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Cthulhu abseits
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Rezensionen

Cthulhu Spieler-Handbuch

[ Die Rezension vom Spielleiter-Handbuch befindet sich hier. ]

Vorbemerkung: Diese Rezension bezieht sich hauptsächlich auf die Unterschiede zwischen der alten Auflage von Cthulhu und der Neuen. Wer das Pech haben sollte Cthulhu noch gar nicht zu kennen, der sei auf die Homepage des Verlages Pegasus Press verwiesen. Dort befindet sich Cthulhu für Einsteiger, eine pdf-Datei, die die wichtigsten Regeln und ein Abenteuer für das klassische Rollenspiel enthält. Die Regeln beziehen sich zwar auf die alte Auflage, da aber nur sehr wenig verändert, sondern hauptsächlich erweitert wurde, ist der Text trotzdem voll funktionsfähig. Cthulhu zeichnet sich durch einfache Regeln und ein gutes Spielprinzip aus. Für viele ist es das beste Horror-Rollenspiel auf dem Markt. Für viele andere ist es sogar das beste Rollenspiel überhaupt – und das seit über zwanzig Jahren.

Es kam wie ein kleiner Schock: Cthulhu gibt es ab sofort nicht mehr als schönes einzelnes dickes Buch, sondern ist aufgeteilt in zwei Bücher, ein Spieler- und ein Spielleiter-Handbuch. Damit hat sich ein großes Kaufargument in Luft aufgelöst; es ist nicht mehr möglich mit einem Buch alles zusammen zu haben, was man zum Spielen benötigt.

Andererseits: Die Anregung ein Spieler-Handbuch herauszubringen kam aus Fankreisen. Einige Spieler hatten sich beschwert, dass ihr Spielleiter ihnen verbot das Regelbuch zu kaufen. Das ist sicher ärgerlich, wenn man gern das Regelbuch des Spiels besitzen möchte, das man gerade spielt, doch die Gründe für das Verbot sind einleuchtend. Es ist wohl kaum zu erwarten, dass die Spieler, die das Buch in der Hand halten, nicht auch die Informationen lesen, die eigentlich für den Spielleiter bestimmt sind, und einem Horror-Rollenspiel ist es niemals zuträglich, wenn die Spieler sowohl Hintergrund als auch Monster kennen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet macht die Aufspaltung in Spieler- und Spielleiter-Handbuch gleich viel mehr Sinn.
Als also feststand, dass bald wieder neu gedruckt werden muss, weil das Grundregelwerk fast ausverkauft war, entstand die Idee, die Regeln in zwei Bücher aufzuteilen.

Das Spieler-Handbuch hat 224 Seiten und ein neues Design. Das Cover sieht jetzt mehr wie ein altes Buch aus (sehr gelungen) und der Rahmen der Seiten gibt nicht mehr den Anschein als wäre er verbrannt, sondern eher als wäre altes Pergament gebröckelt (kein großer Unterschied). Sonst hat sich aber am Aussehen wenig geändert. Es sind immer noch viele Fotos zu finden. Zeichnungen gibt es wenige, sie sind dafür aber recht gut.

Inhaltlich hat sich eine ganze Menge getan. Alles, was mit dem Mythos in Zusammenhang steht, wurde aus dem Buch verbannt und der Rest nicht unerheblich erweitert. Ein Blick auf die Zusammenfassung der Neuerungen liest sich als wäre das Buch Amerika – In Städten und Wäldern mit dem ursprünglichen Spieler-Abschnitt des alten Regelbuchs verschmolzen und um einige andere Kapitel erweitert worden.

