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Rezensionen
Another Fine Mess
An Animal Companions Adventure
Auf der Suche nach neuen Ideen sind inzwischen viele ungewöhnliche Wege gegangen worden, es gibt Voodoo im Wilden Westen; Rollenspiele, in denen man Kinder spielt oder gottähnliche Wesen verkörpert, die bestimmte Aspekte der Welt beherrschen; es gibt fast jede Art von Monster und jede Art von Spielerfigur. Another Fine Mess steckt die Charaktere in Rollen, in denen sie sich höchstwahrscheinlich noch nie befunden haben: sie spielen die Tiere von einem Magier. Der Meister hat sich aufgemacht, einen Schwarzmagier in seinem Versteck zu stellen und seine Tiere am Lagerplatz zurückgelassen.
Insgesamt stehen den Spielern acht vorgefertigte Charaktere zur Verfügung, u. a. Shadow, der Kater, Midnight, das Pferd, Anaxagoras, die Eule und mein persönlicher Favorit Isabelle der alternde und sture Bluthund. Die Autorin hat darauf geachtet, dass die ganze Palette an Möglichkeiten abgedeckt ist, es gibt Tiere für die Feinarbeit, wie Bandit, den Waschbären, aber auch Vögel, zwei Hunde mit gutem Geruchssinn zur Spurenverfolgung und das Pferd für die Grobarbeit.
Die Idee Tiere im Rollenspiel zu verkörpern ist zwar nicht neu, aber bisher nicht sehr häufig umgesetzt worden. Das einzige mir bekannte Rollenspielprodukt, das sich ausschließlich mit diesem Thema befasst, ist GURPS Bunnies and Burrows.
Auf den 32 Seiten des Abenteuers werden die Tiere von ihrem Herren gerufen. Eine telepathische Nachricht, die Shadow erhält, deutet an, dass er sich in Gefahr befindet und sie ihn retten müssen. Die Geschichte des Abenteuers ist als solches recht simpel: die Tiere müssen in das unterirdische Lager des Schwarzmagiers eindringen und ihren Herren befreien. Der Handlungsablauf gestaltet sich von diesem Punkt an ziemlich gradlinig mit Gegnern, die es zu umgehen und zu bekämpfen gilt, mit Rätseln, Gängen und Türen. Der Spaß des Abenteuers entsteht aus den ungewöhnlichen Problemen, denen sich Tiere ausgesetzt sehen. Schon eine verschlossene Tür erfordert ein wenig Teamwork und Überlegung. Die Gegner der Charaktere sind interessante Wesen, die sehr gut ins Thema passen und nicht nur die Muskelkraft fordern. Wie auch schon bei der Auswahl der Charaktere hat die Autorin auch bei den Problemen, denen sie sich stellen müssen, eine breit gefächerte Auswahl zwischen Kampf, Rollenspiel und „Rätsellösen“ gefunden. Zusätzlich ist die Handlung erfreulich „rund“, im ganzen Abenteuer habe ich keine Szene gefunden, die den Eindruck macht, nur um des Rätsels/Gegners wegen eingebaut worden zu sein.
Another Fine Mess ist für das Rollenspiel FUDGE. Für alle, die keine Lust oder Gelegenheit haben die vollständigen Regeln aus dem Internet herunterzuladen, enthält das Heft ein 5-seitiges Kapitel mit allen Regeln, die zum Spiel nötig sind. FUDGE ist ein sehr freies Spiel, das Improvisation fördert und viele verschiedene Stufen von Komplexität aufweisen kann, je nach Vorliebe der Spieler. Die hier enthaltenen Regeln sind aus Platzgründen natürlich sehr grob (auf spezielle Magieregeln wird zum Beispiel gar nicht eingegangen, stattdessen soll sich der Spielleiter voll auf sein Improvisationstalent verlassen und zusätzlich im Vorfeld einige magische Fertigkeiten bestimmen), sind für die Zwecke eines One-Shots wie das Vorliegende aber vollkommen ausreichend. Und zum Glück gibt es FUDGE ja wie gesagt online (www.fudgerpg.com). Eine weitere Seite des Heftes gibt Richtlinien für den Fall, dass jemand das Abenteuer in sein Lieblingssystem übertragen will; auch dieses wäre nicht schwer.
Das Cover und die Innengestaltung des Abenteuers sind weitgehend einfach und zweckmäßig gehalten. Die Zeichnungen sind, wie bei den meisten FUDGE-Produkten, sehr unterschiedlich, wobei die vielen verschiedenen Stile ein abgerundetes Gesamtbild verhindern. Wettgemacht wird dieses Manko aber durch sehr übersichtliche Karten und recht ansprechende Zeichnungen der Tiere auf den vorgefertigten Charakterbögen.
Fazit: Another Fine Mess kann als Abwechslung vom normalen Spielgeschehen fast uneingeschränkt empfohlen werden. Vielleicht finden die Spieler ja solch ein Gefallen an Shadow, Isabelle und den anderen, dass die Gruppe bestehen bleibt und noch durch weitere Abenteuer geschickt wird. Man sollte sich nur im Klaren sein, dass das Abenteuer keine komplizierten Herausforderungen stellen will, sondern eher ein wenig unterhaltsamen Spaß am Rande. Das gelingt aber recht gut.
[ Another Fine Mess von Ann Dupuis, 32 Seiten, Englisch, EUR 11.70 ]