gibt ihnen Werte – sehr praktisch, wenn der Spielleiter mal schnell ein paar Zahlen braucht. Drei typische Meeresbewohner (Hai and Friends) sind auch mit dabei.
„Aberglaube“, ein durchaus interessantes Thema, ist auf einer Seite, die hauptsächlich mit einer Beispielliste gefüllt ist, dargestellt.
Wer nicht so sehr auf nüchterne Informationen steht, der kommt in der zweiten Hälfte des Buches auf seine Kosten. „PSI in a Nutshell“ bildet hierbei den Anfang. Bei diesem Kapitel handelt es sich um einen „wissenschaftlichen“ Artikel von einem Professor, der sich mit dem Phänomen PSI auseinandersetzt. Die fünf Seiten sind interessant geschrieben und geben einen guten Eindruck, wie sich PSI auf die Gesellschaft von Lodland auswirkt. „PSI im Spiel“ folgt und gibt kurze und wenig ergiebige Tipps über den Umgang mit PSI im Spiel. Es folgt eine Doppelseite mit neuen PSI-Regeln.
Die nächsten 23 Seiten – fast ein Viertel des Buches – sind angefüllt mit so genannten Stimmungstexten. Jedes Land des RDL erhält ein Kapitel (Arbiträa sogar zwei), in dem ein bestimmter Aspekt des Lebens des jeweiligen Landes herausgegriffen und beschrieben wird. Bei allen insgesamt sehr unterschiedlichen Texten wurde, wie die Bezeichnung ja schon andeutet, sehr viel Wert auf Stimmung gelegt. Paix-Rennen werden beschrieben (die Formel 1 von Lodland), das Leben der arbiträischen Nomanden (anhand eines fiktiven Tagebuchauszugs), die Filmindustrie von Stawa und das SPOHA von Lod. Was den Lesespaß betrifft, bilden diese Abschnitte das Highlight des Buches, und auch im Spiel sollten sie sich hilfreich erweisen. Anhand dieser Beispiele erhält der Spielleiter nämlich einen Eindruck, wie man das Leben unter Wasser darstellen könnte, indem man sich einen Teilbereich herausgreift. Und als wäre das nicht schon Hilfe genug, enthält jeder Text auch noch Abenteuerideen und teilweise (größtenteils allerdings etwas zu offensichtliche) Tipps, wie man eine Kampagne um die beschriebene Lebensfassette bauen kann.
Dagegen fällt das Abenteuer „Projekt Sandbank“ etwas ab. Die Charaktere werden als Spione in die Naxon-Kuppel 2 eingeschleust. Sie sollen als Arbeiter dort anfangen, ein bestimmtes Computerteil stehlen und dieses nach einer gewissen Wartezeit durch ein anderes ersetzen. Das Abenteuer ist mehr eine Ansammlung von Richtlinien als eine fertige Geschichte, denn je nach Berufen der Charaktere muss sich das Leben als Spion in der Kuppel natürlich sehr unterschiedlich gestalten. Die Idee ist recht nett und die Umsetzung ist auch ok, aber die Abenteuer stellen für mich generell immer noch die Schwachpunkte von Lodland dar - irgendwie fehlt der Pepp. Bei all der Mühe das Konzept der Simulation auch in den Abenteuern umzusetzen, gerät die Handlung leider etwas ins Hintertreffen.
Den Abschluss bildet die Beschreibung der Naxon-Kuppel 2, wieder mit Abenteuerideen und einer Beschreibung, wie die Menschen in der Kuppel leben.
Fazit: Ein unverzichtbares Buch für den Lodland-Fan.
[ Das Leben unter Wasser, Image 3033, 100 Seiten, Softcover, Deutsch, € 22,80 ]