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Rezensionen
Darc Light
Darc Light ist die gekürzte Einführungsversion des Fantasy-Rollenspiels Darc Age, das in Zukunft auf der Homepage DarcAge.com zu finden sein wird. Erfreulicherweise rechtfertigt die pdf-Datei im Gegensatz zu vielen anderen Hobby-Produktionen ihre Anwesenheit im Pixelstrom des Internets mit einigen neuen oder wenig benutzten Ideen und auch noch einem netten Aussehen. Darc Light ist kostenlos und trotz des Names in deutscher Sprache.
Auf insgesamt 42 Seiten wird ein Einblick in die Welt gegeben und eine abgespeckte Version der Regeln präsentiert. Sogar ein Abenteuer wird mitgeliefert. Die Regeln sind vollständig – Magiesystem, Kampfsystem, Waffenliste, Fertigkeiten usw. – wenn auch etwas altbacken. Dazu später mehr. Die Weltbeschreibung ist sehr kurz gehalten, eigentlich mehr eine Aufzählung von Dingen, die möglich sind, und dennoch ist auch sie ausreichend, um erst einmal loszuspielen.
Die Welt trägt den Namen Aerde und liegt wie bei Fantasy-Systemen allgemein üblich in Scherben. Gott ist tot, der Teufel versucht unter anderem Namen die Menschen zu korrumpieren und dummerweise steht auch noch der Weltenrand in Flammen, was zu einem konstanten Ascheregen und andauerndem Zwielicht führt. Die Kirche ist auch nicht unbedingt eine Hilfe; eine Inquisition verbreitet Missstimmung. Die Menschen leben in großen Burgstädten, wo sie sich ihr Wasser erst verdienen müssen und wo für viele Menschen Ratten die einzige Fleischzufuhr darstellen. Die Spielercharaktere sind Leute, die sich in den Burgstädten mit dem täglichen Leben herumschlagen müssen. Ihre Berufe sind Kloakenfischer, Lumpensammler und Leibflicker. Die Welt stürzt die Charaktere also in eine Situation, die noch erbärmlicher ist, als in vielen anderen Spielen. Mir persönlich fällt jedenfalls nur Cyberpunk 2020 ein. Es geht darum, Kontakte zu bekommen (denn Freundschaften sind oft nur von kurzer Dauer) und irgendwo eine Waffe zu finden, die lange genug hält, um einem ein- oder zweimal das Leben zu retten.
Besonders gut hat mir gefallen, wie Christian Kennig, der Autor, an diese Spielweise herangeht. Die pdf-Datei enthält als Einstieg eine Karte und eine Bewohnerliste von dem Viertel Brechkiez, das in einer beliebigen Burgstadt angesiedelt werden kann. Zu Spielbeginn erhält jeder Spieler eine Blankokarte, in der er seine Kontaktpersonen und jede andere Person, die er kennen lernt eintragen kann. Außerdem würfelt er schon bei der Charaktererschaffung einige Kontakte aus.
Damit ist die Grundlage für ein sehr freies Spiel gelegt. „Bring nicht einfach jemanden auf der Straße um, denn seine Freunde könnten dir einen Besuch abstatten“, heißt es sinngemäß im Spieltext. Die Karte und die Liste mit Kontakten für jeden Spieler bildet für diese Aussage eine spielbare Grundlage. Der Spielleiter muss nur noch ein Netz von Bekanntschaften erfinden, dann kann er mit einfachen Mitteln eine Geschichte in Gang setzen, die sich leicht improvisieren lässt. Schade nur, dass Christian außer der Karte keine weiteren Tipps dazu liefert.
Das Abenteuer ist hingegen – leider muss man schon fast sagen – ziemlicher Standard. Es gab eine Entführung und die Charaktere werden gebeten, das Opfer zu befreien. Hier wird die Chance vertan auf die besondere Spielweise von Darc Light einzugehen. Hoffentlich bekommen wir in Darc Age ein wenig mehr Futter in dieser Richtung. Das Abenteuer ist aber nicht schlecht und liefert einen einfachen Einstieg in die Welt von Darc Light.
Namen spielen eine besondere Rolle in Darc Light. Sie sind treffend und in sich stimmig ausgewählt und geben der Welt eine eigene Stimmung (z.B. die Berufsbezeichnungen). Die Namen für Personen beschreiben zusätzlich, um was für Personen es sich handelt. Mit Bernhard Bestechlich müssen die Charaktere ganz anders verhandeln, als mit Thorsten Schlagtot oder Dorian Dämlich. Schon bei der Namensgebung ist der Spielleiter auf diese Weise gezwungen Entscheidungen über die Figur zu treffen, was auf jeden Fall zu einem gewissen Grad der Tiefe führen sollte. Tolle Idee.
Die Regeln sind einfach gehalten. Man verteilt ein paar Punkte auf Attribute, wählt eine Rasse und einen Beruf aus und verteilt anschließend einige weitere Punkte auf Fertigkeiten. Die Rassen sind Fantasystandard: Zwerge, Elfen und Menschen. Die Berufe leider auch. Hier kann z.B. zwischen Krieger und Schurke gewählt werden, auf die witzigen Berufsbezeichnungen wird leider nicht weiter eingegangen. Vermutlich wird dies in den vollständigen Regeln nachgeholt, in denen es natürlich zusätzliche Optionen geben wird. Auch der Rest der Regeln ist Standard: Trefferpunkte, Attacke- und Paradewerte; Proben 1W10 + Attribut + Fertigkeit gegen Mindestwurf. Christian ist sehr stark von alten Systemen wie D&D und DSA beeinflusst, was man an unnötigen Ansammlungen von Abkürzungen und Kampfzusatzregeln bemerkt. Die Regeln sollten so jedoch spielbar sein, auch wenn sie nicht unbedingt meinem Geschmack entsprechen. Die Magieregeln zeichnen sich durch die Abwesenheit von Spruchlisten aus, was mir auf der anderen Seite wieder sehr entgegenkommt.
Auf der Homepage gibt es außer Darc Light und einem passenden Charakterbogen noch einige andere betrachtenswerte Files: Der Ascheherold ist eine Zeitschrift, die inzwischen in der vierten Ausgabe vorliegt (Stand Januar 2005) und sich mit bestimmten Bereichen des Spiels beschäftigt. Zum Beispiel gibt es einen mehrteiligen Einblick in das rundenlose Kampfsystem, das in Darc Age vorgestellt werden soll. „Die Formeln der Macht“ ist eine mehrteilige Nacherzählung eines gespielten Abenteuers. Beiden bereits erschienen Teilen wurde jeweils eine Ortsbeschreibung beigefügt, die in Beziehung zur der Geschichte steht.
Darc Light ist ein erster Einblick in ein Spiel, das noch sehr gut werden kann. So wie sie bisher vorliegen, haben die Regeln noch einige Ecken und Kanten, aber das Spiel liefert insgesamt genug gute Ideen, um einen Download zu rechtfertigen. Auf diese neuen Ideen wird der Autor im vollständigen Spiel hoffentlich aufbauen und sie ein wenig ausführlicher erläutern, als es hier der Fall ist.
Wenn Fragen zum Spiel entstehen, kann man übrigens getrost eine Mail an Christian schicken (Adresse auf der Homepage zu finden); der Email-Kontakt zu ihm war immer sehr freundlich. Werft einen Blick auf das Spiel und schreibt ihm, was ihr davon haltet. Er freut sich immer über ein wenig Lob. Zweieinhalb von fünf Sternen, weil die Regeln noch Feinschliff benötigen.