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Rezensionen
H. P. Lovecraft’s Arkham
Arkham ist das zweite in einer Reihe von neu aufgelegten Büchern, die einige der wichtigsten Orte aus Lovecrafts Geschichten beschreiben und mit Abenteuern versehen. Die Neuauflagen sind mit neuem Layout versehen und beinhalten zusätzlich zu den alten Informationen die Spielwerte für das d20-System – die alten Spielwerte werden (zum Glück) zusätzlich beibehalten. Auf diese Weise unterstützt Chaosium Call of Cthulhu d20, ohne dabei die alte Fangemeinde zu vernachlässigen.
In Aufbau und Ausführung unterscheidet sich Arkham nicht von seinem Vorgänger Dunwich: Nach ein paar einleitenden Worten findet der Leser eine Kurzgeschichte Lovecrafts, darauf folgen einige allgemeine Informationen, wie das Wetter Arkhams und Anreisemöglichkeiten, neben Tatsachen über Verbrechen, Clubs und natürlich über die Miskatonic University. Nach ein paar Seiten mit Beschreibung der Geschichte Arkhams (einschließlich Zeittafel) folgt der Hauptteil des Buches: die Auflistung einzelner Örtlichkeiten und deren Bewohner. Zu guter Letzt gibt es vier Abenteuer und diverse Anhänge mit Spieldaten und Sonderregeln für Cthulhu d20. Sehr schön sind zusätzlich zwei heraustrennbare Handouts. Vorn im Buch findet man eine Ausgabe des Arkham Advertisers, einer der beiden Zeitungen Arkhams (wobei deutsche Spieler auch auf eine der deutschsprachigen Ausgaben von der Internetseite www.arkham-advertiser.de zurückgreifen können), und am Ende eine Karte der Ortschaft. Die Karte ist übersichtlicher als das entsprechende Gegenstück von Dunwich – nicht viel übersichtlicher, aber immerhin …
Auch die Beschreibungen der einzelnen Häuser sind genau so wie in Dunwich. Der Ort ist in einzelne Viertel unterteilt. Jedes Viertel erhält ein eigenes Kapitel mit Kartenausschnitt und den jeweiligen Beschreibungen. Bei der Masse an gelieferter Information leidet leider die Übersichtlichkeit. Es gibt ein paar Listen, die eine Suche nach einem bestimmten Haus vereinfachen, aber in Endeffekt bleibt dem Spielleiter nichts anderes übrig als sich die Listeneinträge der Reihe nach durchzulesen und sich das Interessanteste zu merken. Als einfaches Nachschlagewerk ist das Buch nicht sonderlich gut geeignet.
Auch wenn das Buch Dunwich zunächst sehr ähneln scheint,
ist es doch unterschiedlicher als man glaubt. Während Dunwich einen Kampagnenhintergrund
mit eigenen Geheimnissen und eigenen Zielen, Rätseln und Mythoshintergrund
darstellt, ist Arkham viel mehr das Quellenbuch, das man erwartet, wenn man
eine Stadtbeschreibung kauft. Es bildet die Kulisse für viele Geschichten,
ist dabei aber allgemeiner gehalten als sein Vorgänger. Natürlich
sind die Übergänge fließend. Auch auf den Seiten von Arkham
stehen viele Ideen für Abenteuer, die ganz speziell für diese Stadt
bestimmt sind (besonders, wenn man bedenkt wie viel Material Lovecraft über
die Stadt liefert) und genauso ist es in Dunwich möglich, Abenteuer zu
erleben, die nicht speziell auf den Hintergrund des Ortes zugeschnitten sind,
aber der Schwerpunkt ist jeweils anders gesetzt.
Das spiegelt sich auch in den Abenteuern wider, die im Buch zu finden sind.
Alle Vier sind abgeschlossene Abenteuer mit eigenem Hintergrund, die größtenteils
auch in einem anderen Ort spielen könnten.
Das Erste, The Books of Uncle Silas, ist wie auch das zweite, The Hills Rise Wild, sind sehr frei gehalten und unterscheiden sich angenehm von neueren Abenteuern. Die Charaktere werden in beiden Szenarien mit einer gefährlichen Situation konfrontiert, für die sie eine direkte Lösung finden müssen. Die Handlung hängt sehr stark davon ab, was die Charaktere tun und was der Spielleiter gerade für dramatisch sinnvoll hält. Handlungsvorgaben werden nur beispielhaft gemacht. Das bedeutet allerdings auch, dass die Geschichten wenig geeignet für Anfänger sind.
Das dritte Szenario (The Condemned) bietet einen wesentlich gewohnteren Plot. Es gilt eine Mordserie aufzuklären, bei der der Mörder seine Leichen mit aufsteigenden Nummern versieht, sie also ganz offensichtlich durchzählt. Insgesamt ein schönes Abenteuer mit Detektivteil und spannendem Showdown.
The Dead of Night, das letzte Abenteuer, ist wieder etwas freier. Die Charaktere sollen überprüfen, ob bei einer Erbschaft etwas unterschlagen wurde. Die Untersuchung des Hauses des Verstorbenen führt zu einer erschreckenden Entdeckung, die die Charaktere auf die Spur eines alten Übels bringt, das es zu beseitigen gilt.
Das Layout ist immer noch das Gleiche wie bei den deutschen Pegasus-Produkten, nur ist bei diesem Band die Bebilderung, die diesmal ausnahmslos aus computergenerierten 3D-Bildern besteht, ziemlich misslungen. Teilweise sind die Bilder ganz ansehnlich, aber im Großen und Ganzen wird die Stimmung der Beschreibungen von den Computerbildern zerstört – ganz besonders bei den Passbildern der wichtigen Figuren Arkhams.
Man kann sich sicher darüber streiten, ob in einem Rollenspiel wie Cthulhu solche Quellenbände wirklich nötig sind, aber Arkham ist trotzdem eine Bereicherung für jede Sammlung – besonders, wenn man bedenkt wie oft die Miskatonic University in anderen Büchern erwähnt wird.
Fazit: Arkham ist ein gelungenes Quellenbuch, das mit vier guten Abenteuern abgerundet ist. Die Übersichtlichkeit der Stadtbeschreibung lässt zwar etwas zu wünschen übrig, das lässt sich bei einem Band wie diesem allerdings kaum vermeiden. Das Buch ist durchaus sein Geld wert.