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Rezensionen
Agenten, Händler, Sicherheit und Medien - Kampagnenband 1
[ Lodland: Agenten, Händler, Sicherheit und Medien - Kampagnenband 1, Image 3033, Sprache: Deutsch, Softcover, 99 Seiten, € 22,80 ]
Lodland ist bekannt für seinen Versuch, eine möglichst realistische Zukunft unter Wasser darzustellen. Alle Bücher sind mit Abenteuerideen gespickt und mit Tipps wie man Kampagnen aufbauen kann. Außerdem enthält jeder Band komplette Abenteuer. Wie man allerdings eine längere Kampagne aufbauen könnte - nicht so leicht, denn wie will man "normale" Menschen immer wieder in spannende und vor allem glaubwürdige Abenteuer verstricken - wird im Grundregelwerk nur kurz angerissen.
Die Reihe der Kampagnenbände soll Abhilfe schaffen. Im ersten Band werden, wie der Titel schon sagt, Kampagnenmodelle für Agenten-, Händler-, Sicherheits- und Medienkampagnen mit vielen Hinweisen, neuen Regeln, neuer Ausrüstung und natürlich jeweils einem Abenteuer vorgestellt. Für eine Welt wie Lodland stellen solche Bände sicherlich mehr als nur ein nettes Extra, sondern viel mehr eine Notwendigkeit dar.
Grafisch gefällt mir der Band außerordentlich gut. Besonders die ganzseitigen Titelbilder der vier Kapitel sind gut gelungen, aber auch die anderen Zeichnungen sind größtenteils überdurchschnittlich. Das Layout ist mit schlichten Seitenbegrenzungen und den lodlandüblichen Schriftarten gewohnt solide. Auch das Titelbild ist gut gelungen.
Das Kapitel „Sicherheitskampagnen“ bietet alles, was ich von einem guten Text dieser Art erwarte. Wie in den anderen Kapiteln wird über verschiedene Kampagnenarten, über den Kampagneneinstieg, -verlauf und -ziele und über Gruppenzusammensetzung und spezifische Ausrüstung informiert. Ob wir nun private oder gesetzliche Sicherheitsleute verkörpern wollen oder Ermittler, Detektive oder Konzernsicherheit, alles wird mit hoher Informationsdichte erklärt. Abenteuerideen mit einigen wirklich interessanten Ansätzen runden das Kapitel ab. Am Ende folgt noch das Abenteuer. Keins der Abenteuer des Bandes ist vollkommen ausgearbeitet; es werden nur die wichtigsten Punkte in jeder Szene genannt – in diesem Fall sind es hauptsächlich die Hinweise, die die Charaktere durch Nachforschungen erhalten können. Idee und Aufbau des Abenteuers gefallen mir sehr gut und greifen einige Punkte der vorherigen Beschreibungen auf. Alles in allem eine wirklich schöne Sache. Wer in diesem Kapitel nicht mindestens ein Duzend gute Ideen bekommt, ist blind oder tot. Tobias Hamelmann, der die Zeilen verfasst hat, ist ein Autor, den wir im Auge behalten sollten.
Thematisch sehr ähnlich ist das Kapitel über Spionagekampagnen, dementsprechend gibt es auch ein paar Überschneidungen zur Sicherheit. Die Informationsdichte ist nicht ganz so hoch, aber wieder sind alle wichtigen Punkte angesprochen und viele Ideen verarbeitet. Besonders wichtig ist hier wohl die Erklärung der Geheimdienste der verschiedenen Länder. Der Ausrüstung sind gleich vier Seiten gewidmet (im Gegensatz zu einer halben Seite bei „Sicherheit“ und einer Seite bei „Medien“), für eine James-Bond-Kampagne sicherlich immer noch zu wenig, aber Wanzen, verschiedene Kameras und Sicherheitstechnik (Bewegungsmelder u. ä.) finden alle Erwähnung. Abenteuerideen und Abenteuer sind auch hier gut gelungen.
Es wird ja schon fast langweilig, aber auch das Medienkapitel hat mich voll überzeugt. Wieder wird alles Wichtige erwähnt. Uns wird der Unterschied zwischen U- (Unterhaltung) und I-Medien (Information) erklärt und viele Tipps gegeben, wie man in Abenteuer einsteigt oder wie man eine Gruppe zusammensetzt. Die Handhabung von Ruhm erfolgt mit einer kleinen Zusatzregel. Ein kleiner Abschnitt beschäftigt sich mit Piratensendern und eine Doppelseite listet tabellarisch Duzende von Zeitungen und Sendern auf. Der Tipp, den Inhalt einer U-Produktion einmal zu spielen (also das Drehbuch als Abenteuer) hat mir sehr gefallen und auch die Abenteuerideen sind wieder recht gut gelungen. Den Tipp man solle das Alltagsleben der Medienmitarbeiter ausspielen halte ich allerdings für Quatsch – ich könnte mir jedenfalls kaum etwas Langweiligeres vorstellen. Doch vielleicht liegt das ja nur an mir. Im Abenteuer geht um Geiselnahme und improvisiertes Schauspielern – schönes Ding.
Obwohl „Händlerkampagnen“ eigentlich das Auftaktkapitel des Buches ist, erwähne ich es aus Vergleichsgründen erst jetzt. Der Aufbau ist theoretisch der gleiche wie bei den anderen Kapiteln und doch so verschieden. Der Hauptteil des Kapitels wird von einem Regelsystem gefüllt, das den komplizierten Vorgang von Kaufen und Verkaufen im Spiel handhabbar machen soll. Das System vereinfacht genug, um nicht zu kompliziert zu sein, ist aber komplex und aufwendig genug, um mich zu Tränen zu langweilen. Ich sehe durchaus die Vorteile, die einzelnen Schritte einer Händlertransaktion (Angebot suchen, Preis verhandeln, Ware aufladen usw.) zu kennen, denn so kann man sich einen beliebigen Part aussuchen und zu einem Abenteuer machen. Wenn man nun die Möglichkeit hat, den Rest zu simulieren, ist das nicht schlecht. Dennoch muss man eine Kampagne dieser Art mit Bilanzen und Preisverhandlungen und mit einer riesigen Tabelle mit Angebots- und Nachfragefaktoren schon sehr mögen, um sich daran zu versuchen. Es sei nicht verschwiegen, dass das Handelssystem funktionieren sollte, wenn man also Spaß an so etwas hat, sind alle nötigen Informationen vorhanden. Mir fehlt dieser Spaß allerdings völlig. Die Abenteuerideen sind einigermaßen einfallsreich, wenn sie auch nicht an die Qualität der anderen im Buch heranreichen; das Abenteuer ist allerdings nicht sehr gelungen. Aufbauend auf die nette Idee eines Händlerwettbewerbes sollen wir das Handelssystem benutzen, um herauszufinden, wie gut wir beim Handeln sind. Für die Spannung muss der Spielleiter sorgen. Auch die Pointe ist eher flach.
Fazit: Der Kampagnenband 1 liefert alles, was man erwarten kann. Viele gute Tipps, vollständige Informationen zu bestimmten Themen und gute Abenteuer (die ersten guten Abenteuer für Lodland überhaupt - mit dem Sichtschutz als ersten Schritt in die richtige Richtung). Mehr kann man einfach nicht verlangen. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein wenig mehr Unter-Wasser-Stimmung, denn die Geschichten könnten auch im Jetzt oder einer beliebigen SciFi-Welt über Wasser angesiedelt sein. Aber vielleicht bekommen wir die ja in einem zukünftigen Lodland-Band geliefert. Vier von fünf Sternen.