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Rezensionen
Cthuloide Welten 3
Das Erscheinen der Zeitschrift Cthuloide Welten, „dem offiziellen deutschen Cthulhu-Magazin“, bei der letztjährigen Spielwarenmesse war für viele eine Überraschung. Cthulhu bekommt in Deutschland seit einiger Zeit einen immer höheren Stellenwert – sehr zur Freude seiner vielen Fans. Was noch fehlte, war ein Magazin.
Schon die Nummer 2 wurde um ein paar Seiten aufgestockt, weil es leider nicht möglich war, öfter als halbjährig eine neue Ausgabe zu produzieren. Und so erschien zur diesjährigen Spielwarenmesse schließlich die Nummer 3, wieder mit einem Abenteuer und wieder mit einer bunten Mischung an cthulhu-relevanten Artikeln.
"Aus den dunkeln Zwischenreichen" stellt wie auch schon in den ersten beiden Ausgaben neue und alte Monster aus einer bisher ungewohnten Sicht dar. Statt nüchterner Beschreibungen werden „Augenzeugenberichte“ von Menschen angeführt, die den Wesen begegnet sind. Diesmal handelt es sich um Tagebuchauszüge eines Forschers, den es nach Tiahuanaco verschlagen hat. Diese Art der Monsterdarstellung hat den Nachteil, dass nur subjektive Teilaspekte des Wesens beschrieben werden können, aber Cthulhu lebt von Andeutungen und von fehlenden Informationen, so dass sich für manche dieser Nachteil zu einem Vorteil umkehren kann. Gewitzte Spielleiter können sogar die Tagebuchauszüge direkt als Handout für ein eigenes Abenteuer verwenden.
Das Abenteuer "Der Sänger von Dhol" stellt für mich das Highlight der Zeitschrift dar. Die Spieler gehören zur Familie der Goulsens auf der Insel Pellworm, die in erschreckende Dinge verwickelt werden, als sie von einer Beerdigung auf dem Festland zurückkehren. Die kurze Geschichte (wahrscheinlich nicht länger als ein Spielabend) lässt sich nicht in eine Kampagne einfügen, weil die Spieler-Charaktere vorgefertigt sind. Das Abenteuer ist eine Horror-Geschichte in Rollenspielformat. Einziger Nachteil: Im Laufe der Handlung wird relativ oft darauf hingewiesen, dass „der Spielleiter dafür sorgen soll, dass ...“, aber ein geschickter Spielleiter sollte damit fertig werden. Für diese Art von Abenteuer werden Zeitschriften herausgegeben.
"Autofahren in den 1920ern: Die USA" beschäftigt sich ausführlich mit den Automobilen der üblichen Cthulhu-Epoche. Ohne den Leser in Details zu ertränken, wird ein guter Überblick über die Technik gegeben – sehr nützlich für den geplagten Spielleiter. Es steht zu bezweifeln, dass solche Details oft im Spiel benötigt werden, aber es hilft trotzdem ungemein, ein Zwanziger-Jahre-Flair aufzubauen.
Der Artikel "Aus dem Leben eines Cthulhu-Invesigators" stellt eine lange Checkliste dar, die bei der Erstellung der Spielercharaktere helfen soll. Die ursprünglichen Cthulhu-Regeln unterstützen nicht gerade die Erschaffung eines tiefgründigen Charakters, recht oft kommt trotz aller Bemühungen doch nur „der Detektiv“ oder „der Professor“ heraus. Dieser Artikel geht die verschiedenen Punkte einer Charaktererschaffung anhand von Tabellen durch, aus denen passende Informationen herausgesucht werden können. Die meisten Punkte sollten jedem Spieler offensichtlich sein, aber ein paar, wie zum Beispiel eine Liste mit Jung’schen Archetypen, sind ungewöhnlich. Für mich persönlich stellt diese Zweidimensionalität der Charaktere bei Cthulhu nicht unbedingt einen Nachteil dar (in Lovecrafts Geschichten waren die Protagonisten auch immer „papierdünn“), aber wen das stört, der wird hier viele nützliche Tipps finden.
"Geister- und Aurofotografie" stellten eine Kuriosität der ausgegenden 19. Jahrhunderts (und darüber hinaus) im Zuge des allgemeinen Okkultismuswahns dar. Der gleichnamige Artikel beschreibt dieses Phänomen anhand von fiktiven Auszügen der Schriften des „Großvaters des Autors“ und einiger ebenfalls fiktiver Zeitungsartikel. Die reiche Bebilderung der Cthuloiden Welten kommt hier besonders zum Zuge, denn der Artikel enthält eine Unmenge an passenden Fotografien, die als Beispiel dienen und gegebenenfalls als Handouts benutzt werden können.
Noch ein wenig Historie mehr gibt es in einem Artikel, der sich mit dem Leben und den Schriften "Franz Kafkas" auseinandersetzt. Auch er wird in knappen Worten gehalten und enthält neben einem Satz Spieldaten auch noch zwei Abenteuerideen.
Zusätzlich zu diesen Themen findet der Leser noch ein Interview mit Charlie Krank und Lynn Willis von Chaosium (dem amerikanischen Cthulhu-Herausgeber), einen Artikel, der Cthulhu-Produkte beschreibt, die nicht in den 1920ern angesiedelt sind, einen Artikel über das Verfassen eines Szenarios und was man dabei vermeiden sollte und einige Web-Tipps.
Fazit: Gut produziert, exzellent bebildert und interessant zu lesen. Für mich ist die Cthuloide Welten 3 die bisher interessanteste Ausgabe des Magazins. Hoffentlich kann das Niveau gehalten werden.