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Rezensionen
Cthulhu Dark Ages
Cthulhu Dark Ages ist ein vollständiges Rollenspiel, das den Cthulhu-Mythos ins Mittelalter, genauer gesagt in die Zeit um 1000 AD, verlegt.
Das Buch war ursprünglich ein Internetprojekt. Ein Fan des Rollenspiels Cthulhu hatte es sich zum Ziel gemacht, den Cthulhu-Mythos ins Mittelalter zu verlegen. Er hat Ergänzungen zum Regelwerk verfasst, Artikel über den Hintergrund geschrieben und das Ganze im pdf-Format ins Netz gestellt. Die deutsche Cthulhu-Redaktion ist darauf gestoßen und hat die gelungenen Texte übersetzt, erweitert, überarbeitet und als Cthulhu 1000 AD auf den Markt gebracht. Auf diesem Wege ist Chaosium auf das Projekt aufmerksam geworden und hat es nun in der Originalsprache veröffentlicht (die Dateien sind schon lange aus dem Netz entfernt worden, jetzt befinden sich „nur“ noch Errata, Abenteuer und andere Ergänzungen auf der Homepage des Autoren).
Optisch ist das Buch recht gut gelungen – jedenfalls besser als die meisten anderen Veröffentlichungen von Chaosium der letzten Zeit. Das Coverbild ist das gleiche wie in der deutschen Ausgabe und auch das Innenlayout ist dem der deutschen Cthulhu-Veröffentlichungen ähnlich. Nur die Schriftart für die Überschriften wurde geändert, was ein gute Schritt war, wie ich finde, denn sie lässt sich besser lesen und hebt sich ein wenig von den anderen Produkten ab. Die Innenbebilderung ist von gemischter Qualität, aber auch sie ist besser als in älteren Chaosium-Produkten.
Ursprünglich war Cthulhu Dark Ages als Ergänzung zu Cthulhu gedacht gewesen. Dementsprechend boten die Texte nur Erweiterungen zu dem, was im Cthulhu-Regelbuch zu finden war. Chaosium hat beschlossen das Buch als vollständiges Regelwerk zu veröffentlichen und hat die Texte um einige wichtige Monster und die Grundregeln ergänzt (viel mehr aber leider auch nicht).
Der Regelteil bildet auch gleich den Anfang des Buches. Hier werden Charaktererschaffung, Kampf und Wahnsinn geklärt – ein Kapitel, das für den Cthulhu-Veteranen also keine Überraschungen bereithält. Ein paar Regeln wurden allerdings auf die mittelalterliche Situation angepasst. Das darauf folgende Hintergrundkapitel ist in viele kleine, gut verdauliche Happen unterteilt; wenn man es liest hat man den Eindruck in einem Bericht über das Leben im Mittelalter herumzuschmökern, Länder werden ganz grob angerissen, ein normales Mittagessen eines Adligen wird beschrieben, genauso wie die Kleidung eines Bauern. Mehr als ein kleiner Eindruck ist es leider nicht, denn die Informationen sind wegen des begrenzten Platzes im Buch etwas knapp bemessen. Will man wirklich in der Zeit spielen und legt wert auf ein wenig Authentizität, dann wird man nicht auf eigene Nachforschungen verzichten können. Mit Hilfe des Internets sollte das allerdings kein Problem sein. Und die gegebenen Informationen sollten reichen, um erst einmal losspielen zu können.
Nach einem sehr kurzen Abriss über den Cthulhu-Mythos wird die Magie der Welt unter die Lupe genommen. Die typische cthuloide Magie wird um andere okkulte Zauber und den „Limbus“, eine Existenzebene, in der Yog-Sothoth haust, erweitert. Neben der Liste der Zaubersprüche, den Regeln und den alten Büchern findet man noch zwei oder drei kleine Tipps, wie man Magie im Spiel darstellen soll.
Das Herz von Cthulhu bilden aber immer noch die monströsen Wesenheiten des Mythos, die im nächsten Kapitel beschrieben werden. Hier werden nicht nur ein paar altbekannte Mythos-Monster aus mittelalterlicher Sicht beschrieben, sondern der Autor geht auch auf Fabelwesen wie Drachen und Vampire (sogar Engel) ein. Ein sehr schönes Kapitel, das aber ein wenig mehr Sorgfalt verdient hätte. Die Liste der Wesen, die der Autor in seiner ursprünglichen Ergänzung aufgestellt hat, wurde zwar um ein paar typische Monster des Cthulhu-Mythos erweitert, aber leider reichen diese Erweiterungen bei weitem nicht aus, um das Buch zu einem wirklich kompletten Regelwerk zu machen. So werden z. B. nur sehr wenige Götter beschrieben; Cthulhu selbst ist auch nicht aufgeführt, und das obwohl seine „Kinder“ – das Sternengezücht Cthulhus – erwähnt und beschrieben werden. Auch dieses Kapitel sollte genügen, um erst einmal loszuspielen, will man aber größer in das System und die Welt einsteigen, dann kommt man um die normalen Cthulhu-Regeln wohl nicht herum.
Den Abschluss des Buches bildet ein sehr gelungenes und langes Abenteuer. Nur der Schluss erscheint mir etwas unvorteilhaft, aber die ausgezeichnete paranoide Stimmung der restlichen Geschichte gleicht das wieder aus.
Die Idee Cthulhu im Mittelalter anzusiedeln wurde insgesamt ziemlich gut umgesetzt und sollte eine recht breite Masse an Rollenspielern ansprechen. Cthulhu-Fans können mal ein anderes Setting ausprobieren und Fantasy-Spieler können einmal sehr dunkle Fantasy spielen.
Der deutschsprachige Besitzer eines Cthulhu-Regelwerks wird allerdings kaum Argumente finden, warum er auf das englische Buch und nicht die preisgünstigere deutsche Ausgabe zurückgreifen sollte. Die Erweiterungen sind minimal (es wurden allerdings die Informationen aus einem ergänzenden Artikel aus der Cthuloiden Welten integriert). Wer Cthulhu noch nicht kennt, sollte ruhig zugreifen, das Buch bietet einen sehr guten, wenn auch nicht völlig vollständigen Einstieg in das Thema.
Fazit: Das Buch kann trotz kleiner Mängel empfohlen werden. Es bietet einen guten Einstieg in das Thema Cthulhu im Mittelalter. Es ist eine etwas teurere Alternative zu Cthulhu 1000 AD, die (fast) alles enthält, das man zum Losspielen braucht. Eine Punktevergabe ist schwierig, besonders weil ich nicht ganz unbefangen bin, ich habe ja an der deutschen Ausgabe mitübersetzt. Als "vollständiges Regelwerk" bekommt Cthulhu Dark Ages dreieinhalb, als Ergänzung zum normalen Regelwerk vier von fünf Sternen.
[ Cthulhu Dark Ages, Chaosium, Englisch, Softcover, 173 Seiten ]
[ Cthulhu 1000 AD, Pegasus Press, Deutsch, Softcover, 114 Seiten ]