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Rezensionen
Bleicher Mond
[ Cthulhu: Bleicher Mond von Marcus Rowland und Steffen Schütte, Pegasus Spiele, Sprache: Deutsch, Softcover, 96 Seiten, € 14,95, Rezension vom 03.06.05 ]
Der neuste Band der Reihe Cthuloide Welten Bibliothek enthält zwei Abenteuer auf 96 Seiten. Das titelgebende Szenario " Bleicher Mond" ist gewissermaßen ein kleines Bonbon für langjährige Cthulhufans. Es wurde vor vielen Jahren von Chaosium veröffentlicht, und von Laurin, als der kleine Verlag noch existierte, übersetzt. "Bleicher Mond" hat es aber nie in die Regale der Fantasyläden geschafft, da Laurin leider viel zu früh das Zeitliche gesegnet und damit eine lange Zeit der Cthulhu-Dürre in Deutschland eingeleitet hatte. Doch zum Glück arbeiten einige ehemaligen Laurinmitarbeiter heute wieder für Cthulhu und so fand der deutsche Text seinen Weg zur Cthulhu-Redaktion, die beschlossen hat das Abenteuer nun doch noch zu veröffentlichen. Es wäre auch schade um das ungewöhnliche Werk gewesen.
Doch zunächst zum Aussehen des Bandes. Das Cover ist etwas anders als gewohnt aber sehr passend und stimmungsvoll. Mir gefällt es jedenfalls, obwohl es aus ein wenig Entfernung besser aussieht als aus der Nähe. Die Innengestaltung ist gewohnte Qualität mit vielen zeitgenössischen Fotos und diesmal auch relativ vielen Zeichnungen. Besonders zu erwähnen sind diesmal die Karten, die in ungewöhnlich hoher Konzentration auftreten. Kim Schneider ist für die optische Gestaltung des Abenteuers " Bleicher Mond" verantwortlich und hat ganze Arbeit geleistet. Karten spielen eine wichtige Rolle, da der Hauptteil der Geschichte eine Erforschung ist (mehr dazu weiter unten) und diese sind nicht nur übersichtlich, sondern auch noch hübsch anzusehen. Großes Lob, denn sie sollten nicht unerheblich zum Spielspaß beitragen. Alle Karten - immerhin sieben DIN-A-4-Seiten - sind noch einmal ohne Nummerierung am Ende des Abenteuers gesammelt, damit sie für die Spieler kopiert werden können.
"Bleicher Mond" entstammt der Feder von Marcus Rowland, der bisher hauptsächlich durch seine fantastische Reihe an Steampunk-Rollenspielen " Forgotten Futures" aufgefallen ist (die Reihe besteht inzwischen aus neun Teilen, ist Shareware und unter www.forgottenfutures.co.uk zu finden). Auch bei " Bleicher Mond" merkt man seine Vorliebe für "Steampunk". Die Charaktere werden bei einer Mond-Expedition dabei sein und in umgerüsteten Tauchanzügen die Oberfläche des Mondes erforschen.
Der Hauptteil des Abenteuers spielt auf der Oberfläche des Mondes selbst, wo die Charaktere ungewöhnliche Dinge entdecken werden und wo sich die vielen Karten als sehr nützlich erweisen. Was sie entdecken, wird ihnen die Augen über Dinge öffnen, die für Menschenaugen eigentlich nicht bestimmt sein sollten - jedoch auf andere Weise als der Leser jetzt vielleicht vermuten mag. Tentakelschwingende Monster sind nicht die Hauptentdeckung, so viel kann wohl verraten werden.
Dieses ungewöhnliche Ende von "Bleicher Mond" ist dabei vielleicht auch gleichzeitig sein größter Schwachpunkt. Ist erstmal ein bestimmter Punkt erreicht, werden die Spieler mehr oder weniger zu Zuschauern degradiert. Zwar haben sie durchaus noch ein paar Dinge zu tun, werden aber eher verwirrt umhertappen als wirklich etwas beeinflussen. Außerdem ist das Ende derart epischer Natur, dass zumindest für diese Charaktere nie wieder ein Spiel so sein wird wie früher. Aber es lohnt sich. Was die Charaktere am Ende erleben, rechtfertigt fast jedes Hindernis.
"König! Reich! Unten!", so der Titel des zweiten, kürzeren Abenteuers von Steffen Schütte (einer der besagten Veteranen aus Laurin-Zeiten), ist wieder etwas "normaler". Thematisch hat es nichts mit "Bleicher Mond" zu tun. Wenn die Handlung auch in gewohnteren Bahnen läuft - es gibt Nachforschungen, unheimliche und zunächst unsichtbare Gegner, die Verquickung von Historie und Erfindung und ein gefährliches Showdown - so ist der Gegner eher ungewöhnlich. Mehr kann an dieser Stelle nicht verraten werden, ohne die Pointe des Abenteuer vorweg zu nehmen, aber wer den Gegner herausgefunden hat - ob nun als Spieler oder nach der Lektüre des Buches - kann ja spaßeshalber mal in der Wikipedia.de nachschlagen, ob er ihn dort findet.
Wer andere Abenteuer von Schütte gelesen hat, wird unzweifelhaft seinen Stil wieder erkennen. Seine neuere Tendenz, seine Abenteuer etwas actionlastiger zu präsentieren, hat er beibehalten. Der Auftakt der Geschichte findet in einem Bahnabteil statt. Ein Mann hängt sich plötzlich von außen an die Scheibe und brüllt einige unheilverkündenden Worte (wiederzufinden im Titel des Abenteuers), bevor er von einem Mast zu blutigem Brei geschlagen wird. Die Nachforschungen, was diese abgehackten Worte bedeuten mögen, führen die Charaktere in eine Geschichte, in der sie es mit Gegnern zu tun bekommen, die den Charakteren aus dem Hintergrund agierend nach dem Leben trachten. Ihre Nachforschungen führen sie hoffentlich schließlich zu ihrem eigentlichen Gegner, der für ein sehr spannendes Showdown schon bereitsteht. Die detektivische Arbeit ist immer wieder durch spannende Szenen aufgelockert und natürlich geizt Schütte auch diesmal nicht mit gut in den Hintergrund eingebundenen NSCs.
Fazit: "Bleicher Mond" bietet zwei gute Abenteuer, die gruselige Unterhaltung versprechen, wie man sie sich von Cthulhu wünscht. Das Titelabenteuer eröffnet den Spielern nach einer Ortserkundung und einem sehr ungewöhnlichen Schluss mal einen ganz anderen Blick auf das Cthulhu-Universum. Das zweite Abenteuer bietet im Gegensatz dazu eher klassischen Gruselspaß, in den einige Action eingestreut wurde.