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Rezensionen

100 sE – Lod und Leute

[ Lodland: 100 sE - Lod und Leute, Image 3033, Sprache: deutsch, Softcover, 116Seiten, € 22,80, Rezension vom 31.07.05 ]

Lodland ist jetzt fast zwei Jahre alt. In den letzten 21 Monaten erschienen immer pünktlich wie vom Verlag angekündigt das Grundregelwerk und insgesamt fünf Quellenbücher, einschließlich des hier besprochenen Bandes „100 sE“. Wir erfuhren von Piraten, dem Leben unter Wasser, verschiedenen Kampagnentypen und lernten sogar, dass die bisher bekannte Welt einen großen und mächtigen Nachbarn hatte, der beim ersten Zusammentreffen das Gefüge der Länder ganz schön durcheinanderschüttelte.

Die gleiche Zeit ist in der Welt unter Wasser vergangen, was uns zum aktuellen Quellenband und der 100-Jahr-Feier des Handelsbündnisses bringt. Der Metaplot von Lodland war unaufhaltsam voran geschritten: Wahlbetrug, Krieg und geschlossene und wieder zerfallene Bündnisse und viel, viel Politik. „100 sE“ greift das Thema der 100-Jahr-Feier auf und nutzt die Gelegenheit, einen Rückblick zu geben, wie es klassischerweise bei solchen Feiern gemacht wird. Das Buch in der altbekannten Aufmachung (akzeptable Bilder, gereiftes Layout und ein ansprechendes Cover) nimmt sich mit einem eigenen kleinen Kapitel jeden Landes an, wirft einen Blick auf das letzte Jahr und beschreibt die aktuelle Situation. Veränderungen, die sich aus den letzten Ereignissen ergaben werden hervorgehoben und es wird Bilanz gezogen. Ein bis drei Seiten sind diese Rückblicke lang und geben einen meist recht guten Einblick in das Land – trotz der Kürze vielleicht einen viel besseren als bisher möglich war. Sogar die neusten Entwicklungen in Mode und Freizeit werden beschrieben. Ich persönlich halte es für totale Platzverschwendung (was interessiert es mich, ob Jazz gerade „in“ ist oder nicht), aber im Zuge der möglichst detailgetreuen Simulation sind andere Leute vielleicht anderer Meinung.

Sollte man keine Lust oder keine Zeit gehabt haben, den Metaplot von Lodland zu verfolgen (regelmäßige Updates der Homepage halten den Fan auf dem Laufenden), bekommt man hier eine Zwischenbilanz. Einzig die Reihenfolge der Kapitel erscheint etwas eigenartig, ohne Inhaltsverzeichnis ist jedenfalls kaum eine Logik erkennbar. Vor allem die Wahl die Zusammenfassung aller Ereignisse ans Ende der Länderkapitel zu setzen, ist unglücklich. Auch die Beschreibung des jungen Landes Wolnosc (eines der interessantesten Kapitel des Buches) hätte ich ein wenig von den anderen Ländern abgegrenzt und nicht einfach dazwischen gesetzt.

Die zweite Hälfte des Buches wird von einem Reiseführer eingenommen, der die Stadt Lod beschreibt. Aufhänger ist eine „authentische“ Broschüre, die für die 100-Jahr-Feier produziert wurde und nun umsonst in der Stadt verteilt wird. Verschiedene Persönlichkeiten beschreiben jeweils eine Kuppel, die ihnen sehr am Herzen liegt. Ein zweiter Reiseführer geht sogar auf die illegalen und zwielichtigen Teile der Stadt ein – beschrieben von Arne Nymo und den anderen Leuten, die einigen vielleicht von ihren regelmäßigen Kommentaren auf der Lodland-Homepage bekannt sind.

Die Idee scheint ja zunächst recht nett zu sein, doch leidet dadurch aber die Informationsdichte ganz erheblich – im schlimmsten Fall sogar zur effektiven Informationsleere. So erfahren wir beispielsweise, dass es bei „Cannritters Tierhandlung“ in Lod1 echte Tiere in guter Qualität gibt. Leider war es das auch schon, und die Tatsache, dass Herr Benedikt Roben, der uns durch die Kuppel führt, selbst einen Papagei besitzt, hilft uns nicht wirklich weiter, wenn wir unsere Spieler einmal zu Cannritter führen wollen.

Aber um fair zu bleiben: Einige der Einträge sind durchaus gehaltvoll. Es bleiben also noch genügend spannende und interessante Details über Lod übrig, um Ideen für viele Abenteuer und Schauplätze zu liefern.

Nach den beiden Reiseführern folgen die Vorstellung des neuen PTIS-Modells und ein paar Tabellen, die sämtliche Ausrüstung aus den verschiedenen Quellenbänden mit Angabe, wo sie beschrieben ist, auflistet.

Den Abschluss bildet wie üblich ein Abenteuer, das diesmal recht detailliert ausgearbeitet wurde – eine schöne Geschichte, mit der man die Spieler ein oder zwei Spielabende gut unterhalten kann.

Das Buch hinterlässt einen gehaltvollen Eindruck. Auch wenn die Hälfte hauptsächlich aus Rückblicken besteht, erfüllt es die sehr wichtige Rolle des Wegweisers im Metaplot von Lodland. Für den Lodlandfan ist „100sE“ jedenfalls trotz seiner Mängel ein unverzichtbares Buch, das die Welt auf den neusten Stand bringt und massenweise Ideen für spannende Geschichten liefert.