Die Regeln haben sich fast gar nicht geändert, sie wurden nur erweitert und an manchen Punkten wurden Fehler ausgemerzt. Die meisten Änderungen sind allerdings eher kosmetisch, so wurde jetzt Autofahren z. B. in Fahren (Auto) umgewandelt, damit es besser in die Reihe mit den anderen Fahren-Fertigkeiten passt. Ein paar andere Veränderungen sind zusätzlich hier und da eingestreut worden, laufen aber Gefahr unterzugehen. Zum Glück gibt es ganz am Anfang eine Doppelseite, die alle Änderungen auflistet.

Erweiterungen gibt es dafür in Massen: Ein Kapitel über die zwanziger Jahre (mit Informationen über Deutschland und Amerika) gibt einen Einblick in die wichtigste Epoche für Cthulhu – ein Kapitel, das schon lange überfällig war, wissen doch die wenigsten Cthulhu-Neulinge viel über diese Zeit.

Die Charaktererschaffung beschäftigt sich ab sofort nicht nur mit den blanken Zahlen, sondern versucht diese mit Leben zu füllen. So werden Tipps und Tabellen gegeben, die den Spieler dabei unterstützen sollen, nicht nur „den Reporter“ oder „den Professor“ zu spielen, sondern dem Charakter ein wenig Leben einzuhauchen. Auch wenn mich viele „gute Rollenspieler“ wahrscheinlich dafür hassen werden: Ich persönlich finde diese Idee nur mäßig sinnvoll. Ein großer Vorteil von Cthulhu ist, dass dem gerade laufenden Abenteuer keine Details in den Weg gestellt werden, die den Ablauf behindern könnten. Wir nehmen die Geschichte zwar durch die Augen unseres Charakters wahr, aber der Charakter selbst ist (wie in Lovecrafts Geschichten) eher unwichtig. Zu viel Hintergrund dürfte in den meisten Fällen eher stören als nützen. Auch erscheinen einige der optionalen Tabellen etwas unnötig: In einer von ihnen kann man auswürfeln, dass der Charakter große Ohrläppchen hat. Na denn …

Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Leute anderer Meinung sein werden und diesen Abschnitt sehr mögen (die meisten Tabellen haben ja schon ihren Sinn) und deshalb ist dieses Kapitel sicherlich sinnvoll.

Sehr erweitert wurde auch die Liste an möglichen Berufen, sie wurden mit längeren Beschreibungen versehen, und es wurden immer wieder berühmte Beispiele (wie z. B. Ernest Hemingway für den Beruf des Schriftstellers) eingestreut. Die Berufe sind fast alle aus dem Amerika-Band bekannt, wurden allerdings für ein Spiel in Deutschland ergänzt.

Die Ausrüstungs- und Waffenlisten wurden erweitert und teilweise anders organisiert, und auch die Kampfregeln wurden erweitert. Außerdem gibt es neuerdings ein kurzes Solo-Abenteuer, um die Regeln und die Stimmung des Spiels ohne lange Vorbereitungen kennen lernen zu können. Ich kann nur hoffen, dass Pegasus das Solo-Abenteuer zum Download anbieten wird, denn zusätzlich zu den oben erwähnten Einsteigerregeln gäbe es wahrscheinlich keine bessere Möglichkeit, um Cthulhu kennen und lieben zu lernen.

Die Frage, ob ein alter Fan das Buch kaufen sollte, ist nur schwer zu beantworten. In diesem Punkt werden die Meinungen sehr auseinander gehen. Brauchen wird man es nicht unbedingt – besonders dann nicht, wenn man den Amerika-Band besitzt. Aber es ist ein wirklich ausgezeichnetes Buch und gibt viele sinnvolle Erweiterungen. Und alle Spieler, die endlich auch mal ein Regelbuch besitzen wollen, haben jetzt die Gelegenheit dazu.

Fazit: Das Buch hat mich überzeugt. Hier findet der Spieler alles, was er zum Spielen benötigt und noch einiges mehr. Und das zu einem Preis, der bei Rollenspielprodukten als absolutes Sonderangebot gelten muss. Die fünf (von fünf) Sterne hat sich das Buch echt verdient.