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Rezensionen
Mind’s Eye Theatre: Anarch Guide
Als das Buch Anarch Guide für Vampire bei mir ankam, war ich zunächst leicht geschockt: Live-Rollenspiel. Ick! Ich hatte damit gerechnet, ein „normales“ Rollenspielbuch über die Anarchen bei Vampire zu bekommen. Mit Live-Rollenspiel hatte ich mich noch nie auseinandergesetzt. Und jetzt sollte ich auch noch eine Rezension darüber schreiben.
Dementsprechend skeptisch war ich auch, als ich das Buch aufschlug: 182 Seiten, Taschenbuchformat. Die wenigen Bilder sind alles Fotomontagen mit Leuten in Kostümen. Soweit also Standard. Als ich dann aber erstmal anfing zu lesen, wich die Skepsis recht schnell. Auch wenn man sich noch nie mit Live-Rollenspiel beschäftigt hat, ist das Buch interessant. Man möge mir aber bitte verzeihen, dass ich die folgende Besprechung aus der Sicht des Papier-und-Stift-Rollenspielers schreibe.
Es geht los mit dem Standard-Disclaimer, dass man sein Spiel doch bitte an Orten machen soll, wo niemand die Polizei ruft. Sehr amüsiert hat mich dann auch noch der Tipp, dass man, um jedem möglichen Ärger aus dem Weg zu gehen, alle Worte, die Waffen beschreiben mit „Bunny“ und alle Worte die mit töten, verletzten oder kämpfen zu tun haben, mit „hop“ ersetzen soll. Ruft jemand: „He’s got a gun, shoot him!“ dann kann das in der Öffentlichkeit schon mal zu Problemen führen. Ruft man stattdessen: „He’s got a bunny, hop him!“, ist das weniger problematisch. Der Hinweis ist sicherlich ganz normal für Fans des Mind’s Eye Theatres, ich fand es aber amüsant.
Kapitel eins erzählt uns eine kleine Geschichte des Anarchismus. Wenn man nicht schon alle anderen Vampirebücher auswendig kann, ist das Kapitel informativ und anschaulich. Jedenfalls ist es viel besser als alles, was im Anarch’s Cookbook stand, das ich vor vielen Jahren einmal gelesen habe.
Im zweiten Kapitel geht es um die Charaktererschaffung und die Eigenschaften eines Anarchen. Für den Live-Rollenspieler natürlich ein Muss, aber auch für andere Rollenspieler durchaus interessant. Hier werden die Disziplinen mal aus einer anderen persönlicheren Sicht beleuchtet.
Kapitel drei beschäftigt sich mit dem Leben der Anarchen, wo sie herkommen, was für Ziele sie haben und wie sie organisiert sind. Für mich was es das Highlight des Buches, denn dieses Kapitel kann praktisch ohne Einschränkung auch für das normale Rollenspiel eingesetzt werden.
Natürlich dürfen auch Spielertipps nicht fehlen. Diese folgen auch gleich in Kapitel vier, in dem beschrieben wird, was man so alles beachten sollte, wenn man einen Anarchen im Spiel verkörpern will. Wie benimmt man sich in Missionen, welche Missionen gibt es, wie denke ich als Anarch – all dies findet man auf den wenigen Seiten. Eine durchaus lohnende Lektüre.
Wie man eine Revolte durchführt steht dann im nächsten Kapitel, ein weiterer Abschnitt, der sicherlich nicht nur für Live-Rollenspieler interessant ist, denn der Aufbau und die Ziele einer Revolte können ja auch in normalen Abenteuern eine wichtige Rolle spielen. Ein paar Archetypen und Regeln für die Handhabung von „Ruf“ (Reputation) folgen im sechsten und letzten Kapitel.
Das Buch hat sich interessant gelesen und mir einige Anregungen gegeben, auch wenn manche Tipps so logisch sind, dass man auch selbst hätte darauf kommen können. Meiner Einschätzung nach sollten Live-Rollenspieler Gefallen an dem Buch finden können und alle anderen bekommen einmal eine etwas andere Sichtweise der Dinge geliefert. Drei von fünf Sternen erscheinen mir gerechtfertigt.
[ Anarch Guide, White Wolf, 218 Seiten, $17,95, Englisch ]