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Cthulhu abseits
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Rezensionen

Aus Äonen

Aus Äonen ist der neuste Band aus der Reihe Cthuloide Welten Bibliothek. Er enthält fünf Abenteuer aus unterschiedlichen Epochen und einen längeren Artikel.

Graphisch ordnet sich Aus Äonen nahtlos in die Reihe der Cthulhu-Publikationen der letzten Jahre ein, was bedeutet: überaus ansprechend, anschauliche und ansehnliche Karten und viele stimmungsvolle Bilder. Viele der Bilder sind diesmal allerdings keine Fotografien, sondern Zeichnungen größtenteils guter Qualität.

Der Blutsauger von Schwarzbrunn bildet den Auftakt des 172-seitigen Buches. Das Thema ist so klassisch wie es beliebt ist: Morde in einem mittelalterlichen Kloster im Winter. Es kann gar nicht anders sein: Das Abenteuer erinnert an Der Name der Rose, für Stimmung und Grusel ist also schon mal gesorgt. Die Geschichte entspinnt sich sehr klassisch. Es gibt Hinweise zu verfolgen, es gibt Leichen zu finden und sogar eine unheimliche Gestalt zu beobachten. Ab und zu hakt die Story ein wenig, und es gibt meiner Meinung nach für die relativ lange Zeit, die die Charaktere bis zum Showdown im Kloster bleiben müssen, nicht wirklich viel zu tun. Doch insgesamt ist das Abenteuer schlüssig und sollte die Spieler unterhalten – das Ambiente tut dann den Rest. Trotz Kloster hinterlässt die Geschichte bei mir allerdings den Eindruck eines Fantasy-Abenteuers, jedenfalls sollte es problemlos in ein solches umwandelbar sein. Nicht unbedingt das Highlight des Buches, aber durchaus gelungen.

Auch das nächste Abenteuer mit dem Titel Garten der Lüste kann mit den Regeln von Cthulhu 1000 AD gespielt werden, auch wenn es ein paar Hundert Jahre in der Zukunft vom Blutsauger spielt. Die Zeit: 1597. Der Ort: das kleine Dorf Albergue in Spanien. Die Spieler: Spanische Inquisition. In Albergue soll eine Jungfrau schwanger sein, ein Zustand, der die Inquisition natürlich maßlos interessiert. Also schickt sie die Charaktere zu Nachforschungen in das Dorf, wo sie auf Gewalt, gegenseitige Beschuldigungen, eine schwangere Jungfrau und am Ende noch mehr Gewalt treffen. Im Gegensatz zu allen anderen Abenteuern in dem Band, ist Garten der Lüste relativ nachforschungsarm. Stattdessen passieren laufend Dinge, auf die die Spieler reagieren müssen (viel Zeit für Nachforschungen bleibt also nicht). Dementsprechend präsentieren sich auch Ende und Auflösung. Ob die Spieler überleben und sich einen Reim auf die Geschehnisse machen können, steht also in den Sternen. Die Rolle eines Inquisitors ist ungewöhnlich und fordernd, was sicher einer der Hauptgründe für den Erfolg des Abenteuers darstellt. Garten der Lüste ist eine ausgesprochen gruselige Geschichte, die am Ende wahrscheinlich ziemlich blutig verlaufen wird.

Von Visionen und Träumen wird das Abenteuer Die Zeit der dunklen Träume beherrscht, das in den 1890ern in Paris spielt. Eine sehr stimmungsvolle Szenerie mit einer Seuche, einem erlesenen Club und einer Entführung tut sich vor den Spielern auf (mit den vielen Träumen und dem Club, in dem sich die Highsociety trifft, um Drogen zu konsumieren, erinnert mich das Abenteuer stimmungsmäßig an den Film Eyes Wide Shut, auch wenn sonst wenig Gemeinsamkeiten bestehen), doch leider konzentriert sich die Handlung viel zu sehr auf einen einzelnen Charakter. Die anderen Spielfiguren werden zu Statisten degradiert. Selbst am Showdown, das sich gut lesen, aber nur sehr schwer spielen lässt, können sie nur als Zuschauer teilnehmen. Viele Details und eine gutes Gefühl für Stimmung machen das Abenteuer interessant zu lesen, doch es bleibt fraglich, ob sich eine Gruppe finden lässt, die mit dem Ergebnis „Einer ist der Macher, der Rest schaut zu“ zufrieden ist.

Reise zur anderen Seite ist ein Hintergrundartikel zum Abenteuer Fairy Tales. Er setzt sich mit den Faeries der keltischen Sagenwelt, bzw. Shakespeares Version derselben, auseinander. Er versetzt die Sidhe, die Tuatha de Danann und den Amadan-na-Broina gekonnt in den Mythos. Einen Artikel dieser Art war es, den ich im Band Kleine Völker erwartet hätte, der ja auch die Feen- und Koboldsagen zum Thema hatte. Im Abenteuer geht es um verschwundene Kinder, um Kinder, die nicht sind, was sie zu sein scheinen und um eine Reise in die Anderswelt. Es ist abwechslungsreich und interessant, treibt aber das Prinzip Deus Ex Machina auf die Spitze: Immer wieder treffen die Charaktere auf Personen und Situationen, die sie nicht nur einen, sondern gleich ein ganzes Duzend Schritte weiterbringen und auch im Showdown sind sie nicht nur auf bestimmte Zauber sondern auch noch auf bestimmte Gegenstände angewiesen. Aber besonders die keltische Sagenwelt, mit der sich die Spieler über kurz oder lang auseinandersetzen müssen, lässt es zu einem ungewöhnlichen und spannenden Erlebnis werden.

Das Buch hat mit einem klassischen Thema seinen Anfang genommen und mit einem ebensolchen Thema schließt es: Diesmal geht es ins All zu den Aliens und den leeren Geister(raum)schiffen, wie sie aus Event Horizon, Odyssee 2001 oder auch Das schwarze Loch von Disney bekannt sind. Die Charaktere erwachen aus einem Kälteschlaf. Als sie eingefroren wurden, war ihr Auftrag so geheim, dass ihnen nur mitgeteilt wurde, dass sie Ersatzmannschaft in einer Rettungsmission sind, und nun erwachen sie, und stolpern durch das (fast) leere Schiff auf der Suche nach Antworten – und die monotone Stimme des intelligenten Schiffes verfolgt sie überall hin. Hintergrund und Ideen des Abenteuers treffen genau meinen Geschmack. Sämtliche schaurige Details (viele erinnern an den Film Event Horizon) sind über die Vorgeschichte begründet, welche nach und nach von den Spielern aufgedeckt werden wird. An einigen Stellen wird es zwar ein wenig unwahrscheinlich, aber im Spielgeschehen sollte das nur wenig auffallen. Die Handlung selbst gestaltet sich als Space-Dungeon, aber wen ein „Erkunde-das-Schiff“-Plot nicht stört, der wird auf seine Kosten kommen.

Fazit: Wer Hinter den Schleiern mochte, der wird Aus Äonen lieben. Die Abenteuerauswahl ist sogar noch ungewöhnlicher und von kleinen Schwächen einmal abgesehen absolut gelungen. Ein Muss für jeden, der eine Abwechslung im Kampagneneinerlei sucht.

[ Aus Äonen, Pegasus Press, 172 Seiten, Softcover, € 16,95, Deutsch ]